Cricket united – Cricket verbindet

Im Frühjahr 2018 habe ich drei Wochen Urlaub in Südafrika gemacht, um mir die Küstenregion des Landes anzuschauen. Dabei verbrachte ich eine der drei Wochen in Kapstadt.

Die Metropole liegt am südlichen Zipfel des Landes und ist mit ihrer unverkennbaren Landschaft, den bezaubernden Sandstränden und den angrenzenden Nationalparks einmalig. Um einen möglichst authentischen Eindruck von Kapstadt zu bekommen und auch, um Orte zu besuchen, die Touristen verborgen bleiben, versuchte ich Kontakte mit Einheimischen zu knüpfen, die sich bestens in Kapstadt auskennen und es einzuschätzen wissen, wann eine Situation gefährlich wird.

Das erste Treffen

Auf Facebook wurde ich auf eine Musikveranstaltung aufmerksam, die meinen Geschmack traf, und ich verabredete mich mit drei fremden Studenten, die ebenfalls zu der Veranstaltung gehen wollten, über Social-Media. Allerdings war ich beim ersten Aufeinandertreffen dann doch etwas nervös: „Wer sagt mir, dass ich denen vertrauen kann? Wieso nehmen die mich einfach so mit?“. Zum Glück siegte am Ende meine Neugierde. Ich wollte schließlich wissen, wie junge Erwachsene in meinem Alter in so einem Land leben und wie es abseits der Touristenströme aussieht. Meine Sorgen waren hingegen unbegründet. Elvin, derjenige, mit dem ich über Facebook geschrieben hatte, begrüßt mich herzlich vor dem Eingang der Veranstaltung, der an einer vielbefahrenen Straße lag.

v.r.n.l.: Elvin, Constantin (ich), und Elvins Freunde. Foto: Constantin Litsche

Anderes Land, andere Sportarten

Drinnen angekommen erhielt ich einen kleinen Crash-Kurs für die südafrikanische Bierkultur. Ich erzählte von meiner Heimat in Deutschland und den bisherigen Eindrücken in Kapstadt. Nachdem wir uns mehrere Stunden ausgetauscht und über unser Studentenleben unterhalten hatten, fasste ich Vertrauen und wir beschlossen, uns am darauffolgenden Tag wieder zu treffen. Zufällig wohnten die drei nicht allzu weit weg von meiner Unterkunft und so holten die Jungs mich zu Fuß nach ihrer Arbeit ab, um gemeinsam die Küste zu erkunden.

Abends kehrten wir in die Stammkneipe von Elvin ein und er zeigte mir die typische afrikanische Küche, die ich zu genießen wusste. Wie in fast jeder Bar liefen dort auch Sportübertragungen an mehreren TV-Bildschirmen. Zu meiner Verwunderung lief aber kein Fußball, sondern die mir bis dahin unbekannte Sportart Cricket. Auf meine Frage hin, um welche Sportart es sich handelt, wurde ich nur mit ungläubigen Blicken angeschaut. „Du kennst kein Cricket?!“. Natürlich war mir bewusst, dass die Sportart existierte, aber ich hatte noch nie ein echtes Spiel verfolgt.

Zwei Cricketspieler beim Abschlag. Quelle: Pixabay

Cricket vollbrachte das Wunder

„Cricket ist bei uns die zweitbeliebteste Sportart. Wir haben auch das beste Team zurzeit!“ Fasziniert davon fragte ich, ohne nachzudenken, wieso gerade diese Sportart in Südafrika denn eigentlich so beliebt ist. Da wurde es bei uns am Tisch leise und Elvin lehnte sich mit ernster Miene zu mir rüber: „Du weißt aber schon, was Apartheid ist?“. Ich nickte. „Du musst wissen, dieses System ist erst vor knapp 30 Jahren abgeschafft worden, und das auch nur mit der Hilfe anderer Länder.“ Überrascht von dieser Aussage fragte ich weiter, welche Rolle Cricket dabei gespielt habe.

„Ich will nicht sagen, dass Cricket allein die Apartheid bekämpft hat, aber wir wurden bei jeder Sportveranstaltung von den anderen Ländern ausgeschlossen und durften nicht teilnehmen, bis man sich entschloss, im Sport die Rassentrennung aufzuheben.“ Zur großen Freude der Bevölkerung gewann Südafrika nach der langen Pause auf Anhieb die Weltmeisterschaft und die Euphorie des Titels bestärkte die Abschaffung der Apartheid auf ganzer Linie. Denn wenige Jahre später war es dann offiziell, das südafrikanische Referendum sprach sich mit einer Zweidrittelmehrheit für eine neue Verfassung aus, die 1944 in Kraft trat und die ersten freien Wahlen in Südafrika ermöglichte.

Seit dem Tag spielt Cricket in Südafrika eine große Rolle und bis heute werden die Spiele der Nationalmannschaft regelmäßig von den Südafrikanern verfolgt. Eben genau wie in jener Bar, in der ich mit meinen neuen Freunden saß und mir die vermeintlich einfachen Regeln erklären ließ.

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