Das Nürnberger Christkind 2008

Das Christkind ist kein Vogel

„Wie kann das Christkind alle Kinder gleichzeitig beschenken?“, fragt Anna ihre Mutter an Heiligabend. „Das Christkind kann fliegen wie ein Vogel. So kann es bei allen Kindern am selben Abend sein“, sagt die Mutter. „Das glaube ich nicht. Das Christkind…

„Wie kann das Christkind alle Kinder gleichzeitig beschenken?“, fragt Anna ihre Mutter an Heiligabend. „Das Christkind kann fliegen wie ein Vogel. So kann es bei allen Kindern am selben Abend sein“, sagt die Mutter. „Das glaube ich nicht. Das Christkind ist doch kein Vogel.“

Das Christkind ist zwar kein Vogel, Flügel hat es dennoch. Die Flugfähigkeit hängt vor allem von der Form der Flügel ab: Die Flügel des Vogels sind geformt wie ein liegender Tropfen. Die untere Seite des Tropfens ist flach. Deshalb muss die Luft, wenn sie sich unten um den Flügel herum bewegt, einen kürzeren Weg zurücklegen als oben. Dadurch entsteht ein Überdruck unter dem Flügel. Dieser sorgt dafür, dass der Vogel in der Luft bleibt.

Wichtig ist auch, wie schnell der Vogel ist. Denn der Druck unter den Flügeln vervierfacht sich bei doppelter Geschwindigkeit des Vogels. Erst wenn der Druck so groß geworden ist, dass er das Gewicht des Vogels nach oben drückt, kann er abheben. Große Vögel wie der Storch müssen deshalb Anlauf nehmen, bis sie ihre Startgeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde erreicht haben.

Ein Strauß kann nicht fliegen

Je schwerer der Vogel ist, desto schneller muss er sein, um abheben zu können. Ein Storch wiegt dabei maximal fünf Kilo.„Ich wiege nur 54 Kilogramm“, sagt das Christkind, also bedeutend mehr als ein Storch. Es müsste viel schneller laufen, bis es abheben kann. Deshalb können noch größere Vögel wie der Vogelstrauß nicht fliegen – sie sind einfach zu schwer.

Der größte flugfähige Vogel lebte vor sechs Millionen Jahren in Argentinien. Er wurde über 70 Kilogramm schwer und hatte eine Spannweite von sieben Metern. Der Körperbau von Vögeln unterscheidet sich von dem des Menschen. Die Knochen von Vögeln sind größtenteils mit Luft gefüllt, weshalb das Verhältnis von Muskeln zu Knochen besser ist. Deshalb ist dieser Urvogel noch kein Beweis dafür, dass auch ein Mensch fliegen kann.

Ein Bizeps wie Arnold Schwarzeneggers

Das Nürnberger Christkind wiegt 54 Kilo und wenn es so schnell laufen könnte wie Usain Bolt, der Weltrekordhalter im 100-Meter-Sprint, müsste es eine Spannweite von über viereinhalb Metern haben. Deshalb müssten die Arme länger und stärker sein. Wenn das Verhältnis von Armlänge und Armdicke gleich bleibt, hätte das Christkind einen Bizeps von 55 Zentimeter – fast so viel wie Arnold Schwarzenegger in seinen besten Tagen. Das nächste Problem ist, dass Arme dieses Ausmaßes 107 kg wiegen, weil die doppelte Spannweite das Gewicht der Arme verachtfacht. Die Flügel können also nie groß genug sein, um ihr eigenes Gewicht zu tragen.

Das Christkind sieht das ganz anders: „Natürlich kann ich fliegen. Ich bin ein Engel und Engel können fliegen. Nur hat sich letztes Jahr ein Kind verletzt, weil es mir hinterhergesehen hat und dabei gestolpert ist. Deshalb fliege ich nur noch, wenn niemand hinsieht.“

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