Das Gedächtnis einer Stadt

Geschichte ist nie abgeschlossen. Dies gilt auch für die Entwicklung der Stadt Lauf an der Pegnitz und ihrer Umgebung. Die Wandlung der Stadt, die etwa 20 Kilometer östlich Nürnbergs liegt, über die Jahrhunderte hinweg festzuhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist Aufgabe des Stadtarchivs.

Hinter einem schweren Eisentor am Marktplatz finden sich Gebäude, deren Ursprünge bis ins Jahr 1374 zurückreichen. Damals stiftete der Nürnberger Bürger und Glockengießer Hermann Keßler der Stadt Lauf ein Spital, das als karitative Einrichtung genutzt wurde. Doch nicht nur die Fassade zeugt vom Alter der Stadt, auch im Inneren der Gebäude können Besucher die Geschichte der Stadt verfolgen, denn hier befindet sich seit 1935 das Stadtarchiv Lauf.

600 Jahre Stadtgeschichte

Aufgabe des dreiköpfigen Teams ist es, das gesammelte Wissen zu erfassen und konservieren.„Am spannendsten ist für mich die Arbeit mit alten Dokumenten“, sagt Ursula Maget. Seit 2001 arbeitet sie hier als Verwaltungsangestellte. Dabei überrasche es sie immer wieder, wie gut erhalten die teilweise Jahrhunderte alten Unterlagen seien. Neben den Akten, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, finden sich hier Urkunden, Rechnungen und Pläne, aber auch Plakate, Gemälde, Fotografien und Tonträger. So ergibt sich ein Bild der Entwicklung der Stadt und ihrer Bewohner. Insgesamt lagern hier mehr als 20.000 Sammlungsgegenstände und 13.000 Archivbände.

Auch alte Plakate lagert das Archiv. Foto: Philipp Ebnet

Meterhohe Regale stehen dicht gedrängt im Raum, alle prall gefüllt mit Sammelbändern und Kartons. „Uns geht der Platz aus“, sagt Maget enttäuscht. Viele Unterlagen können sie derzeit nicht aufnehmen, sondern lagern sie stattdessen in den jeweiligen Ämtern. Eine vorübergehende Lösung, doch Pläne für eine Erweiterung des Archivs gibt es momentan seitens der Stadt nicht.

Was ein Archiv aufbewahren muss, legt das Gesetz der Länder und Kommunen fest. Aber häufig erhalten die Mitarbeiterinnen auch Unterlagen, deren Archivierung das Gesetz nicht regelt. „Viele Menschen finden im Nachlass der Eltern oder Großeltern Gegenstände, die sie dann zu uns bringen“, erklärt die 57-Jährige. Die Leiterin des Archivs, Ina Schönwald, prüft diese dann auf ihren historischen Wert. Erachtet die promovierte Kunsthistorikerin diese Güter als archivwürdig, fügt sie sie dem Bestand hinzu.

Die Findbücher des Archivs. Foto: Philipp Ebnet

Die Angestellten registrieren die abgelegten Akten und verzeichnen den genauen Lagerort in Findbüchern. Anhand vierstelliger Ziffern unterteilen sie die Bestände in Themengebiete. „Möchte jemand zum Beispiel wissen, wann eine Schule gegründet wurde, finden wir das in der Ablage für Schulwesen“, erläutert Maget.

Wissen für jeden zugänglich

Das Archiv kann jeder nutzen, der sich über die Vergangenheit informieren möchte. Viele Anfragen kämen von städtischen Ämtern, die an Bauplänen oder geographischen Gegebenheiten interessiert sind, erzählt die Verwaltungsangestellte. „Aber auch Privatpersonen kommen zu uns“, führt sie weiter aus. Egal ob Schüler, die sich auf ein Referat vorbereiten möchten, oder Wissenschaftler, die zu Forschungszwecken die Unterlagen sichten, im Stadtarchiv kann jeder recherchieren. „An manchen Tagen trudeln hier halbe Schulklassen ein“, sagt Marget lachend.

Um das gesammelte Wissen außerdem der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gibt es regelmäßig Veranstaltungen, Stadtführungen und Buchveröffentlichungen. Das Stadtarchiv arbeitet außerdem eng mit den Archiven der Metropolregion zusammen, denn nicht alle Fragen können die eigenen Unterlagen klären. Hieraus entstand auch ein eigener Blog, auf dem die Institute Einblicke in ihre Arbeit gewähren.

Sabrina Grünewald sichtet aktuelle Zeitungen. Foto: Philipp Ebnet

Sabrina Grünewald arbeitet seit 2014 im Stadtarchiv. Derzeit beschäftigt sich die Historikerin mit der Digitalisierung der Bestände. Ziel ist es, die Unterlagen in einem Verwaltungsprogramm zu erfassen, so dass Benutzer die Möglichkeit haben, bereits online zu recherchieren. Das Platzproblem bleibt jedoch ungelöst, denn die Bestände muss das Archiv weiterhin verwahren. Die Historikerin beschäftigt sich außerdem gerne mit alten Handschriften. „Immer wieder kommen hier Leute mit alten Urkunden, auf denen sie die Handschrift nicht entziffern können“, erklärt sie. Kürzlich veranstaltete die 34-Jährige einen Lesekurs für Handschriften der letzten 200 Jahre. „Das ist dann sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe“, führt sie lächelnd aus.

Das alte Haus mit der schweren Holztür birgt viele interessante Geschichten und auch in Zukunft überprüfen die Archivarinnen hier Akten und Gegenstände sorgfältig. So entsteht ein kollektives Gedächtnis einer Stadt.

 

Website des Stadtarchivs Lauf.

 

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