„Auch wir wachsen mit jeder Führung“

Ein schriller Alarm ertönt durch die Räume der Feuerwache 3 unmittelbar neben der Nürnberger Jakobskirche. Doch Hans Höcherl, stellvertretender Wachabteilungsführer bei der Berufsfeuerwehr, sprintet nicht zum Einsatzfahrzeug.

Er sitzt da und schmunzelt. Neben ihm steht eine Tafel bestückt mit Rauchmeldern, einer Brandmeldeanlage und einem Hauptfeuermelder. Die Freude an seiner Arbeit im Feuerwehrmuseum strahlt den Besuchern förmlich entgegen.

 

Mit Ideenreichtum maßangefertigte Ausstellungsfläche. Hier: Tische hergestellt aus alten Kabeltrommeln, Foto: Pascal Schöpf

Seit 1994 arbeitet Höcherl bei der Nürnberger Berufsfeuerwehr, im Team des Museums ist er seit dem Jahr 2000, muss aber gestehen: „Bis 2013 hatten wir eigentlich nur Regale, in denen die Stücke lagen.“ Heute ist das nicht mehr so, denn mit viel Hilfe von außen und dem Einsatz von unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden entstand ein richtiges Museum im Dachgeschoss der Feuerwache 3. Beim Umbau halfen bis zu 50 Leute. Selbst nach einem anstrengenden Einsatz der Berufsfeuerwehr war – kurz vor der Wiedereröffnung – keine Ruhepause vorgesehen, dann wurde auch bis 2 Uhr in der Nacht weiter im Museum gearbeitet. „Es ist natürlich praktisch, alle Werkzeuge hier zu haben, und mit ein wenig Kreativität entsteht dann ein Ausstellungstisch aus alten Kabeltrommeln, Fotowürfel aus einfachen Aluprofilen oder Plexiglasscheiben werden zur Vitrine“, erklärt der Brandinspektor. Er ist offensichtlich stolz auf die geleistete Arbeit, vor der er steht. Alles ist visuell ansprechend gestaltet, Schränke und Vitrinen genau auf die Dachbodenform angepasst und extra montierte Fernseher zeigen sogar – meist selbst gedrehte – Filme, die den Einsatz der ausgestellten Exponate verdeutlichen.

 

Wermutstropfen Fahrzeuge

Detailgetreue Miniaturfahrzeuge müssen herhalten, um die Fahrzeugpracht des Museums zu zeigen. Ersetzen können diese die echten Fahrzeuge aber nicht. Foto: Pascal Schöpf

Wer an die Feuerwehr denkt, dem schießen sicherlich sofort die Gedanken an knallrote Fahrzeuge in den Kopf. Das ist natürlich auch bei Höcherl nicht anders, doch für die über 25 Fahrzeuge ist auf dem Dachboden der Wache 3 kein Platz. Gerne würden die ehrenamtlichen Museumsführer den Besuchern auch die Fahrzeuge vorstellen und die Technik erklären.  „Passende Hallen gäbe es in Nürnberg zu Hauf, aber Ausstellungsflächen für Fahrzeuge kosten viel Geld“, sagt der Feuerwehrmann vor einem Glaskasten voller kleiner roter Fahrzeuge. Das führt dazu, dass viele der alten Feuerwehrautos höchstens ein bis zwei Mal jährlich aus ihren unterirdischen Depots geholt werden, meist um wenigstens den Besuchern von Oldtimer-Treffen die Fahrzeuge und ihre Funktionen vorzuführen. Andere Fahrzeuge erblicken nur alle sechs Jahre das Tageslicht, nämlich dann, wenn der Tunnel, in dem sie stehen vom TÜV überprüft werden muss. „Das schmerzt schon. Wenn die Fahrzeuge im guten Zustand sind, möchte man sie auch vorführen“, meint Höcherl. Er blickt auf liebevoll gestaltete Miniaturnachbildungen der Einsatzfahrzeuge. Diese wurden von Mitgliedern des Feuerwehrmuseumvereins in mühevoller Kleinstarbeit hergestellt und stellen auch reale Einsätze nach.

 

Jeder lernt

Höcherl ist froh über den technischen Fortschritt. Mit diesem alten Atemschutzgerät möchte er heutzutage nicht in den Innenangriff. Foto: Pascal Schöpf

Solche Nachstellungen helfen den Besuchern zu verstehen, dennoch würden die Feuerwehrleute ihrem Publikum viele Dinge gerne praktischer erklären. Die Führungen sind für die Mitarbeiter der Wache 3 eine willkommene Abwechslung zum stressigen Arbeitsalltag, obwohl die meisten ehrenamtlich in der Freizeit stattfinden. Gruppenführungen halten die Feuerwehrleute auch während ihrer Dienstzeit, natürlich nur so lange gerade kein Einsatz ansteht. Zwischen 500 und 800 Besucher zählt das Museum jedes Jahr, am Tag der offenen Tür sind es dann zwischen 3.000 und 5.000. Höcherl strahlt am Ende des Rundgangs, „man muss so eine Führung einfach leben“. Und dass er das tut, sieht man ihm in jedem Augenblick an. Von Kindergarten- und Grundschul- bis hin zu Seniorengruppen ist die Besucherschaft bunt gemischt. Feuerwehreinsteiger sind genau so willkommen wie aktive Feuerwehrmänner oder die Jugendfeuerwehren. Sie eignen sich Wissen an, von technischen Einsatzmöglichkeiten und früher verwendeten Taktiken bis zur Geschichte der Stadt Nürnberg. Doch nicht nur die Besucher lernen hier im Feuerwehrmuseum immer etwas dazu. Höcherl erzählt erfreut: „Auch wir wachsen mit jeder Führung.“

 

Website des Feuerwehrmuseums Nürnberg.

 

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