Der Botschafter der deutsch französischen Freundschaft

Sein Englisch ist ausgezeichnet. Trotzdem wird sein Akzent wohl immer seine Herkunft verraten. In Deutschland fühlt sich der Franzose oft wie ein Botschafter, der wie ein Mittelsmann zwischen beiden Kulturen steht.

Der Weltenbummler Alexandre Fleck hat bereits viele Länder bereist. Gesehen hat er unter anderem Indonesien, Indien, die Philippinen, Chile und Ecuador, wo er den 6400 Meter hohen Chimborazo bestiegen hat. Die Liste seiner zukünftigen Reiseziele ist lang. Verschiedene Kulturkreise lernte er früh kennen. Doch was verschlägt den Franzosen längerfristig nach Mittelfranken? Vor rund zweieinhalb Jahren kam Fleck für den Masterstudiengang International Brand Management nach Nürnberg. Er erhielt im Februar dieses Jahres den Master of Science von der ICN Buisness School. Seit Juni 2018 arbeitet er bei Puma.

Die fabelhafte Welt der Amelie

Alexandre Fleck und seine Freundin Amelie Tempel in Nürnberg Foto: Robert Urlacher

Nach dem Studium wollte Fleck ursprünglich wieder zurück nach Frankreich, verliebte sich in Nürnberg allerdings in seine Freundin Amelie. Die 22-Jährige Amelie Tempel studiert im vierten Semester BWL in Nürnberg . „Ich schätze ihn, weil er von optimistischer Natur ist und locker durch sein Leben gehen kann.“ Der junge Franzose fühlt sich in Nürnberg sehr wohl, weil die Stadt im Vergleich zu Paris so klein ist. Trotzdem ist es für ihn eine Großstadt. Auch die Menschen seien hier wesentlich entspannter und nicht so eingebildet, wie er es aus seiner Heimatstadt Paris gewohnt ist. Fleck erklärt: „Mit den Deutschen komme ich sehr gut klar. Die kühle Art beansprucht zwar mehr Zeit, um eine Person kennenzulernen, doch die daraus resultierenden Freundschaften schätzte ich sehr. Hier sind die Menschen sehr ehrlich und fürsorglich.“

Die Deutschen und Franzosen sind gar nicht so unterschiedlich

Eifelturm im Jahr 2000: Von links: Adrien Fleck, Alexandre Fleck Foto: Nathalie Fleck (Mutter)

Fleck scheint über gute Menschenkenntnisse zu verfügen. „Die Deutschen und Franzosen sind gar nicht so unterschiedlich. Ein europäisches Verständnis haben beide Nationen.“ Vor Kurzem ist er in ein kleines Zimmer einer Wohngemeinschaft im Westen Nürnbergs gezogen. Sein ganzer Stolz ist sein Balkon, kein französischer, sondern einer von denen mit Platz für einen Tisch und Grill. Brezen und fränkisches Bier zieht er dem Wein aus Bordeaux vor. Einen Citroën 2 CV, besser bekannt als Ente, fuhren weder er noch sein Vater. Der 27-Jährige ist in Paris, dem Geburtsort seiner Mutter, geboren und aufgewachsen. Sein drei Jahre jüngerer Bruder ist auch Pariser.

Bezug zur deutschen Kultur

Mit 13 Jahren war er im Schüleraustausch das erste Mal ohne seine Eltern in Berlin und beobachtete viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige Gegensätze im Nachbarland. Städte wie Leipzig, Mannheim, Stuttgart, München, Passau oder Füssen besuchte er schon als Kind. Er konnte sich früh einen allgemeinen Überblick über Deutschland verschaffen. Seine Mutter, Nathalie Fleck, spricht außerdem Deutsch.

Kulturelle Unterschiede

Fleck in einem Restaurant in seiner neuen Nachbarschaft in Gostenhof Foto: Robert Urlacher

Unterschiede der Esskulturen sind ihm aufgefallen. „Niemand isst hier wirklich deutsches Essen, obwohl Schäufele mit Kloß lecker ist.“ Seiner Beobachtung zufolge hätten die meisten hierzulande lieber etwas vom Italiener oder Griechen. In Frankreich sei das anders, dort liebten sie ihr Essen. Voller Stolz benennt er die verschiedenen Käsesorten, die an einem gut gedeckten französischen Tisch zum Abendessen nicht fehlen dürfen. Vom Cognac ganz zu schweigen. „Außerdem geben die Franzosen mehr Geld für Essen aus“, erklärt er. „In Deutschland sollte es möglichst günstig sein.“ Was ihm aber Positives zur Speisekultur an den Deutschen aufgefallen ist, sei das bessere Verhältnis zum Traditionsbewusstsein. „Würde es in Paris ein Bierfest im theoretischen Graben des Schlosses Versailles geben, würde niemand hingehen und Bier aus einem Krug trinken. Dennoch ist es in Nürnberg so, dass über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg die Menschen zum traditionellen Trinken in den Burggraben gehen“, erklärt er. Auch auf dem Oktoberfest in München war er überrascht, dass so viele Menschen Tracht tragen. „Traditionelle Tracht wäre in Paris völlig undenkbar.“ Gerade auf solchen Festen, bei denen das eine oder andere Bier über den Durst getrunken wird, bekommt er den Satz „voulez vous coucher avec moi“ zu hören. „Ich verstehe nicht, wieso die Deutschen die Frage mit Frankreich assoziieren.“ Klischees mag Fleck nicht. „Ich trage nicht diese weiß-blau gestreiften T-Shirts oder ein Moustache Bärtchen. Meine Aufgabe ist es, Klischees zu widerlegen.“

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