Daten zum Mitnehmen – was ein Fladenbrot über uns verrät

19:20 – der Raum füllt sich, alle Sitzplätze sind belegt, die Leute postieren sich bei den Stehtischen im Hintergrund. Vier Minuten später ist der Raum so voll, dass der Vortrag ein wenig früher beginnen kann. Zunächst einmal geht es noch nicht ums Hacking. Der Referent läuft durchs Publikum, mit einem rot leuchtenden Fladenbrot in der Hand.

19:20 – der Raum füllt sich, alle Sitzplätze sind belegt, die Leute postieren sich bei den Stehtischen im Hintergrund. Vier Minuten später ist der Raum so voll, dass der Vortrag ein wenig früher beginnen kann. Zunächst einmal geht es noch nicht ums Hacking. Der Referent läuft durchs Publikum, mit einem rot leuchtenden Fladenbrot in der Hand. „Das ist unser Werkzeug für den heutigen Abend“, erklärt er, und nimmt daraufhin den Deckel ab. Ein kleines Kästchen kommt zum Vorschein – einige im Publikum kennen das Gerät. „Das ist ein Raspberry Pi!“, ruft jemand. Daraufhin die Frage: Was ist das überhaupt?

Der leuchtende kleine Kasten aus dem Brot ist ein kleiner, programmierbarer Computer, der sich „Raspberry Pi“ nennt. Sein Inhaber und der Vorträger des Abends heißt Ernst Schulten. Er ist freiberuflich als Social-Media-Berater tätig und setzt sich für mehr Hygiene im Netz ein. An diesem Abend in der Langen Nacht der Wissenschaften erklärt er, wie gefährlich die Verwendung der Kurzmitteilungs-App Whatsapp sein kann. Dazu benötigt er nur einen Laptop und seinen Mini-Rechner, der als simuliertes Smartphone dient.

Auf Nachfrage findet sich schnell ein Freiwilliger, der seine Telefonnummer preisgibt. Innerhalb kürzester Zeit erscheint auf der Präsentationsleinwand sein Whatsapp-Profil. Man kann in diesem Fall sein Profilbild und den Status nicht sehen, der junge Mann hat die entsprechenden Einstellungen vorgenommen. Bei den meisten Nutzern, erzählt Schulten, ist dies jedoch nicht der Fall. Er erklärt, wie einfach es ist, Telefonnummern allein mithilfe von Google herauszufinden, und dass Profilbilder, die jeder sehen kann, auch missbraucht werden können. Er zeigt uns als Beispiel das Whatsapp-Profil eines Mannes, der anscheinend ein Portrait seiner Frau als Profilbild nutzt. Dieses Bild findet man auf einer fragwürdigen Seite wieder, die „Whatsapp Hotties“ heißt und sich als dubiose Kontaktbörse herausstellt. Betretenes Schweigen.

Ein gruseliges Erlebnis

Danach sucht sich Ernst Schulten eine Nummer aus einer im Internet gefundenen Abiturientenliste, fügt ihn zu seinen Kontakten hinzu und sieht sich das Profil des Mannes und die hochgeladenen Bilder an. Er schreibt ihm ungeniert „Bist du ein Ossi?“, nachdem er ein Foto des Mannes im Dresdner Stadion gefunden hat. Keine Antwort. Auch die anwesenden Leute im Raum kann der Social-Media-Experte online beobachten: Er zeigt eine Liste mit IP-Adressen, die sich ins örtliche gratis-WLAN eingeloggt haben, und kann live verfolgen, auf welchen Webseiten jemand gerade surft und was er sich dort ansieht. Viele finden das gruselig.

Wie einfach so etwas ist, erzählt der Experte nach dem Vortrag im kurzen Interview. Er nutze eine frei zugängliche Software aus dem Internet namens „Debookee“, mit der er unter anderem an WLAN-Hotspots sehen kann, wer wo im Internet surft. Die Nutzung ist leicht zu verstehen, jeder könne das machen, sagt er. Den Raspberry Pi gebe es für 50 Euro zu kaufen. Er empfiehlt deshalb allen Nutzern von Diensten wie Whatsapp, ihre Datenschutzeinstellungen genau anzupassen und am besten nur mit verschlüsselten Verbindungen zu surfen. Von offenen Netzen, in die sich jeder einloggen kann, rät er ab. Nicht alles sollte für jedermann sichtbar im Internet stehen. Schließlich könnte ja jeder seine Hacking-Werkzeuge in seinem Brot verstecken.

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