Coming-Out zu melancholischer Musik

Es ist der einzige Film der 28. Ohmrolle in Schwarzweiß. Und der einzige mit einem homosexuellen Paar: Das Musikvideo der Studenten des dritten Semesters zum Song „Searching“ von der Indie Rockband William’s Orbit. Vielleicht ist es bei der Ohmrolle sogar…

Es ist der einzige Film der 28. Ohmrolle in Schwarzweiß. Und der einzige mit einem homosexuellen Paar: Das Musikvideo der Studenten des dritten Semesters zum Song „Searching“ von der Indie Rockband William’s Orbit. Vielleicht ist es bei der Ohmrolle sogar das erste homosexuelle Paar überhaupt. Das glaubt zumindest die Regisseurin Beyza Akar.

„Wir wollten einen Konflikt zwischen einem Liebespaar beschreiben“, betont Akar. Dieses Motiv ist dem Film geblieben, die meisten anderen haben sich im langen Planungsprozess stark verändert. Ursprünglich wollten die Autoren einen Animationsfilm machen, mit einem heterosexuellen Paar. „Dann sind wir irgendwann auf dieses Thema gekommen, weil es ja immer noch ein Thema ist heutzutage.“ In der Gruppe der Regisseure befanden sich nur heterosexuelle Menschen. Das Team hat daher homosexuelle Freunde zu deren Erfahrungen und Erlebnissen befragt und viel im Internet recherchiert.
Beim zuständigen Professor Jürgen Schopper kam die Idee gut an, meint Akar. Auch sonst haben sie nur positive Reaktionen und viel Unterstützung erhalten.

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Die Studenten des Regieteams. Foto: Stefan Fries/Neutrum.org

Im Video wird das Thema Coming-Out auf eine poetische Art, nur mit zwei Tänzern und viel Symbolsprache behandelt. So ziehen die Tänzer am Anfang einen Kreis aus weißer Farbe um sich. Treten sie nach draußen, springen sofort Bildschirme mit unzähligen Augen an. Der Kreis bietet ihnen einen Ort, an dem sie sie selbst sein können. „Das Abstrakte sollte von Anfang an drin sein“, so Akar. Die Augen wollten sie ursprünglich auf hölzerne Kulissen aufmalen, die Bildschirme gehören dem Choreographen. Dass sie diese verwenden durften, sei ein besonderer Glücksfall für die Produktion.

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Nur von der Öffentlichkeit versteckt kann das Liebespaar zärtlich zueinander sein.; Quelle: Fakultät Design,TH Nürnberg

Für die Schwarzweiß-Ästhetik hat sich die Gruppe entschieden, weil sie sich den Film gar nicht anders vorstellen konnte.  Im Interview erklärt die Regisseurin, dass man es auch als Bezug zum Schwarzweiß-Denken der Gesellschaft interpretieren kann. Überhaupt überlassen die Studenten Vieles der Interpretation des Zuschauers.
Am Ende des Films tritt einer der beiden Tänzer aus dem Kreis hinaus, stellt sich mit weißer Farbe im Gesicht den körperlosen Augen. Ob der andere ihm folgt, wird nicht gezeigt, der Film endet an dieser Stelle. Laut Akar haben sie sich das auch innerhalb der Gruppe nicht überlegt, jeder Zuschauer muss das für sich selbst enscheiden.

Auf die Band William’s Orbit kam einer von Akars Kommilitonen. Die melancholische Musik der Band passt gut zu den ausdrucksstarken Bildern. Sie bleibt aber dennoch eher im Hintergrund. Liebe ist ein Thema, das sich durch alle Songs der Band zieht, die aus Weiden in der Oberpfalz kommt.
Die beiden Tänzer, Edgar Dreiling und Peter Schild vom Ballettförderzentrum Nürnberg, sind selbst schwul. Akar sagt, sie hatten das Gefühl, dass der Film so authentischer wirkt. Bei der Choreographie wurden die Studenten von Sebastian Eilers vom Setanztheater unterstützt.

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