Das Handwerk der Flechtkunst

„Reich wird man nicht, aber zum glücklich leben reicht es auf jeden Fall.“ Stefania Kübles Augen leuchten, wenn sie über ihren Beruf als Flechtwerkgestalterin redet. Weide, Binse oder Rattan – die Arbeit mit diesen Materialien ist ihre Passion.

Sie arbeitet in Fürth und haucht dem alten Beruf des Korbbinders mit ihrer Kreativität und Leidenschaft neues Leben ein. „Seit fünf Jahren ist die Flechterei mein Beruf und gleichzeitig meine Berufung,“ erzählt Küble, während sie einen Korb flicht. Weide für Weide nimmt der Korb immer mehr Gestalt an. „Hier haben wir drei verschiedene Weidenfarben und auch Griff und Rahmen sind selbst gebogen“, erläutert die Handwerkerin stolz. An einem solchen Korb wird sie insgesamt bis zu zwölf Stunden arbeiten.

Von der Erzieherin zur Flechtwerkgestalterin

Foto: Klaus Reeder

Die gelernte Erzieherin hat bei ihrer Arbeit in einem Waldorfkindergarten die Liebe zur Flechtkunst entdeckt. „Ich wollte diesen Beruf unbedingt erlernen und damit auch mein Geld verdienen“, erinnert sich die Künstlerin. Somit beschloss sie ihren Beruf und Wohnsitz aufzugeben und in Lichtenfels die Ausbildung zur Flechtwerkgestalterin zu absolvieren.
Hier befindet sich die bislang einzige Ausbildungsschule für dieses Handwerk. Die Ausbildung ist vielseitig und abwechslungsreich. Fächer wie Design, technisches Zeichen, Modellbau, Gestaltung und Grafik am Computer sind enthalten und sogar der „kleine Schreiner“ wird absolviert.

Die Ausbildung dauert drei Jahre und ist mit vielen praktischen Exkursionen versehen. Die Klassengröße beläuft sich auf höchstens 20 Lernende, allerdings sind in manchen Jahrgängen auch um einiges weniger Flechtwerkbegeisterte zu finden. Die Perspektive nach der abgeschlossenen Ausbildung lässt viel Spielraum. Es ist möglich sich selbstständig zu machen oder aber auch als Geselle zu arbeiten und anschließend die Meisterprüfung zu absolvieren.
Seit nun knapp einem Jahr hat auch Stefania ihr nach der Ausbildung wieder aufgenommenes zweites Standbein als Erzieherin aufgegeben, um sich gänzlich ihrem Handwerk zu widmen. Im Städtedreieck Nürnberg, Fürth und Erlangen ist Küble die einzige Künstlerin in diesem Gebiet und fühlt sich sichtlich wohl. „Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, aus Fürth wegzuziehen. Es war Liebe auf den ersten Blick! Diese schönen Altbauten und überall ist Kunst“, gerät sie ins Schwärmen.

Atelier von Stefania Küble Foto: Klaus Reeder

Die alte Kunst bewahren

Die Flechtwerkgestalterin betont, dass es in ihrem Beruf schon lange nicht mehr nur ums bloße Korbflechten geht. „Ich kooperiere seit einiger Zeit auch mit diversen Möbelhäusern und erledige Reparaturen jeglicher Art“, erzählt Küble. „Das Anfertigen von Körben reicht natürlich nicht mehr aus, um sich über Wasser zu halten.“ Sie bietet auch Dekoartikel und Schalen an. Flechtkurse für Groß und Klein sowie Kooperationen mit diversen Volkshochschulen zählen zu ihrem Repertoire. So möchte sie das Handwerk des Flechtens wahren, revolutionieren und an andere Menschen weitergeben. Der sprudelnde Enthusiasmus für ihre Arbeit ist mitreißend. „Das faszinierende ist die Kombination aus Kunst und Handwerk!“, erklärt Küble begeistert.

Flechten ist Handarbeit, so ist die Konkurrenz nicht die Industrie, sondern die Ware aus Ost und Fernost. Die Flechtkörbe und Möbel werden von gering entlohnten Arbeitskräften angefertigt, importiert und günstig verkauft. Die Künstlerin ist realistisch und weiß, dass der Beruf hierzulande vor dem Aussterben steht. Viele Konsumenten sind nicht bereit, tiefer in die Tasche zu greifen, um hochwertige und handgefertigte Arbeit zu erwerben. Ihre Klientel sind weitgehend ältere Menschen, aber auch die bewusst lebende jüngere Generation zählt Küble zu ihrem Kundenstamm. Mit viel Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit möchte sie dem Verfall der Flechtkunst entgegenwirken. Stefania Küble hat sich in der Künstlerbranche in Fürth und Umgebung einen Namen gemacht. Mit Leidenschaft und Liebe zum Beruf gelingt es ihr, zumindest hier in Franken mit vier weiteren Kollegen das Flechthandwerk zu wahren und davon zu leben.

 

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