Bitte unverpackt!

„Im Jahr produziere ich in etwa einen gelben Sack voll Plastikmüll“, sagt Arthur Koenig, der Geschäftsführer des ersten Unverpacktladens in Nürnberg. Das sind zwölf gelbe Säcke weniger als der Durchschnitt. Realistisch oder unvorstellbar in einer mit Plastik überfüllten Welt?

Doch was der 35-jährige Zero Waste-Aktivist schafft, das können andere Nürnberger genauso gut. Denn in den letzten Jahren gibt es immer mehr Möglichkeiten, in Nürnberg ganz unverpackt und nachhaltig Lebensmittel einzukaufen. Grund dafür ist die steigende Nachfrage und vor allem das Umdenken der Bevölkerung.

Unverpackt Station im ebl- Markt, Gostenhof  Foto: Stefanie Mumber

In der Metropolregion gibt es mittlerweile verschiedene Läden, in denen es möglich ist, zum Teil oder ganz plastikfrei einzukaufen. Die ebl- Filiale in Gostenhof gehört dazu. Seit September 2017 bietet der Naturkostladen eine Unverpackt-Abteilung an. Produkte für den täglichen Bedarf wie Nudeln, Reis, Getreide, Müsli und Nüsse lassen sich ganz einfach aus den großen durchsichtigen Spendern abfüllen. „Jeder Kunde kann seine eigenen Behälter mitbringen oder unsere Naturtaschen kaufen und dann so viel, wie er von dem Produkt braucht, hineinfüllen“, erklärt Alexander Ludwig, Filialleiter vom ebl- Markt in Gostenhof.

 

Wie der Trend die Welt eroberte

Zero Waste ist ein Lebensstil, bei dem versucht wird, so viel Müll wie möglich zu vermeiden. Das gelingt zum Beispiel, indem die gewohnten Plastikverpackungen durch umweltschonende und wiederverwendbare Alternativen ersetzt werden. Über die sozialen Netzwerke konnten die Zero Waste-Aktivisten immer mehr Leute motivieren, diesen Weg einzuschlagen. Genauso beschloss Lauren Singer im Jahr 2012 diesen Weg zu gehen und dokumentierte ihre Fortschritte auf ihrem Blog Trash is for Tossers. Nach sieben Jahren kann die Bloggerin stolz sagen, dass ihr Plastikmüll in ein Einmachglas passt. Mittlerweile ist die 27-jährige New Yorkerin Geschäftsführerin ihrer eigenen Unternehmen und zugleich ein großes Vorbild für viele Menschen. Zum einen produziert und vertreibt sie umweltfreundliche Putz- und Waschmittel über ihren Shop The Simply Co und verkauft über den Packagefree Shop Produkte, die Alltagsgegenstände wie Einwegrasierer und Zahnbürsten aus Plastik ersetzen.

 

„Die erste Herausforderung ist das Umdenken“

Arthur Koenig – Geschäftsführer ZeroHero Foto: Jakob Wagenbrenner

Vor knapp zwei Jahren entschied sich Arthur Koenig ebenfalls, den Zero Waste-Lifestyle umzusetzen.

Dabei weiß der  Mitbegründer und Geschäftsführer von ZeroHero in Nürnberg, wie schwer der Anfang sein kann. „Die erste Herausforderung ist das Umdenken. Denn heutzutage ist man sehr stark an Plastikverpackungen und den Müll gewöhnt“, sagt er.

ZeroHero – Unverpacktladen Foto: Stefanie Mumber

„Für den Anfang ist es wichtig, dass man sich nicht zu viel vornimmt, sondern erst einmal klein anfängt. Allein der Umstieg zur Baumwolltasche macht einen Unterschied.“

Für ihn ist wichtig, ein Bewusstsein zu entwickeln, um stärker beim Einkaufen, beim Kochen und beim Leben auf die Nachhaltigkeit der Produkte zu achten. Es gibt nämlich viel mehr Möglichkeiten als zunächst angenommen wird. „Ein Wocheneinkauf lässt sich ohne Probleme in unserem Unverpacktladen erledigen. Aber auch in normalen Läden gibt es die Möglichkeit, mit seinen Behältern an die Käse- und Fleischtheke zu gehen und dort zu befüllen“, erklärt der Geschäftsführer von ZeroHero. Brot und Brötchen lassen sich auch bei jedem Bäcker in seinem eigenen Brotbeutel einpacken. Und ein Einkauf auf Märkten ist nicht verkehrt, um nachhaltig dabei zu sein.

 

Ein großer Schritt Richtung Nachhaltigkeit

Mit den Unverpacktläden in Nürnberg konnte schon einmal ein großer Schritt Richtung nachhaltiges Leben gemacht werden. Doch die Umstellung geschieht beim Einzelnen nicht von heute auf morgen. Der Zero Waste-Lifestyle ist ein langwieriger Prozess, der mit Überzeugung und Durchhaltevermögen verbunden ist. Eben deshalb vergisst Arthur Koenig nie den Spaß an der Sache. Aber er gibt zu, dass er noch nicht so weit ist wie Lauren Singer, aber auf seinen bisherigen Fortschritt ist er ein bisschen stolz.

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