Bierbrauer, Ingenieure ohne Grenzen und Skateboards – Impressionen aus einer langen Nacht

Bierbrauer, Ingenieure ohne Grenzen und Skateboards – Impressionen aus einer langen Nacht

Röthelheim Bräu – die etwas andere Brauerei Süßer Malzgeruch liegt in der Luft, vermischt mit dem angenehmen Duft von Hopfen. In der Ferne lässt eine Dampfwolke ahnen, was hier geschieht. Es wird Bier gebraut, aber nicht in einer großen Brauerei….

Röthelheim Bräu – die etwas andere Brauerei

Süßer Malzgeruch liegt in der Luft, vermischt mit dem angenehmen Duft von Hopfen. In der Ferne lässt eine Dampfwolke ahnen, was hier geschieht. Es wird Bier gebraut, aber nicht in einer großen Brauerei. Mitten in den ehemaligen Ferris-Baracken der US-Armee im Röthelheimpark befindet sich das Bier-Brau-Projekt „Röthelheim Bräu“ des Studiengangs Bioverfahrenstechnik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Zur Langen Nacht der Wissenschaften hat die kleine Brauerei im Süd-Osten Erlangens ihre Pforten für Neugierige geöffnet. Unter dem Motto „Bier brauen zum Anfassen“ erklärten Diplom- Ingenieur Stefan Ringgeler und sein Team die einzelnen Schritte des Brauverfahrens: von der Idee des Bieres über die Auswahl geeigneter Komponeten bis hin zum eigentlichen Brauen und dem Abfüllen des fertigen Getränks. „Unsere Produkte sind alle ausschließlich von regionalen Brauereien, Mälzereien und Hopfenlieferanten gespendet oder werden über Spendengelder finanziert“, so Ringgele

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Jeder Student kann bei diesem Projekt mit anpacken. Foto: Jessica Lederer

Das Team präsentierte am diesem Abend ihr preisgekröntes After Ale, das den dritten Platz beim Wettbewerb „Bestes Bier 2015“ auf dem internationalen Brauwettbewerb gewann. Ein Ale der besonderen Art, tief dunkle Farbe und ein erfrischender Geschmack mit einer Note von Schokolade und Minze. Durch eine Mischung von speziellen Malzen erreichen die Brauer den zarten Schokoladengeschmack des mit bis zu neun Volumenprozents recht starken Bieres. Der Minzgeschmack wird erst nachträglich hinzugefügt. Der Braumeister nennt das Stopfen: Dabei wird dem Bier bei der Nachgärung oder der Lagerung ein Säckchen mit aromatischen Stoffen beigegeben, in diesem Fall die frische Minze.

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Das „After Ale“ in seiner dunklen Pracht. Foto: Jessica Lederer

Im Dienste der Wissenschaft braut die kleine Brauerei seit 2009 bis zu 1900 Liter im Jahr. Mit ihren beiden 200 Liter-Kesseln ist das keine leichte Aufgabe. „Das Seminar erfreut sich hoher Beliebtheit, die zehn Plätze für die Studenten sind zu jedem Praktikum ausgebucht. Für unsere drei Teamleiter bedeutet das viel Arbeit, aber auch jede Menge Spaß. Auf fast jedem Fest der Friedrich-Alexander-Universität trifft man unsere Biersorten an und darauf sind wir auch stolz“, berichtet Ringgeler.

Offiziell im Handel verkaufen dürfen sie das Bier allerdings nicht. Die gesamte Anlage ist zwar vom Gesundheitsamt abgenommen, das Brauprojekt zielt jedoch nicht auf Profite ab, sondern dient rein der Lehre und Forschung. „Der eine oder andere Kleinabnehmer unter den Seminarteilnehmern findet sich dann aber schon“, erwähnt Stefan Ringgeler und fügt hinzu:, „gegen eine kleinen Spende, versteht sich natürlich.“

Ingenieure ohne Grenzen – Studenten packen mit an

DSC_0235Auf der Langen Nacht der Wissenschaften in Erlangen ging es nicht nur um Astronauten, Bierbrauen oder pure Wissenschaft, sondern auch um Hilfsorganisationen, wie die Ingenieure ohne Grenzen. Die Regionalgruppe Nürnberg, bestehend aus Studenten, Berufstätigen und Senioren aller Fachrichtungen, wurde im Januar 2009 gegründet und hat seitdem viele Projekte verwirklichen können.

In Folge des Erdbebens im Frühjahr 2015 setzen sie sich aktuell für den Wiederaufbau von Schulen und Wohnhäusern in Nepal ein. „Besonderer Wert wird auf eine erdbebensichere Bauweise gelegt“, so Pham Duc Huy Hoang, Mitglied der Hilfsorganisation und Student an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er studiert Maschinenbau und spendete zunächst nur, doch seit vier Monaten ist er ein aktives Mitglied und hat sich engagiert an die Recherchearbeit gewagt. „Es war sehr wichtig sich mit alternativen Baumaterialien zu beschäftigen, denn an Stahlträger oder Ähnliches ist in Nepal nicht zu denken. Hier wird mit Holz, Lehm und Bambus gebaut.“

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Freiwillige Helfer sind das A und O der Ingenieure ohne Grenzen. Foto: Jessica Lederer

Neben dem Material spielt auch die Bauweise eine wichtige Rolle. So sollen beispielsweise ein Einheitsbau und ein kreisförmiges Haus bei weitem stabiler sein als herkömmliche Bauweisen. Auch Statiker, weitere Ingenieure und Experten analysierten die Lage vor Ort und entwickelten anschließend gemeinsam einen Plan für die Wiederaufbauten.

Nicht nur in Nepal sind die jungen Ingenieure aktiv, sondern auch in Vietnam. Dort versuchen sie, den Menschen Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen, „denn was für Europäer bereits Gewohnheit ist, ist hier noch Luxus. Vor allem an Schulen gibt es derzeit keinerlei Sanitäranlagen“, erklärt Pham Duc Huy Hoang. Ihre Erfolge erzielen sie durch verschiedene Kooperationen mit ortsansässigen Firmen oder anderen Organisationen, wodurch Sprachbarrieren mit den Einheimischen leichter überwunden werden können. Dank ihrer haben nun rund 400 Schüler an zwei nepalesischen Schulen Zugang zu Sanitäranlagen und Trinkwasser.

In den Kernbereichen Wasserversorgung, Sanitärversorgung, Erneuerbare Energien, Brücken- und Hochbau sowie Interkulturelle Kommunikation konnten die Ingenieure in den vergangenen Jahren einige Projekte verwirklichen. In Tansania bauten sie im Jahr 2008 Zisternen für Familien. Dadurch kann in der Regenzeit das Wasser aufgefangen und gefiltert werden, wodurch die Bewohner ganzjährig Zugang zu sauberem Wasser haben. In Kenia konnten sie durch Trenntoiletten eine erhebliche Verbesserung der Hygiene-Situation erreichen.

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Die Ingenieure ohne Grenzen finanzieren sich ausschließlich durch Spendengelder. Foto: Jessica Lederer

Medical Valley – Das Skaten von morgen!

Was Skateboard fahren mit Wissenschaft zu tun hat, vermittelte der Stand des Studiengangs Sportinformatik am Standort Medical Valley e.V. Erlangen. Skateboards, präpariert mit verschiedenen Sensoren an den Decks, liefern Daten, die mit Hilfe spezieller Programme ausgewertet werden, um Auskunft über Tricks oder generell Bewegungen des Boards geben zu können. Sportinformatik-Studierende  verwenden ein selbst programmiertes System, um die Daten auszuwerten. Dadurch können sie Auskunft über die Bewegungen des Boards geben und diese auf dem Bildschirm darstellen.

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Mit diesem „Ollie“ sollte das Progamm keine Probleme bei der Auswertung haben. Foto: Jessica Lederer

Als Krönung kann das Programm sogar erkennen, um welchen Trick es sich jeweils handelt. Für Profis könnte dieses System durchaus hilfreich sein, um Fehler sichtbar zu machen und größere Trainingserfolge zu erzielen. Ohne die richtigen Voreinstellungen lässt sich das System jedoch durch die verschiedene Fahrstile goofy und regular austricksen. Nicht nur Skater, sondern auch Snowboarder können von dem Programm profitieren, denn generell wollen die Studenten ein Trainingsprogramm für beide Boards erstellen und konnten hierbei schon Erfolge erzielen.

 

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