Brandschutz am Flughafen

Flughafen Nürnberg, Tor zwei. Durch die Personenkontrolle in den Sicherheitsbereich. Brandoberinspektor Kurt Sieder wartet schon am Eingang und winkt. Er marschiert voran, ins Freie auf das Gelände der Flughafenfeuerwehr.

Die Hauptaufgaben der seit 1992 anerkannten Werkfeuerwehr sind vielfältig. Rund 700 Einsätze im Jahr bewältigt sie. Im Ernstfall sind sie an Ort und Stelle, innerhalb von drei Minuten nach Auslösen des Alarms. Kurt Sieder ist Wachabteilungsleiter und Brandoberinspektor am Nürnberger Flughafen. Zwei Einsatzschwerpunkte sind der Gebäude- und der Flugzeugbrandschutz. Aber auch Erste-Hilfe fällt in den Aufgabenbereich.

Zwei Flugzeuge auf dem Rollfeld; Foto: pixabay

Im 24-Stunden-Dienst sorgen 68 Feuerwehrleute für die Sicherheit der rund 3,5 Millionen Passagiere im Jahr. Damit ist die Feuerwehr personell gut ausgestattet, ganz im Gegensatz zur Freiwilligen Feuerwehr. „Die meisten Einsatzfälle sind technische Hilfeleistungen an Gebäuden sowie Erste-Hilfeleistungen, also wenn ein Passagier im Flugzeug Hilfe benötigt“, erklärt Sieder. Die Ausbildungskosten pro Person liegen bei etwa 10.000 bis 12.000 €. Das flughafenspezifische Training dauert zwei Jahre und findet in England statt. Die 72 Planstellen mit 16 Feuerwehrfahrzeugen und neun Sondergeräten, wie zum Beispiel ein Abrollbehälter oder ein Hochdrucklüfter, gewährleisten Sicherheit.

In der Haupthalle, wo die Einsatzfahrzeuge stehen, findet gerade eine Besprechung statt. Kurt Sieder wirkt im Verhältnis zu den Löschfahrzeugen fast winzig. Im größten Fahrzeug zeigt der Wachoberinspektor die verschiedenen Bedienungsmöglichkeiten. An einem kleineren Fahrzeug mit Umweltschutzausstattung beschreibt er die üblichen Geräte: Vornahmehandrohre, aber auch andere Einsatzmittel wie zum Beispiel Strahlrohre.

Übung macht den Meister

Kurt Sieder fährt im Kommandowagen das Gelände ab und stellt das Übungsgelände vor. Geübt wird täglich. An einer ausrangierten Flugzeugzelle im hinteren Bereich des Geländes werden verschiedenste Brandszenarien simuliert. Bei einer anderen Übung wird ein Flächenbrandsimulator verwendet. Ein weiteres technisches Hilfsmittel ist die Brandmeldeanlage. Im Feuerwehrjargon dient sie dem vorbeugenden Brandschutz. Die rund 4.000 Feuermelder entsprechen dem neuesten Stand der Technik und überprüfen sich laufend selbst. Im Falle einer Störung geht eine Meldung an die Zentrale,  wo sie überprüft wird. Solche Brandmeldeanlagen kommen aber nicht nur in Flughäfen zum Einsatz. Das Technologieunternehmen Merck in Darmstadt beispielsweise setzt circa 2.700 Brandmelder für den vorbeugenden Brandschutz ein. Vorfälle wie der Hochhausbrand in London zeigen einmal mehr, wie wichtig solche Anlagen im Alltag und auch bei vielbesuchten Orten wie Flughäfen sind.

Während der Rundfahrt weist Sieder auf die grauen, unscheinbaren Stahlschränke an den Fassaden hin. Erst jetzt wird einem bewusst, wie viele es davon gibt. Diese Handmelder im Außenbereich sind direkt neben diesen Schränken, in denen sich sogenannte Laufkarten befinden: Sie zeigen an, wo die Melder platziert sind. Zudem sind die verschiedenen Etagen im entsprechenden Gebäude sichtbar. Ein Alarmschreiben, das vom Computer erstellt wird, liefert einen detaillierten Fehlerbericht.

Brandmelder; Foto: pixabay

Die Brandbekämpfung von Flugzeugen unterliegt strengen Vorschriften, die von der Internationalen Zivilen Luftfahrtorganisation (ICAO) festgelegt werden. Eine lautet: Jeder Punkt eines Flughafens muss innerhalb von zwei Minuten erreicht werden. Löschmittel müssen innerhalb von zwei, maximal drei Minuten nach dem Alarm eingesetzt werden. Tritt ein Flugzeugalarm ein, informiert der Tower die Feuerwehr – und das noch vor Eintreffen des betroffenen Flugzeuges auf der Landebahn. Für die Brandbekämpfung stehen rund 500 Kilogramm Löschpulver und Löschgeräte mit einer Ausstoßrate von 9.000 Liter pro Minute zur Verfügung.

Über den Flughafen hinaus

Löschfahrzeug der Feuerwehr; Foto: pixabay

Wesentliche Unterschiede zu einer Freiwilligen Feuerwehr gibt es nicht; es finden sogar manchmal Kooperationen zwischen einer externen und der Flughafenfeuerwehr statt. Beispielsweise wurde bei einer Rauchentwicklung in einem U-Bahn-Tunnel in Nürnberg die Flughafenfeuerwehr hinzugezogen, um die Berufsfeuerwehr Nürnberg mit einem Gerät zum Rauchabzug zu unterstützen.

 

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