„Afrikas Bruttoinlandsprodukt wird 2020 auf dem Niveau der USA sein“

Abdu Mukhtar, Chief Strategic Officer der Dangote Group aus Nigeria, stand zur Eröffnung des deutschen Maschinenbaugipfels 2014 in Berlin am Rednerpult. Er prognostizierte bis 2020 einen Aufschwung Afrikas, der das Bruttoinlandsprodukt auf das Niveau der USA heben soll. Das sei dem…

Abdu Mukhtar, Chief Strategic Officer der Dangote Group aus Nigeria, stand zur Eröffnung des deutschen Maschinenbaugipfels 2014 in Berlin am Rednerpult. Er prognostizierte bis 2020 einen Aufschwung Afrikas, der das Bruttoinlandsprodukt auf das Niveau der USA heben soll. Das sei dem permanenten Konjunktur-Hoch auf dem Kontinent geschuldet.

Die am zweitschnellsten wachsende Wirtschaftsregion der Welt sei auch ein guter Nährboden für deutsche Maschinenbauexporte. Die steigende Wirtschaftsdynamik Afrikas lasse die dortige Mittelschicht signifikant wachsen. Diese entwickle eine Kaufkraft, die für Afrika bislang unüblich war. Wo noch hauptsächlich chinesische Produkte konsumiert werden, geht der Trend bei steigender Kaufkraft in Richtung europäischer Güter – davon könne die deutsche Maschinenbauindustrie profitieren. Doch auch andere internationale Konzerne wie Coca Cola, Ford oder Nestle haben den Wachstumsmarkt Afrika entdeckt – sie planen bereits, in großem Stil zu investieren. Das zeuge von Vertrauen in die gestärkten demokratischen Institutionen Afrikas, die gerade im Süden des Kontinents das Rückgrat vieler Regierungen bilde. Somit steige die gesamtwirtschaftliche Stärke des ganzen Kontinents. Wirtschaftlich besser gestellte Staaten wie Libyen oder Ägypten kurbeln wiederum die Konjunktur ihrer Nachbarländer an – die gesamtwirtschaftlichen Verhältnisse verbessern sich. Außerdem gäbe es eine Hingabe zur Industrialisierung Afrikas, da viele afrikanische Staaten Reformen einführen, die aktiv industrielles Wachstum unterstützen sollen. Allen voran Nigeria: Die „Agriculture Transformation Agenda“ beispielsweise zielt auf eine starke Umwandlung speziell landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten ab und der „Industrial Revolution Plan“, der auf die Fertigungsindustrie abzielt, wurde von Präsident Goodluck Jonathan zur stärkeren Industrialisierung von Nigeria mit den Worten „Der NIRP ist das größte Flagschiff der Industrialisierung, das jemals im Heimathafen eingefahren ist“ in die Wege geleitet. Die positiven Auswirkungen solcher Programme seien bereits heute spürbar, so Mukhtar.

Robert Kappel, Referent des KappelLeibnitz-Instituts für globale und regionale Studien (GIGA) sieht Afrikas wirtschaftliche Zukunft nicht ganz so rosig. Zwar seien die Wirtschaftstrends gegenüber den 1980ern und 1990ern sehr positiv, allerdings bei Weitem nicht auf dem ganzen Kontinent. Zwischen dem wirtschaftlich starken „Rising Africa“, Niedrigeinkommensländern und fragilen Staaten wie Mali, in denen politische und soziale Krisen herrschen gebe es große Unterschiede. Auch entkräftet er den Optimismus Mukhtars bezüglich der politischen Stabilisierung und führt Länder wie Liberia und Cote auf, die als gefestigt galten, schlussendlich aber zerfielen. Zudem seien die Potentiale Afrikas in Sachen Auslandsdirektinvestitionen, Bildung und Infrastruktur ausbaufähig. Letztere sei ein besonderes Problem, da ausländische Investoren weite Transportstrecken in Kauf nehmen müssten, um effektiv in die Aufstiegsländer zu investieren. Diese Faktoren halten das Risiko für westliche Anleger hoch. Afrikamanager der Jungheinrich Export AG & Co. KG Slim Lamine hält die „Afrika Reise“ für schwierig und fordert deutsche Maschinenbauunternehmen zu Mut zum Risiko auf. „Ein langer Atem sei jedoch nötig.“

Es bleibt fraglich, ob 54 unabhängige Regierungen, von denen die wirtschaftlich stärksten von schwankenden Öl- und Lebensmittelpreisen abhängig sind, es innerhalb von sechs Jahren schaffen, das Bruttoinlandsprodukt der USA einzuholen. Zu hoffen bleibt es im Sinne aller Beteiligten trotzdem.


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