Adé zur Energiewende in Bayern?

Die Sonne strahlt, die Kornfelder wiegen ruhig im Wind und nur ein immer wiederkehrendes Rauschen unterbricht die idyllische Ruhe. Im Drei-Sekunden-Takt wechseln sich Schatten und Sonnenschein ab. Disko-Effekt. Und das kontinuierlich und stundenlang – solange Wind weht. Zehn Minuten von…

Die Sonne strahlt, die Kornfelder wiegen ruhig im Wind und nur ein immer wiederkehrendes Rauschen unterbricht die idyllische Ruhe. Im Drei-Sekunden-Takt wechseln sich Schatten und Sonnenschein ab. Disko-Effekt. Und das kontinuierlich und stundenlang – solange Wind weht.

Zehn Minuten von Weißenburg in Bayern entfernt erstreckt sich der Limes Windpark bei Oberhochstatt mit insgesamt 14 Windenergieanlagen. Bei Höchstleistung decken die Anlagen den Stromverbrauch von Weißenburg und den umliegenden Dörfern zu 50 Prozent und das mit grünem Strom. Eine Idee, die nach der Atomkatastrophe in Fukushima in aller Munde war. Dennoch gingen aufgrund von Windparks Beschwerden von Anwohnern ein und der Bayerische Landtag reagierte.

Ja, man hört sie schon rauschen, aber das zu einem gewissen Maß“, so André Goldfuß-Wolf, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Weißenburg in Bayern. „Wie man auf neue Technikformen blickt und reagiert, hat viel mit der menschlichen Perspektive zu tun.“ Dabei arbeiten lokale Investoren mit umliegenden Gemeinden und deren Bevölkerung, wie bei der Erstellung des Limes Windparks, eng zusammen. Vier unterschiedliche Betreiber haben hier Windenergieanlagen errichtet. Und dennoch gibt es Beschwerden aus der Bevölkerung. Ist das Rauschen der Rotorblätter so unangenehm und laut, das Landschaftsbild so ruiniert oder Infraschall so gefährlich, dass der Bau von Windparks eingeschränkt werden muss?

Limes Windpark bei Weißenburg, Foto: Werner Röthlingshöfer

Limes Windpark bei Weißenburg, Foto: Werner Röthlingshöfer

Am 12. November 2014 wurde von der CSU im Bayerischen Landtag eine neue Regelung verabschiedet, die den Mindestabstand von Windanlagen zu Wohngebieten neu definiert: die 10-H-Abstandsregelung. Die neue Formel wird von der Opposition stark kritisiert. Neue Anlagen dürfen nur noch gebaut werden, wenn ihre Entfernung zur Wohnbebauung mindestens das Zehnfache ihrer Höhe beträgt – außer die Kommune stimmt kürzeren Abständen zu. „Die 10 H-Regelung ist ausdrücklich kein Windenergie-Verhinderungs-, sondern ein Bürgerbeteiligungsgesetz. Denn jede einzelne Gemeinde kann den 10-H-Abstand mit Hilfe eines Bebauungsplans unterschreiten“, so Jörg Stumpp, Ministerialrat im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. Bei einer Durchschnittsnabenhöhe einer Windkraftanlage von bis zu 140 Meter, inklusive Rotorblätter bis zu 200 Meter, liegt somit die einzuhaltende Entfernung zum nächsten, bewohnten Gebäude bei zwei Kilometern. Die starke Besiedelung Bayerns macht den Bau von Windparks nahezu unmöglich. „Das stellt eine deutliche Beeinträchtigung der Energiewende dar, denn die meisten vorhandenen Potentialflächen liegen unter 10-H“, so Goldfuß-Wolf weiter. Die Höhe des Windrads ist aber ein wichtiger Aspekt bei der Planung eines Windparks. „Bei der Windenergie ist die Leistung, die erzeugt wird, proportional zur dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Somit streben die Hersteller nach höheren Windkraftanlagen, da mit zunehmender Höhe mehr Wind vorhanden ist. Ein minimaler Zuwachs an der Windgeschwindigkeit liefert einen Ertrag, der in der dritten Potenz steigt“, sagt Klaus Hofbeck, Professor an der Technischen Hochschule in Nürnberg. Kurz gesagt: Je höher das Windrad, desto höher der Ertrag. Die Umsetzung einer Windenergieanlage ist durch die neuen Auflagen und Genehmigungsverfahren deutlich schwieriger und langwieriger geworden. Aber ist dadurch das Ende der Energiewende in Bayern eingeläutet, bevor sie stattgefunden hat?

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Michael Kugler bei der Besichtigung einer Windkraftanlage; Foto: Jessica Lederer

Auf der einen Seite ist die Energiewende politisch gewollt, wird aber auch immer wieder von derselben gebremst“, erklärt Michael Kugler, Geschäftsführer der Bavaria Windpark GmbH. Ruhig und gewissenhaft bedient er den Computer in der Windkraftanlage. Acht dieser Anlagen im Limes Windpark bei Oberhochstatt hat die Firma seit 2001 bereits gebaut. Zwei weitere in einem nahegelegenen Windpark sind noch vor dem 10-H-Gesetz genehmigt worden und werden dieses Jahr realisiert. Neue Anlagen werden nicht folgen. Kein Einzelfall.

Dabei hatte Bayern nach der Atomkatastrophe in Fukushima viel Wert auf die Energiewende gelegt. Die Abhängigkeit von Kernenergie sollte deutlich reduziert werden. Allein von 2011 bis Juni 2014 stieg die Anzahl der Windräder von 149 auf 703 Stück. Das Ziel war die Abschaltung aller Kernkraftwerke in Bayern bis 2022. Dennoch zeigen sich Ergebnisse eher schleppend. „Der Anteil der Windenergie an der Bruttostromerzeugung in Bayern betrug im Jahr 2014 circa 1, 8 Prozent“, sagt Jörg Stumpp. Die gesetzten Ziele bis 2022 zu erreichen, ist ein ambitioniertes Ziel. „Die Energiewende und der dafür erforderliche Ausbau der Erneuerbaren Energien werden aber nur gelingen, wenn die Bevölkerung die dafür nötigen Maßnahmen mitträgt. Ein Ausbau gegen den Willen der Bevölkerung vor Ort verspricht keinen nachhaltigen Erfolg“, so Stumpp weiter. Obwohl Atomkraftwerke einen weitaus höheren negativen Einfluss auf Flora und Fauna als Windräder haben, fällt das Umdenken vielen Menschen schwer. Die Energiewende ist ein guter Ansatz, hat aber ohne einen entsprechenden Windenergieanteil keine Zukunft in Bayern.

Limes Windpark; Foto: Jessica Lederer

Limes Windpark; Foto: Jessica Lederer

Michael Kugler schließt die Tür auf und schaltet das Licht ein. Die Lampen an den Wänden eröffnen einen weiten Blick nach oben in den Turm. Er schaltet die Windanlage aus und die Rotorblätter verlangsamen sich. Das Sicherheitsgeschirr drückt ein wenig während der fünfminütigen Aufzugfahrt bis zur nächsten Plattform, wo der Durchmesser des Turms deutlich geringer ist. Die letzten Stufen bis ganz oben führen über eine Leiter. Es ist sehr warm in der Gondel, bis Kugler die Luke öffnet. Die Sicherung hält. Der Blick von hier oben ist atemberaubend, bei klarem Wetter sind die Alpen zu sehen. Die Sonne geht langsam unter und taucht den Windpark in eine romantische Stimmung. Der perfekte Ort für ein erstes Date, Michael Kugler muss lachen. Die Rotorblätter drehen sich leicht im Wind, zu hören, bis auf den Wind, ist nichts.



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