Das App von Kindle auf einem Smartphone

Bücher der Zukunft?

Regina Polzin sitzt, während ihrer Pause, im Altenheim auf der Terrasse. Sie arbeitet im Nachtdienst. Es gibt hier kein Licht, um die Bewohner nicht zu stören. Doch in ihrem spannenden Roman möchte sie trotzdem weiterschmökern.

„Genau deswegen habe ich mir vor zwei Jahren den Kindle Paperwhite von Amazon gewünscht. Damit kann ich sehr gut im Dunkeln lesen, denn er hat ein beleuchtetes Display.“ Auch Ute Dereser hat von ihrer Familie einen Kindle geschenkt bekommen. „Mir hat das Standardmodell gereicht, da ich nur im Hellen lese.“

Der Kindle, ein digitales Gerät auf dem Bücher gelesen werden können, gehört zu den sogenannten E-Book-Readern. Er ist weltweit das bekannteste Modell. In Deutschland hat der Talino aufgeholt, ein Reader, der von verschiedenen deutschen Buchverlagen und der Deutschen Telekom herausgegeben wird.

Ute mit ihrem Kindle

Ute mit ihrem Kindle Foto: Tina Dereser

Im Jahr 2011 konnten Kunden den ersten Kindle in Deutschland erwerben. Der Absatz von E-Books am Publikumsmarkt stieg im Jahr 2013 um über 60 Prozent auf 21,5 Millionen Exemplare. Das geht aus einer Studie des GfK Consumer Panels im Auftrag des Börsenvereins des deutschen Buchhandels hervor. Gleichzeitig bleibt die Vorliebe für gedruckte Bücher hoch.

Die Vorzüge des klassischen Buchs.

Die Gründe liegen klar auf der Hand. Ein Buch, ist es einmal gekauft, gehört dem Käufer. Er kann es verkaufen, verschenken oder verleihen. Bei einem E-Book werden mit dem Kauf nur die Rechte dafür erworben, das Buch auf dem jeweiligen Endgerät zu lesen.

„Ich mag es, wenn man meinen Büchern ansieht, dass sie gelesen wurden. Teilweise habe ich noch Bücher aus meiner Jugend, bei denen ich an einen Urlaub mit meinen Eltern oder einen Ferienlageraufenthalt denken muss“, erzählt Regina Polzin. Ein ramponierter E-Book Reader dagegen würde wohl keine so positiven Erinnerungen wachrufen.

Was ist am digitalen Lesen der Vorteil?

Bücher mit sympathischen Gebrauchsspuren

Bücher mit sympathischen Gebrauchsspuren Foto: Tina Dereser

Aber auch ein E-Book Reader hat klare Vorteile zum klassischen Buch. „Er ist so leicht und klein und dabei habe ich trotzdem dutzende Bücher auf einmal dabei“, schwärmt Ute Dereser. „Leichter als ein Taschenbuch“ – genau damit bewirbt Amazon sein Gerät. Außerdem damit, „dass der Akku wochenlang hält und man liest, wie auf bedrucktem Papier.“ Wobei ein Buch in einem Vergleich bei den letzten zwei Punkten immer gewinnen würde.

Es ist auch möglich, über andere Geräte E-Books herunterzuladen und zu lesen. „Ich lese gerne über unser Tablet. Da habe ich, durch meine Mitgliedschaft in einem Buchclub Zugang zu vergünstigten Büchern. Im Gegensatz zu meinem Kindle kann ich damit nicht in der Sonne lesen, das spiegelt zu sehr“, erzählt Ute. „Solange ich Zugang zu W-LAN habe, trage ich eine ganze Buchhandlung herum. Ich muss mir, wenn ich in den Urlaub fahre, nicht schon vorher überlegen, welche Bücher ich mitnehme und wie viele.“, erzählt sie weiter. Gerade bei Buchfortsetzungen ist das ein klarer Vorteil zum gedruckten Buch. Verschlingt man im Urlaub förmlich den ersten Teil einer Buchreihe, ist der zweite oder auch noch dritte Teil in wenigen Minuten direkt über das Endgerät gekauft, bezahlt und in der digitalen Bibliothek bereitgestellt. „Außerdem kaufe ich nicht ins Blaue hinein, sondern kann mir andere Käuferbewertungen vorher durchlesen.“, sagt Regina.

E-Book auf einem Tablet

E-Book auf einem Tablet Foto: Tina Dereser

Kann das klassische Buch ersetzt werden?

Weiterhin findet sie aber einen Haushalt ohne ein volles Bücherregal leer und ungemütlich. Diese Meinung spiegelt sich auch bei dem Rest der Deutschen wider. Deutschland ist, nach den USA, der größte Buchmarkt der Welt. Während auf der anderen Seite des Pazifiks die Hälfte der Buchneuerscheinungen über E-Books verkauft werden, hinkt Deutschland weit hinterher. Ralph Oliver Graef, Gründer und Partner der Medienrechtskanzlei Graef in Hamburg, vermutet, dass die Deutschen nicht so technikaffin sind, das Leseerlebnis anders ist und in den USA besser angenommen wird. Außerdem ist das Buch das Lieblingsgeschenk zu Weihnachten und zu Geburtstagen. Erlebnisse, die ein E-Book dem deutschen Leser nicht bieten kann.

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