Der nachhaltigen Ernährung auf der Spur

Seminar mal anders: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wahlfaches Nachhaltigkeitsjournalismus haben sich auf ihre Räder geschwungen und sind quer durch die Stadt zu vier Stationen der nachhaltigen Lebensmittelproduktion gefahren.

Start war im Umweltreferat, von dort ging es zum Marienbergpark, in die Kilianstraße und schließlich in die Wandererstraße nach Eberhardshof.

Bis zum Jahr 2020 soll der Bio-Anteil der Lebensmittel in kommunalen Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen auf 75 Prozent steigen. Ein Ziel, das noch in weiter Ferne liegt, denn in den Schulen liegt die Quote bei 20 Prozent, in den Kliniken nur bei zwei Prozent.  Dennoch ist es erreichbar, denn viele Initiativen tragen zum großen Mosaik bei.

 

Dr. Werner Ebert                  Foto: Beatrice Dernbach

Werner Ebert, Projektleiter der BioMetropole Nürnberg, kann stundenlang erzählen über die Öko-Bauern im Knoblauchsland und die „Solidarische Landwirtschaft“, den nachhaltigen Tiergarten, die Geschäftsidee der Saftproduktion aus Streuobstwiesen im Hersbrucker Land, Bäckereien und andere Betriebe, die regional Bio-Produkte herstellen und vermarkten. „Wichtig ist die Vernetzung“, erklärt der Umweltexperte. „Und wichtig sind auch Modellprojekte wie BioRegio Bayern 2020, eine Initiative der Landesregierung, um regional produzierte ökologische Lebensmittel zu fördern.“ Beim Deutschen Städtetag im Oktober 2018 in Leipzig werden sich zum ersten Mal die Bio-Städte präsentieren. Nürnberg war Mit-Initiator dieses Verbundes, dem heute über ein weiteres Dutzend deutsche Städte angehören.

 

Drei Säulen der Nachhaltigkeit

In der Natur-Erlebnis-Gärtnerei der Noris Inklusion gemeinnützige GmbH wird Nachhaltigkeit in allen drei Säulen – Ökologie, Ökonomie und Soziales – gelebt. Deren Leiter Michael Volland zählt die verschiedenen Tätigkeitsbereiche seiner Mitarbeiter auf: die Gärtnerei, in der Zierpflanzen und Kräuter großgezogen werden, die neue Töpferei, deren Produkte im ebenfalls neuen Laden verkauft werden, der Saftladen, wo jeder Bürger sein eigenes Obst zum eigenen Saft pressen lassen kann, die Hühnerfarm Rent-a-Huhn, bei der derzeit 150 Legehennen für ihre Abonnenten Eier legen, und der Bienenstock „Flotte Biene“. „Wichtig sind drei Dinge: Wir produzieren nachhaltig, wir verkaufen unsere Produkte zu einem fairen Preis und unsere Mitarbeiter werden jeweils nach ihren Kompetenzen eingesetzt.“ Fast alle Mitarbeiter haben ein Handikap. Bei der Inklusion finden sie einen Arbeitsplatz, der sie fordert und fördert.

Der Leiter der Natur-Erlebnis-Gärtnerei Michael Volland.           Foto: Beatrice Dernbach

Vegane Würstchen

Die Leiterin des ebl-Biomarktes Eva Hofstetter. Foto: Beatrice Dernbach

Gefordert und gefördert fühlt sich auch Eva Hofstetter, Leiterin der ebl-Filiale in der Kilianstraße. „Wir sind durch und durch ein nachhaltiges Unternehmen. Wir kennen viele unserer Hersteller und Lieferanten persönlich, denn wir besuchen sie in ihren Betrieben.“  Bio-Produkte haben ihren Preis, denn der Herstellungsaufwand ist ungleich höher als in der konventionellen Landwirtschaft. Die Frage, ob die Papaya, die mit dem Schiff transportiert wird statt im Flugzeug, tatsächlich nachhaltiger ist, bleibt offen. Und weshalb Veganer „Würstchen“ (aber ohne Fleisch) essen wollen, kann Eva Hofstetter auch nicht beantworten. „Unsere Kunden leben diese Art ganzheitliche Philosophie.“

 

Stadtgarten in Eberhardshof.                          Foto: Beatrice Dernbach

Gemüseanbau nach alten Regeln

Die gelben und roten Kirschen, Erd- und Johannisbeeren hat Cornelia Friedel frisch gepflückt. Alle greifen zu, denn das Obst ist ökologisch angebaut. Friedel ist eine der 30 Freiwilligen, die von Frühjahr bis Herbst den Stadtgarten der Initiative Bluepingu in der Wandererstraße betreuen. Umgeben von Häusern und dem ehemaligen Quelle-Turm haben die Hobbygärtner Hoch- und Hügelbeete angelegt, nach den alten Bauernregeln wachsen zum Beispiel Mais, Bohnen und Kürbisse nebeneinander. Angesät, gepflanzt, gepflegt und geerntet wird gemeinsam. Die Tage für den Garten in Eberhardshof sind allerdings gezählt, da auf dem Parkplatz ein Park entstehen soll. In der Wiesenstraße in der Südstadt wird gerade ein neuer Gemeinschaftsgarten aufgebaut.

 

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