Auf der Jagd nach Filmdosen und Plastikboxen

Mittels GPS einen Schatz zu heben, der aus einem Logbuch, Schlüsselanhängern und Plastikspielzeug  besteht – das galt lange Zeit als Hobby von Techniknerds. Nun ist Geocaching zum Trend geworden. Die Sonne steht niedrig am Himmel, die Temperatur liegt knapp über dem…

Mittels GPS einen Schatz zu heben, der aus einem Logbuch, Schlüsselanhängern und Plastikspielzeug  besteht – das galt lange Zeit als Hobby von Techniknerds. Nun ist Geocaching zum Trend geworden. Die Sonne steht niedrig am Himmel, die Temperatur liegt knapp über dem Gefrierpunkt. Dick eingepackt und mit einem GPS-Gerät in der Hand, läuft Martin den Waldweg entlang. Sein Blick schweift zwischen dem Display und der Umgebung hin und her. „Zehn Meter noch. Irgendwo hier muss sie sein.“  Er ist auf der Suche nach einer winzigen Dose – einem Geocache.

Dieser Cache ist das Ziel der modernen Hightech-Schnitzeljagd namens Geocaching. Dabei geht es um das Verstecken und Suchen von Behältern. Gebraucht wird dazu nur ein GPS-Empfänger. Mit seiner Hilfe gleicht man den eigenen Standort mit den Koordinaten des Caches ab.
Dank Smartphones, moderner Technik und dem Einfallsreichtum ihrer Anhänger boomt die Mischung aus Spiel und Sport. 2003 wurde der erste Geocache in den USA versteckt, mittlerweile gibt es weltweit um die 2,5 Millionen Caches. Alleine in Nürnberg sind es über 600.

Die Basis für das Geocaching ist das Internet. Wer einen neuen Cache auslegt, stellt die Koordinaten und eine kurze Beschreibung online, auf Websites wie geocaching.com oder opencaching.com. Andere Mitglieder der Seite können nun mit den Koordinaten auf die Suche gehen. Wer das Versteck entdeckt hat, trägt sich in das beiliegende Logbuch ein und hinterlässt einen Kommentar auf der Internetseite.
Einen wahren Schatz zu finden, ist nicht die Motivation beim Geocaching. Neben dem Logbuch enthält der Behälter meist einen Stift zum Schreiben und einige kleine Tauschgegenstände, wie Spielfiguren, Flummis und Luftballons.

Wie es zum Erfolg der Hightech-Schatzsuche kam, erklärt Jörg Bertram, der Geschäftsführer der Deutschen Wanderjugend. „Die Technik, die man für das Geocachen benötigt, wird immer billiger und ist einfacher verfügbar. Fast jeder hat heutzutage ein Smartphone mit GPS, damit lässt sich gleich loslegen.“ Auch die GPS-Geräte sind längst nicht mehr unerschwinglich. „Da ist für 80, 90 Euro was zu haben“. Außerdem spricht Geocaching die Leute an, denen ein Spaziergang an der frischen Luft alleine zu langweilig wäre. Man hat ein klares Ziel und am Schluss die Herausforderung, den Cache zu finden. Man kommt an Orte, an denen man noch nie war, „oft direkt vor der eigenen Haustür“, so Bertram.

Zu denen, die viel und intensiv cachen gehen, gehört Siegfried Neckel. Der 32-Jährige ist seit vier Jahren dabei und hat bisher über 3000 Dosen gefunden. An freien Tagen lädt er gerne mal sein Rad aufs Auto und fährt weitere Strecken, um dann dutzende Caches an einem Tag zu machen. Auch im Urlaub wird gecacht. Mit seiner Frau und seinen Kindern hat er an der Nordsee einmal 180 Dosen an einem Tag gefunden. Das ist ihr Familienrekord. Geocaching erlebt aber auch als Beschäftigung für zwischendurch einen Aufschwung. In der Mittagspause oder zwischen zwei Terminen schnell einen Behälter finden – das ist heute ganz einfach. Die Anzahl der Geocaches in der Stadt steigt stetig. Mit der passenden App lassen sich alle Verstecke in der Nähe bequem anzeigen.

Wer mehr Zeit mitbringt, kann sich an aufwändigeren Caches versuchen. Bei einigen muss ein Rätsel gelöst werden, um die richtigen Koordinaten zu erhalten, bei anderen werden an verschiedenen Stationen Hinweise gesammelt, ohne die sich das Versteck nicht finden lässt. Wiederum andere sind nur mit spezieller Ausrüstung zum Klettern oder Tauchen zu erreichen. „Das ist es, was den Spaß am Geocachen erhält“, sagt Martin, der seit einigen Jahren immer mal wieder mit dem GPS-Gerät loszieht – „dass manche sich richtig Mühe geben beim Aufbau eines Caches“.

Der Boom der Sportart birgt auch Risiken in sich. Andreas Herzog, Vorsitzender der Jägergesellschaft „Brauner Hirsch“ in Nürnberg, warnt vor fahrlässig platzierten Nachtcaches. In der Nähe von Wildruheplätzen ist das „zu viel Licht und Krach“, die Tiere werden durch jede neue Cachergruppe aufgeschreckt. Auch tagsüber sollten diese Ruhezonen am besten gemieden werden. Deswegen schreibt er die Eigentümer von solchen Caches im Internet an, und bittet sie darum, sie woanders zu platzieren. „Meistens machen sich die Leute bloß zu wenige Gedanken“. Dass durch mehr Cacher auch mehr Probleme entstehen, weiß auch Siegfried Neckel. „Es gibt einige, die nehmen die Sache nicht ernst.“ Da werde schon mal Müll in den Wald geworfen oder ein Cache an den falschen Platz zurück geräumt, sodass er vom Nächsten nicht mehr gefunden werden kann.

Die meisten Cacher halten sich aber an die vorgegebenen Richtlinien. Beim Verstecken und Suchen von Caches kein Eigentum zu zerstören, Flora und Fauna nicht zu schädigen und sich an die örtlichen Gesetze zu halten – „mit etwas gesundem Menschenverstand versteht sich das von selbst.“

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