Bio oder nicht Bio, das ist hier die Frage

Freitag, 16 Uhr. Feierabend. 30°C im Schatten. Auf dem Weg zum Grillen wollte ich eigentlich nur noch schnell im Supermarkt am Rathenauplatz Salat und Fleisch holen. Inzwischen stehe ich seit fünf Minuten vor der Gemüsetheke.

Mein Kopf wandert immer wieder zwischen zwei Körben Gurken hin und her. Auf dem Schild über dem ersten Korb steht „Salatgurke, je 0.69€“. Über dem zweiten Korb steht „Bio-Gurke, je 1,49€“. Bio-Gemüse sollte doch eigentlich die bessere Wahl sein, aber ist der mehr als doppelt so hohe Preis gerechtfertigt? Woran erkenne ich denn, ob die Salatgurke nicht auch nach Bio-Standards angebaut wurde? Und was genau macht Bio-Lebensmittel besser als ihre herkömmlichen Alternativen?

 

Was ist Bio und was heißt das?

Die Verkäufer, die ich im Supermarkt finde, können mir bei diesen Fragen nicht helfen. Den ganzen Abend über lässt mich das Thema nicht los. Samstagmorgen ist es dann soweit. Ich packe meinen Laptop aus und suche im Internet nach dem Begriff Bio. In einem Artikel auf Stern.de und auf der Online-Plattform Utopia.de werde ich schließlich fündig:

„Die Begriffe Bio und Öko sind durch die EG-Öko-Verordnung EU-weit geschützte Begriffe“, schreibt Stern-Redakteurin Antje Helms. Das heißt, sie müssen lebensmittelrechtliche Standards erfüllen, die über die konventioneller Produkte hinausgehen. Generell sind

Das EU-Bio-Siegel Quelle: EU-Kommission

biologisch beziehungsweise ökologisch produzierte Lebensmittel immer am EU-Bio-Siegel zu erkennen: zwölf weiße Sterne in Blattform auf grünem Hintergrund. Manchmal findet man auf Produkten auch noch das sechseckige „deutsche Bio-Siegel“, das der Vorgänger des EU-Siegels ist. Aufgrund des hohen Bekanntheitsgrads verwenden viele Hersteller dieses Sechseck parallel weiter, da zwei Siegel nach mehr aussehen als eines.

Um ein Produkt mit dem EU-Bio-Siegel versehen zu dürfen, verpflichtet sich der Hersteller folgende Standards zu mindestens 95 Prozent einzuhalten:
den Verzicht auf chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel, eine höchstzulässige Anzahl von Tieren pro Hektar, artgerechte Haltungsformen, biologische Futtermittel, das Verbot von Antibiotika zu anderen als medizinischen Zwecken und einem Verbot von Gentechnik.
Zusätzlich sind in verarbeiteten Bio-Lebensmitteln nur 49 Zusatzstoffe erlaubt, statt der 316 in konventionellen Produkten. Seit 2010 gibt es sogar EU-Standards für gezüchteten Bio-Fisch aus Aquakulturen. Hier reichen die Kriterien von tiergemäßen Haltungssystemen, über maximalen Haltungsdichten in Becken bis zu nachhaltigen Futtermitteln.

Auf den ersten Blick sind alle Gurken gleich                  Foto: Frederik Scharf

 

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

„Schön und gut, dass die EU Standards für Bio Produkte definiert hat“, denke ich mir. „Aber wird auch sichergestellt, dass diese auch eingehalten werden?“ Ich schicke E-Mails an Bio-Hersteller, bekomme aber keine Antwort. Letztendlich hilft mir Almut Röhrl mit seinem Artikel auf der Homepage des Wissensmagazins Planet Wissen weiter. Er schreibt:

„Die Hersteller von Bio-Produkten müssen sich bei einer der 20 in Deutschland zugelassenen Öko-Kontrollstellen anmelden. Erzeuger wie Händler müssen dabei nachweisen, dass sie ökologisch wirtschaften beziehungsweise in der Lage sind, eine Vermischung von Biowaren mit konventionellen Rohstoffen zu vermeiden und die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. Beispiel Roggenbrot: Wie viel Brot wurde verkauft? Wie viel Roggen ist in der Rezeptur des Brotes? Wie viel Roggen wurde verbraucht? Liegen für die gesamte verbrauchte Menge Roggen Einkaufsrechnungen über Bio-Roggen vor? Bei landwirtschaftlichen Betrieben werden die Verkaufsmengen sogar zusätzlich noch auf Plausibilität zur Anbaufläche geprüft.“
Nach der ersten Prüfung, bei der ein Kontrolleur den Betrieb begutachtet, werden die Nutzer des Zeichens mindestens einmal jährlich kontrolliert. Ungefähr jeder fünfte solche Besuch erfolgt unangemeldet.

 

Nur Bio macht noch lang keine gesunde Mahlzeit

Gut, es gibt Regeln und die werden auch kontrolliert. Aber bringt der ganze Aufwand auch Ergebnisse? Sind Bio-Produkte wirklich gesünder als herkömmliche Lebensmittel? Eine Mail an die fränkische Bio-Supermarktkette ebl bleibt unbeantwortet. Im Internet finde ich dann gleich zwei Antworten:   

Der Infodienst „aid“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erklärt: Bio-Lebensmittel sind gesünder. Sie enthalten weniger Nitrat, mehr Nährstoffe und sind geeigneter für allergieempfindliche Menschen.
Jedoch ist der Unterschied zu herkömmlichen Lebensmitteln nach bisherigen Erkenntnissen nicht groß. Eine Studie der Universität Stanford kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Vitamingehalt kaum unterscheidet. Fette und Proteine sind ähnlich verteilt und Krankheitserreger kommen in keiner der beiden Gruppen häufiger vor. Allerdings verringert sich mit Bio-Essen nach Erkenntnissen der Wissenschaftler das Risiko, Pflanzenschutzmittel zu sich zu nehmen.

 

Meist ist der größte Unterschied zwischen Bio und nicht-Bio immer noch der Preis. Warum das so ist, kann mir ebenfalls Antje Helms Artikel von der Stern-Redaktion beantworten:

Aber…

„Wenn Bio doch so viel richtig macht, wieso hört man dann immer wieder kritische Stimmen zu diesem Thema“, frage ich mich. „Irgendwo muss es hier doch noch einen Haken geben.“

„Gerade exotische Importe aus dem Ausland werden oft mit dem Flugzeug transportiert und belasten dadurch die Umwelt stark. Ein weiteres Problem mit Bio-Importen besteht in den schlechteren Kontrollen. Gerade bei Produkten aus Südamerika und Afrika ist das Risiko, schlechte Ware zu bekommen sehr hoch. Gründe dafür sind vor allem schlecht ausgebildete Mitarbeiter, unwissende Landwirte und Korruption“, schreibt Stefanie Kemmner, Redakteurin der Nachrichten-Website Business Insider.
Zudem besteht ebenfalls immer die Gefahr von Etikettenschwindel. So warben 2017 laut Wettbewerbszentrale 13 Lebensmittelhersteller mit dem Wort „Bio“ im Produktnamen, obwohl sie die Kriterien der Europäischen Öko-Verordnung nicht erfüllten.

Inzwischen findet man zu fast jedem Lebensmittel eine Bio-Alternative        Foto: Frederik Scharf

Nach meiner Recherche entscheide ich mich, für das nächste Grillen die Bio-Gurke aus dem Knoblauchsland und einige Schweineschnitzel bei einem Bauern aus der Fränkischen Schweiz auf dem Markt zu kaufen. Denn die Zauberformel für zugleich umweltbewussten und gesunden Einkauf lautet noch immer: Kombiniere bio mit saisonal und regional.

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