Foto: Lena Hofmann

Das Fenster: Der durchsichtige Zauber der Neuzeit

Panoramafenster, Sprossenfenster, Bleiglasfenster – das Fenster kommt in vielen Variationen vor und hat eine Vielfalt an Herstellungsmethoden. Das Einbauteil ist schon tausende Jahre alt und noch immer ein wichtiger Bestandteil der Menschheit.

Die Blätter liegen ausgebreitet auf dem ganzen Schreibtisch. Die 18-Jährige Julia Hofmann, Auszubildende einer Glaserei, fängt an Berechnungen für physikalische Werte von Fenstern auf ihren Block zu schreiben. Obwohl sie den Beruf des Glasers erlernt, muss Julia Hofmann auch wissen, welche physikalischen Eigenschaften Fenster haben oder welche Arten es überhaupt davon gibt.

„In der Praxis lernen wir nicht, ein Fenster einzubauen, da wir ja reine Glaser sind. Nichtsdestotrotz lernen wir in der Theorie, wie ein Fenster eingebaut wird“, meint die 18-Jährige. Außerdem werden alle Herstellungsverfahren für Glas von früher bis heute durchgenommen.

Glas lässt sich zu 100 Prozent recyceln

Einscheibensicher-heitsglas im Lager der Glaserei Hausmann Foto: Julia Hofmann

Etwa 90 Prozent des weltweiten produzierten Glases ist das Kalk-Natron-Glas. Die  Bestandteile von Glas sind natürlicher Herkunft und können zu 100 Prozent recycelt werden. Der Werkstoff besteht zum großen Teil aus Quarzsand. Dieser ist die Hauptzutat um Glas herzustellen. Für die Produktion benötig wird unter anderem Dolomitpulver, das den Werkstoff stabil macht. Des Weiteren ist in der Produktion Kalkpulver wichtig. Dieses macht das Ganze noch stabiler. Weitere Rohstoffe sind Sulfatpulver und Sodapulver. Je nach Endprodukt wird die Zusammensetzung leicht variiert.

Glas fasziniert Menschen schon seit etwa 7.000 Jahren. Sie haben es anfangs nicht etwa erfunden, sondern gefunden. Denn er kommt auch in natürlicher Umgebung vor. An Orten mit Quarzsand. Bei sehr großer Hitze, wenn zum Beispiel ein Blitz einschlägt, dann schmilzt der Quarzsand und es entsteht Glas. Vor ungefähr 2.000 Jahren haben die Menschen angefangen die Glasherstellung zu lernen.

Das Float-Glas-Verfahren ist das meist genutzte Herstellung

Um Fensterscheiben herzustellen, wird Glas durch das Float-Glas-Verfahren hergestellt. In diesem Verfahren entsteht das sogenannte Einscheibensicherheitsglas, auch ESG genannt.
Die Glasherstellung erfolgt in zwei Stufen. Die Erste ist die Gewinnung der Glasschmelze aus den Ausgangsstoffen und die Zweite Stufe ist die Herstellung der gewünschten Form, zum Beispiel Flachglas. Zur Herstellung von Glas braucht es die Zutaten Sand, Kalk und Soda. Diese Stoffe werden fein gemahlen, getrocknet und dann in einen großen Schmelzofen geschoben. Ab etwa 1.400 Grad Celsius fängt es an zu schmelzen. Das flüssige Gas, das dabei entsteht, heißt Glasschmelze. Danach gleitet das erhitze Glas in eine Wanne. Diese ist mit flüssigem Zinn gefüllt. Das Glas schwimmt wie eine Fettschicht auf dem Zinn und kühlt dabei langsam ab. Das Abkühlen kann sehr schnell oder auch sehr langsam geschehen. Fachleute nennen diesen Vorgang Tempern. Dadurch wird das Glas bruchfester und verändert seine Eigenschaften. Es kann nicht mehr geschnitten oder geschliffen werden und geht es kaputt, zerfällt es in ganz kleine Krümel und niemand verletzt sich.

„Ohne diese Herstellungsverfahren würde unsere Welt völlig anders aussehen“, erklärt Julia Hofmann. „Glas ist für uns was völlig Alltägliches. Wir leben hinter Glasfassaden und starren ständig aus Fenstern.“

Julia Hofmann schreibt Formeln auf. Foto: Lena Hofmann

Das Fenster ist nicht nur dafür da, um eine tolle Aussicht auf die umliegende Welt zu haben, sondern hat auch viele praktische Aspekte.  Es beinhaltet einen Wärmeschutz, bietet in einigen Fällen Sonnenschutz und kann noch vieles mehr. In der Ausbildung zum Glaser lernen die angehenden Glaser bestimmte physikalische Formeln zu berechnen und diese auch umzusetzen. Die Auszubildenden berechnen in ihrer Ausbildung unter anderem den Wärmedurchgangskoeffizienten, der sogenannte u-Wert. Mit dieser Formel wird angegeben, wieviel Wärme durch ein Bauteil fließen. Es gibt noch viele weitere Formeln, die die Schüler lernen.

Es gibt eine große Vielfalt an Glasarten

In der heutigen Zeit gibt es eine Vielfalt an Glasarten, welche in Fenstern eingebaut werden. Das bekannteste ist Floatglas, dies ist ein unbehandeltes Glas und kommt direkt aus der Fabrik. Eine weitere sehr bekannte Glasart ist das Einscheibensicherheitsglas, auch ESG genannt. Dies ist behandeltes Sicherheitglas und kann bearbeitet werden. Das Verbundssicherheitsglas, kurz für VSG ist ein Glas, dass mit mehreren Glasscheiben und Folien verbunden ist. Es gibt noch unzählige Arten von Gläsern die die Handwerker in ihrer Ausbildung lernen.

„Häufig haben wir die Aufgabe den alten Kitt, das ist eine Dichtungsmasse zum ausfüllen von Fugen, also so etwas ähnliches wie Silikon, auszuklopfen. Das ist meistens nur bei alten Holzfenstern der Fall.“, erklärt die Auszubildende. „Moderne Isolierglasfenster oder VSG haben Silikon.“, Julia Hofmann deutet auf ein Blatt mit Informationen über diese Vorgang.

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