Bereit für die Zukunft?

Der Maschinenbau ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Deutschlands und mit rund einer Millionen Beschäftigten ein großer Arbeitgeber. Doch wird das auch in Zukunft so bleiben? Ob Glasflasche oder Müllcontainer, Computer oder Schreibtisch – all das hängt mit Maschinenbau zusammen. Schließlich…

Der Maschinenbau ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Deutschlands und mit rund einer Millionen Beschäftigten ein großer Arbeitgeber. Doch wird das auch in Zukunft so bleiben?

Ob Glasflasche oder Müllcontainer, Computer oder Schreibtisch – all das hängt mit Maschinenbau zusammen. Schließlich entsteht jedes industrielle Produkt in einer Produktionsanlage, die von Maschinenbauern entworfen und gebaut wurde. Doch heißt das auch, dass die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften weiterhin groß bleibt, und dass die Arbeitsplätze sicher sind?

Die Konjunktur ist im Moment leicht rückläufig, trotzdem geben führende Vertreter des Maschinenbaus sich positiv. Unterstützung durch die Politik und eine Besinnung auf die eigenen Kernkompetenzen sollen helfen, auch in Zukunft stark zu bleiben.

Schrumpfende Märkte

Rosig sieht anders aus: Nachdem schon letztes Jahr die Umsätze leicht zurückgegangen waren, schwächelt die Konjunktur im Maschinenbau weiter. Durch die Ukrainekrise und Konjunktureinbrüche in mehreren EU-Ländern verschwinden Märkte. Die Maschinenexporte nach Russland beispielsweise brachen im ersten Halbjahr 2014 um 19 Prozent ein. Das Geschäftsklima als Frühindikator für die weitere Entwicklung ist im September zum fünften Mal in Folge gesunken, berichten die Arbeitnehmerverbände der Metall- und Elektroindustrie.

Von einer Marktberuhigung könne man sprechen, von einer Krise aber nicht, meint Reinhold Festge, der Präsident des VDMA. Im kommenden Jahr erwarte er ein Plus von zwei Prozent in  der Produktion. Diese Zuversicht scheint die gesamte Branche zu teilen. Die Beschäftigungszahlen sinken nicht, sondern steigen leicht an. Im August arbeiteten rund eine Millionen Menschen im Maschinenbau, 18.000 mehr als im Vorjahr. Waren in der Krise von 2008/2009 noch 231.000 Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie verloren gegangen, gab es seit dem März 2010 rund 328.000 Neueinstellungen.

Deutschland als Standort attraktiver machen

Festge warnt die deutsche Politik jedoch davor, den Maschinenbau weiter auszubremsen. Die Regierung habe mit der Rente mit 63 und der Mütterrente „leichtsinnig sehr viel Geld ausgegeben“. Um der Industrie zu mehr Wachstum zu verhelfen, solle man stattdessen mehr in Forschung, Datennetze, Verkehrswege und Stromtrassen investieren. Indem man den Maschinenbau unterstütze, fördere man die deutsche Wirtschaft. „Man kann nur sozial sein, wenn man es auch bezahlen kann.“

Man müsse Nachteile abbauen, meint auch Regina Brückner, die Geschäftsführerin bei Brückner Trockentechnik. Dazu zähle beispielsweise die EEG-Umlage. „In Deutschland ist der Nachteil der Energiepreise ganz deutlich.“ Das führe zu absurden Auswüchsen. „Es gibt Firmen, die ihre Anlagen leer laufen lassen und absichtlich mehr Gas verbrauchen, damit sie keine Umlage zahlen müssen. “ Dabei gäbe es weitaus bessere Methoden, um seine Profite zu steigern.

Mehr Service und Koordination

Auf dem Maschinenbaugipfel in Berlin stellte Brückner dazu mehrere Strategien vor. Zum einen sollten Unternehmen mehr auf Service setzen. „Angebote wie Reparatur oder Instandhaltung bringen zusätzliche Profite.“ Früher habe es dafür kaum eine Nachfrage gegeben. Die meisten Unternehmer, die die Maschinen kauften, hätten eine eigene Service-Abteilung gehabt. Im Zuge der Rationalisierung seien diese allmählich verschwunden – eine Chance für den Maschinenbau, sich eine zusätzliche Einkommensquelle zu erschließen.

Zum anderen rät sie den Unternehmen, sich ein Projektmanagement aufzubauen, in dem die Planung und Abwicklung von Geschäften zusammenläuft. Am Anfang schaffe das sicher Mehrkosten, sagt Brückner, im Endeffekt spare man aber Geld – dadurch, dass die Abläufe schneller, effizienter und übersichtlicher werden.  Je länger das Managementteam arbeite, desto besser kenne es sich aus und desto mehr Fehler könnten vermieden werden.

Die Nachteile des Wirtschaftsstandorts Deutschland erlebt Brückner momentan am eigenen Leibe. Die Firma wächst und will deshalb ein neues Gebäude errichten. In der Nähe des neuen Areals brütet aber ein Kibitzpärchen. Deshalb muss Brückner eine Ausgleichsfläche von zwei Hektar schaffen. „In der Schweiz wäre es nur einer.“

 

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