Frauen im Kunsthandwerk

Mit aller Ruhe streicht Bettina Gebhard den Staub von ihrer Skulptur. Am Holztisch nebenan, arbeitet ihr Ausbilder an seinem Projekt. Beide widmen all ihre Konzentration dem jeweiligen Kunstwerk.

Trotz der lauten Säge- und Schleifgeräusche aus den Nebenräumen, lässt sich keiner der beiden ablenken. Sie sind Künstler auf ihre Art und Weise. Dies ist einer der Gründe warum der Beruf auch Kunstgießer heißt.

Foto: Elif Kuru

Das Handwerk des Gießers geht in Nürnberg bis ins 14. Jahrhundert zurück; Die Kunstgießerei Lenz bis zum frühen 19. Jahrhundert. „Gießer gibt es schon immer. Unser Betrieb ist der Einzige in Nürnberg und wir bedienen eine absolute Nische. Bei uns gibt es keine Massenanfertigung, alles läuft nach Bildhauerwunsch.“, erklärt Sabine Jahn, Inhaberin der Kunstgießerei Lenz. Bettina Gebhard ist die einzige weibliche Auszubildende im Betrieb. Eine der wenigen Frauen, die sich an dieses männlich dominierte Handwerk traut. „Es macht mir Spaß und ich bin gut darin“, sagt Gebhard. Sie geht auf die einzige Berufsschule für Kunstgießer in ganz Deutschland und in ihrem Kurs bestimmt sie somit die weibliche Quote.

Fertige Skulpturen. Foto: Elif Kuru

Angefangene Skulpturen und Schrift- und Grabtafeln sind in den einzelnen Räumen der Kunstgießerei verteilt. „Wir arbeiten hier in unserem Betrieb hauptsächlich mit zwei Guss-Techniken“, erzählt Sabine Jahn. Bei flachen Produkten, wie Schrifttafeln und Reliefs arbeiten die Kunstgießer mit dem Sandgussverfahren. Überwiegend nutzen sie aber das Wachsausschmelzverfahren. „Dieses Verfahren wird hauptsächlich genutzt, da der Großteil der Anfertigungen figürlich ist“, erklärt Sabine Jahn.

Die Gießer arbeiten mit Temperaturen von mindestens 950 Grad. Schwitzen gehört da zur Tagesordnung, genau so wie Staub und Dreck. „Mich hat es nach so vielen Jahren wieder zurück zu meinen Wurzeln verschlagen. Ich liebe es einfach am Ende des Tages etwas geschaffen zu haben.“, sagt Wilhelm Lechler, Ausbilder von Bettina Gebhard. „Es ist ein körperlich anstrengender Beruf. Geschichtlich gesehen ist der Beruf schon immer männlich dominiert gewesen. Das bedeutet aber nicht, dass Frauen diesen Beruf nicht ausüben können. Ganz im Gegenteil.“

 

 

Einzigartigkeit des Handwerks

Jedes Kunstwerk ist einzigartig. Kunden kommen mit Bildern oder Modellen von Skulpturen. Modellieren, gießen und verarbeiten und währenddessen darf nichts von den Gießern vergessen werden. „Der Beruf des Kunstgießers ist ein vielseitiger Beruf. Da sind jeden Tag andere Sachen gefragt“, sagt Jahn. Nicht nur plastisches Vorstellungsvermögen und dreidimensionales Denken seien wichtig, um den Beruf des Kunstgießers ausführen zu können. „Man muss hinlangen können und natürlich darf man sich nicht davor scheuen, seine Hände dreckig zu machen. Es ist ein Beruf, für den man geboren sein muss. Ein Beruf, für den man berufen sein muss. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle.“

Bettina Gebhard beim Schleifen. Foto: Elif Kuru

Frauen gab es schon häufiger im Betrieb. Praktikantinnen oder auch Studentinnen von der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg oder aus den Materialwissenschaften oder des Maschinenbaus machen hier ihre Praxiserfahrungen im Betrieb. „Heutzutage traut man sich an alles heran. Frauen gibt es vielleicht nicht im Übermaß, aber es gibt sie mittlerweile schon. Vor hundert Jahren hätte man sich das nicht vorstellen können“, erklärt die Inhaberin.

Neben Sabine Jahn, ist Bettina Gebhard die einzige weitere Frau im Betrieb. Doch auch in der Berufsschule schaut es mit der Anzahl der Frauen nicht anders aus. „Letztes Jahr waren wir noch drei Mädchen. Dieses Jahr bin ich die Einzige, da die anderen beiden sich nicht auf den Kunstguss spezialisieren“, erklärt Gebhard, während sie ihre Skulptur schleift. „Es ist ein anstrengender Beruf, aber den können Frauen genau so gut machen, wie Männer.“

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