Artenschutz und Klimawandel im Nürnberger Tiergarten

Nicola Mögel ist promovierte Politikwissenschaftlerin. Im März 2008 übernahm sie die Öffentlichkeitsarbeit und Krisenkommunikation für den Tiergarten Nürnberg.

Ein Grund waren der Ansturm der Gäste und die mediale Aufmerksamkeit für den Eisbären Flocke. Nicola Mögel erklärt, wie der Tiergarten Nürnberg und dessen Flora und Fauna vom Klimawandel betroffen sind und was der Tiergarten dagegen unternimmt.

Sind die Folgen des Klimawandels  im Tiergarten schon zu spüren?
Wir haben einen enorm großen Baumverlust dieses Jahr. Wir haben sehr viele, alte Eichen zum Beispiel, aber auch Buchen. Schon früh im Jahr ist offensichtlich, dass die schon vom letzten Jahr gestressten Bäume es nicht schaffen und jetzt alle absterben. Wir sehen uns hier als eine Bildungsstätte und ein wesentliches Thema für uns als Zoos ist der Erhalt des Artenschutzes, was zum Klimaschutz gehört.

Welcher ist der beste Weg, um das nach außen zu bringen?
Wir sind die größte außerschulische Einrichtung in Nordbayern und haben ein sehr großes Bildungsprogramm, auch in Form von Führungen. Diese richten sich sowohl an Schüler als auch an kleine Kinder und auch Erwachsene. Unsere Führungen haben immer den Schwerpunkt Artenschutz und wie dieser unter Druck gerät. Im Nürnberger Tiergarten leben viele Tiere in einer Art Reservepopulation. Sie sind in ihrem ursprünglichen Lebensraum schon ausgerottet, wie zum Beispiel die Prinz-Alfred-Hirsche. Die leben ursprünglich auf den Philippinen. Das ist ein sehr kleiner Lebensraum, der im Moment sehr stark vom menschlichen Handeln negativ beeinflusst wird. Die philippinische Regierung hat Deutschland gebeten, zwei Reservepopulationen aufzubauen. Das machen wir und die Kollegen in Landau. Wir hoffen, dass sich die Lage auf den Philippinen so verändert, dass wir unsere Tiere zum Teil wieder zurückgeben können.

Der Eingang des Nürnberger Tiergartens.
Foto: Adriano D’Adamo

Die Eisbären wurden groß für den Klimaschutz gefeautered. Warum gerade die?
Wir nutzen immer das Tier, das unter großer Aufmerksamkeit steht, als Botschafter. Gerade der Eisbär leidet extrem unter dem Klimawandel. Mit dem kleinen Eisbären Flocke ist es uns 2008 sehr gut gelungen, darauf aufmerksam zu machen.

Gibt es Pläne, ein neues Botschaftertier zu präsentieren?
Wir haben aktuell kein neues Botschaftertier, aber wir hier in Nürnberg sind in Europa für den Artenerhalt der Schabrackentapire, Seekühe und Hirscheber zuständig. Aber sie kriegen kein Tier gefeatured, wenn kein großes Interesse vorliegt. Jedes Jahr sind irgendwelche Tiere en vouge. Mal sind es Eulen, mal sind es Lamas, mal ist es die Eisbären.

Welche Tiere außer Eisbären sind besonders vom Klimawandel betroffen?
Es gibt wahrscheinlich kein Tier, das mit dem Klimawandel nicht in Berührung kommt. Die Tiere leiden unter dem Klimawandel und unter dem Eingriff der Menschen in ihren Lebensraum. Einer der stärksten Eingriffe ist beispielsweise das Abbrennen der Regenwälder.

Was sind die voraussichtlichen Folgen des Klimawandels für die Tiere in naher Zukunft?
Der Klimawandel ist zu groß, um seine direkten Effekte nur auf eine Tierart zu reduzieren. Die Folgen sind häufig Trockenheit und damit auch fehlende Nahrungsquellen oder der Verlust von Rückzugsmöglichkeiten, weil sich die Bepflanzung komplett geändert hat. Das bedeutet letztendlich immer für die Tiere eine Veränderung ihres Lebensraums. An den veränderten Lebensraum kann sich die eine Tierart besser und die andere oft gar nicht anpassen. Manche sind reine Nischentiere, da ist schon jede Milliveränderung tödlich.

Jedes Tier ist vom Klimawandel betroffen. Foto: Adriano D’Adamo

Wie wird im Tiergarten Nürnberg Nachhaltigkeit umgesetzt?
Wir betreiben seit fünf Jahren einen biologischer Bauernhof für die Eigenversorgung. Unsere größte Anbaumenge ist Gras, das wir als Heu an die Tiere verfüttern. Aber wir können einen Hamster nicht genauso ernähren wie einen Löwen. Es gibt immer wieder Tiere, die wir als Futtertiere töten, wie bespielsweise Ziegen. Wir versuchen jedes Tier, das wir großziehen, an andere Halter zu vermitteln. In der Regel sind das Zoos oder auch Privathalter, wenn sie zugelassen sind. Aber es gibt auch immer wieder Tierarten, die man nicht vermitteln kann, weil es zum Beispiel Herdentiere sind. Dann kann der Fall eintreten, dass wir auch artengeschützte Tiere verfüttern müssen.

Wie nachhaltig verhalten sich die Gäste? Hinterlassen sie viele Spuren wie Plastikverpackungen?
Wir haben letztes Jahr den sogenannten Recup-Becher eingeführt. Das ist ein Pfandsystem, das den Coffee to go-Konsumenten erlaubt, die Becher dort zu kaufen und abzugeben, wo sie gerade sind, also hier im Tiergarten oder auch bei anderen Recup-Partnern innerhalb Deutschlands. In Deutschland machen hunderte Städte mit. Wir waren hier in Nürnberg die Vorreiter und die Stadt Nürnberg hat dann auch mitgemacht.

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