Auf den Spuren des Ansbacher Findelkinds

Den Eingangsbereich des Markgrafenmuseums ziert eine imposante Glaswand. Auf ihr verteilt sind die Unterschriften der Markgrafen, Kaspar Hausers und seiner Zeitzeugen. Nicht zu übersehen ist der große weiße Schriftzug: „Wer bist du Kaspar Hauser?“. Doch was hat Kaspar Hauser mit den Markgrafen zu tun? „Gar nichts!“, meint Wolfang Reddig, der Leiter des Museums. „Die Markgrafen sind aus Ansbach und Kaspar Hauser war zu seinen Lebzeiten auch dort. Die Übereinstimmung bildet der Ort, es ist ein historischer Zufall.“

Markgraf Alexander und Markgräfin Friederike Caroline aus dem ehemaligen Jagdschloss Deberndorf. Foto: Cathrin Hechelbauer

Bevor es in die Kaspar-Hauser-Abteilung geht, beginnt der Rundgang im Zwischengeschoss. An diesem Ort ist die Geschichte von Ansbach im Mittelalter ausgestellt. Dem Besucher wird anhand von Gemälden, Skulpturen und originalgetreuen Möbelstücken ein Teil der damaligen Zeit nähergebracht. Über eine historische Holzwendeltreppe geht es hinauf ins erste und zweite Obergeschoss: der Zeitsprung in die Markgrafenzeit. Ins Auge stechen die zwei lebensgroßen Gemälde am Ende des Ganges.

Von eiserner Ritterrüstung bis hin zu mit Edelsteinen verzierten Kronen sind verschiedene Stücke und Sammlungen aus der Vor- und Frühgeschichte sowie vom 15. bis 19. Jahrhundert rund um Ansbach zu bestaunen. Alles geschützt hinter Glas, damit nichts beschädigt wird. Reddig erklärt mit ernster Miene: „Wir versuchen alles so gut wie möglich zu erhalten.“ Dafür nutzen sie Diebstahlsicherung und Feuermelder. Das Personal ist beauftragt, alles mit Samthandschuhen anzufassen. Damit die Instandhaltung des Wissensortes gewährleistet ist, sind Ungezieferschutz und die richtige Temperaturregelung notwendig. Viele Exponate gehören dem Museum, andere widerum sind Leihgabe der Sparkasse Ansbach oder von Privatleuten.

Die Erbprinztheorie

Original Unterhose von Kaspar Hauser mit dem Blutfleck. Foto: Cathrin Hechelbauer

Das Highlight ist die Kaspar-Hauser-Ausstellung im Erdgeschoss. Aber wer ist Kaspar Hauser? Der Mythos basiert auf einem Findelkind. Er tauchte 1828 im Alter von etwa 16 Jahren in Nürnberg auf und wurde nur fünf Jahre später im Ansbacher Hofgarten ermordet. Viele behaupten, er sei der Prinz von Baden gewesen. Andere beschimpfen ihn als Betrüger. „Kaspar Hauser ist ein Stück weit reine Glaubensfrage“, sagt Reddig. Das Museum unterstützt den Mythos: Das Licht ist gedimmt, in der Mitte des Raumes steht eine Vitrine, darin eine gesichtslose Puppe. Sie trägt die originale Kleidung Kaspar Hausers, die er bei seiner Ermordung trug. Er hatte einen braunen Mantel mit einer schwarzen Stoffhose und einen schwarzen Zylinder an. Reddig zeigt auf den Mantel und erklärt: „An der Seite sieht man, wie brüchig das Material ist, dennoch ist der Messerschlitz genau zu erkennen.“ Der faustgroße Blutfleck auf der weißen Unterhose sticht sofort ins Auge. Genforscher haben seine DNA bereits mehrmals untersucht, doch noch herrscht Unwissenheit, ob seine adelige Abstammung der Wahrheit entspricht.

Jede Stimme zählt

Wolfgang Reddig vor der Abstimmungstafel. Foto: Cathrin Hechelbauer

In der Ausstellung befinden sich zwei Hörfunkstationen, eine nachgestellte Tonaufnahme lässt Hauser und Zeitzeugen über sein kurzes Leben erzählen. „Die Hörfunkstationen dienen zum Medienwechsel, dort wird mit Hilfe von Audioaufnahmen Wissen vermittelt“, sagt Reddig. Die Besucher werden dadurch animiert, selbst etwas zu machen. Am Ende des Raumes hängt ein großes weiß-rotes Plakat an der Wand mit der Aufschrift „Wer war Kaspar Hauser? Stimmen Sie ab!“. Jeder Besucher kann für Prinz oder Betrüger stimmen und seinen Strich setzen. „Ich möchte, dass der Besucher hier inhaltlich mit dem Thema abschließt. Dank der Abstimmungswand funktioniert das“, erläutert Reddig. „Wenn der Besucher seine Stimme hinterlässt, hat er sich mit dem Thema ganz anders auseinandergesetzt, denn er hat sich für eine Seite entschieden.“

Wer noch mehr über Kaspar Hauser erfahren möchte, besucht den Stadtrundgang „Auf den Spuren Kaspar Hausers“. Bei der Tour können die Besucher den Wohn- und Sterbeort, sowie verschiedene Figuren und Gedenktafeln von Hauser entdecken.

 

Website des Markgrafenmuseums.

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