Das echte Duell um die Welt

Joko gegen Klaas? Von wegen! Was für Handybesitzer „iOS gegen Android“, für Autofahrer „Audi gegen BMW“ und für Hungrige „Burger King gegen MC Donalds“ ist, das ist für Fußballfreunde  Pro Evolution Soccer (PES) gegen die EA Spielreihe FIFA. Und so…

Joko gegen Klaas? Von wegen! Was für Handybesitzer „iOS gegen Android“, für Autofahrer „Audi gegen BMW“ und für Hungrige „Burger King gegen MC Donalds“ ist, das ist für Fußballfreunde  Pro Evolution Soccer (PES) gegen die EA Spielreihe FIFA. Und so stellt sich Jahr um Jahr, pünktlich zur Vorweihnachtszeit, die Frage, wer den Spieler in dieser Saison auf den virtuellen Rasen begleiten soll.

Zugegeben: Nach welchem Titel der Spieler greifen wird, ist Geschmackssache, und so wird wohl niemand auf Grund eines vagen Tests oder Vergleichs von seiner Gewohnheit abweichen und zum Konkurrenten überlaufen. Dennoch ein kurzer Blick auf die beiden Monopolisten der digitalen Fußballwelt – KONAMI geht mit PES ins Rennen, EA Games mit FIFA.

Apropos Monopolisten: Schon etliche Softwaretitel versuchten sich in der Vergangenheit, im Schatten des bestehenden Zweikampfs zwischen PES und FIFA, im Kreis der Fußballsimulationen zu etablieren. Doch Spiele wie „Pure Football“, „This is Football“ oder „Adidas Power Soccer“ mussten anhand niedrigster Verkaufszahlen schmerzlich erkennen, dass dort wohl nur Platz für zwei ist.

Ein Blick auf die letzten Jahre zeigt, dass der Platz an der Sonne, objektiv betrachtet, in regelmäßigen Abständen wechselt. War der Vorteil Anfang der 2000er auf Seiten von KONAMI, so konnte EA Games in jüngster Vergangenheit ordentlich aufholen und ist mittlerweile seit gefühlten sechs Jahren erste Wahl. Auch die Pros und Contras des jeweiligen Titels sind standardmäßig gleich. Pro Evolution Soccer hadert für gewöhnlich mit fehlenden Lizenzen und hin und wieder eigenartigem Torwartverhalten, punktet aber in Sachen Realismus, Abwechslungsreichtum und Atmosphäre. FIFA hingegen wird oft vorgeworfen, zu unrealistisch und monoton zu sein; auf der Haben-Seite stehen das riesige Lizenz-Paket und der Actionfaktor. Nun ist die Frage: Welcher Teil konnte im Jahrgang 2015 die alten Schwächen beheben und die Stärken ausbauen?

FIFA setzt auf Altbewährtes

EA Games präsentiert den alten Platzhirsch nach dem Motto „Never change a winning team“: Wieso viel verändern, wenn der Spiele-Hersteller in den letzten Aufeinandertreffen die Nase vorn hatte? Und so spielt sich der Titel auch: Abgesehen von aktualisierten Spielerkadern und Trikotsätzen bietet FIFA wenig Neues – das Alte reicht aber auch völlig aus. Dazu kommen eine aufgerüstete Grafik und ein verbessertes Verhalten der Mitspieler. An den bekannten Schwächen der alten Teile hat EA zwar gearbeitet, ganz aus der Welt konnten diese aber nicht geschafft werden. Deshalb muss sich FIFA den Vorwurf gefallen lassen, dass der Spielaufbau von Partie zu Partie zu ähnlich ist. Hat der Spieler einmal herausgefunden, wie er sein Offensivspiel erfolgreich aufziehen kann, so wird er dies stets nach demselben Raster versuchen – und dies zum Leidwesen des Gegenübers meistens mit Erfolg. So kommt es, dass die Spieler nach einem Aufeinandertreffen beim Betrachten der Höhepunkte nicht sicher sagen können, welches Tor sie gerade bestaunen – oft ist der Ablauf zu identisch.

PES mit frischem Wind

Im Lager von KONAMI hat man sich mit der Veröffentlichung reichlich Zeit gelassen. Erst rund sieben Wochen nach dem Erscheinungsdatum von FIFA kam PES auf den Markt. Die zusätzliche Zeit macht sich aber bemerkbar. Mit frischem Wind präsentiert sich der Ableger von KONAMI – und damit ist keine sanfte Briese, sondern ein kräftiger Windstoß gemeint. Torhüter verhalten sich besser, Mitspieler laufen sich clever frei – KONAMI hat seine alten Schwächen erkannt und diese ordentlich beackert. Auch die alten Stärken ließ der Spiele-Hersteller nicht aus den Augen: Der Realismus bei Pro Evolution Soccer 2015 grenzt an Perfektion: Bei jedem Angriff muss sich der Spieler die gegnerische Defensivreihe zu Recht legen, keine Offensivaktion gleicht der vorherigen. Bei diesem Abwechslungsreichtum kann FIFA nicht mithalten. Folglich ist es auch nicht verwunderlich, dass in diesem Jahr PES 2015 mit dem „Best Sportsgame Award“ auf der Gamescom ausgezeichnet wurde. Klingt also ganz so, als würde es einen Machtwechsel geben. Nun kommt aber wieder ein wehleidiges Thema zum Tragen, das PES in die Suppe spuckt. Wie  schon in den Vorgängerteilen ist KONAMI nicht im Besitz der Lizenz für die Bundesliga. Ist der Spieler also nicht gerade Bayern-, Bayer- oder Schalke-Fan und möchte nicht Stunden für das Editieren von Mannschaften aufbringen, so sucht dieser seinen deutschen Lieblingsclub vergeblich. Außerdem sind die meisten Premiere-League-Clubs mit erfundenen Namen ausgestattet; immerhin sind hier die originalen Kader vorzufinden.

Fazit

Geschmackssache sind hingegen die Grafiken der beiden Spiele. Blickt der Spieler in der Zeitlupe auf das Gesicht eines Protagonisten, so ist, ob nun PES oder FIFA, nur wenig Unterschied zur Realität zu erkennen. Auch in der Vielzahl der Spielmodi schenken sich die Kontrahenten nichts. Frustrierend hingegen ist in beiden Titeln die Übermacht der Top-Spieler – im Vergleich zu diesen wirkt der gestandene Profi im Spiel wie ein Kreisklassist. Glaubt man dem Urteil der „Computer Bild“, so geht der Sieg in diesem Jahr an KONAMIs Pro Evolution Soccer (Note 1,75), wenngleich dieser haarscharf ausfällt (FIFA-Note: 1,80). EA Games hat sich anscheinend zu sehr auf seinen Lorbeeren ausgeruht.  Doch wie schon zu Beginn erwähnt, wird sich der eingefleischte FIFA-Spieler ebenso wenig von seinem Weg abbringen lassen, wie in den letzten Jahren der PES-Fan. Ein gesunder Wettbewerb in diesem Markt dürfte dennoch ganz im Sinne des Konsumenten sein. Abschließend bleibt zu sagen, dass sich beide Spiele am besten auf den Next-Gen-Konsolen entfalten. Zum Leidwesen der PC-Spieler.

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