Der Traum vom Eisenbahnspielen

„Schau mal Papa, die Eisenbahn!“, ruft Benjamin mit leuchtenden Augen seinem Papa zu. Sein Blick wandert über die detailgetreuen Züge und Gleisanlagen der Modellbahnanlage im Nürnberger Spielzeugmuseum.

Auch der Vater Alexander Tegeder ist begeistert: „Mich beeindruckt vor allem die Größe der Anlage. Wahnsinn, was die Menschen früher schon geschafft haben.“

Mit einer Größe von 30 Quadratmetern stellt die Modellbahnanlage das großflächigste und für viele Besucher ebenfalls das herausragende Ausstellungsstück des Museums dar. Sie zeigt den Eisenbahnknotenpunkt Omaha/Nebraska im Mittleren Westen der USA. „Unmittelbar nach der Erfindung der Dampfmaschine erschienen  fast zeitgleich entsprechende Spielzeugmodelle“, erklärt Urs Latus, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Restaurator des Museums. Von 1950 bis 1974 hat der Nürnberger Geologe Dr. Wolfram Bismarck hauptsächlich in Handarbeit auf der Basis von Fotos, Beschreibungen und Fachliteratur sowie einigen Helfern an seinem amerikanischen Eisenbahntraum gearbeitet.

Die alte Modellbahnanlage von Wolfram Bismarck; Foto: Anna Neubauer

Ein gelber Triebzug der Union Pacific, genannt „The Harvester“, zieht seine Kreise über die Anlage. Ratternd passiert er die Diablo-Canyon-Brücke zwischen Omaha und Council Bluffs. Außerdem stehen in dem Fuhrpark  135 weitere Züge, die sich im Wechsel über die Gleise bewegen. Die Schienen werden von 12500 Holzschwellen getragen, die einzeln gesägt, gefeilt und gebeizt wurden. 89 Weichen mit motorischen Unterflurantrieben verbinden die Gleise miteinander. „Eine professionelle Bastlerarbeit, die mit viel Leidenschaft erstellt wurde“, lobt Latus den Initiator und Erbauer.

Was die Züge zum Leben erweckt

Gesteuert wird die Anlage damals wie heute mit einem Eigenbau-Stellpult sowie 200 elektrischen Schaltvorrichtungen, sogenannten Relais. Da die Elektrik überholt wurde, mussten neue energiesparendere Motoren eingesetzt werden. Viel verändert wurde nicht, da die Anlage möglichst authentisch erhalten werden soll. „Solche Spielzeuge vermitteln viel Technik“, sagt der Restaurator schmunzelnd. „Faszinierend für Kinder ist die Darstellung der Arbeitsabläufe in so einem Zug.“

Detailgetreue Abbildung der Bahnanlage im Maßstab 1:64; Foto: Anna Neubauer

Kinder und Jugendliche können sich laut Latus in der heutigen Zeit nicht mehr so stark mit diesem Spielzeug identifizieren, da es an der Vermittlung von Motorik und Handwerk fehle. Trotzdem bleibt Eisenbahnspielen ein beliebtes Hobby bei Kindern sowie Erwachsenen. Urs Latus erinnert sich an seine Kindheit zurück. Mit einem Lächeln im Gesicht meint er: „Man kann dem Alltag entfliehen und sich in eine imaginäre Welt wegbeamen.“

 

Informationen zum Museum

Spielzeugmuseum Nürnberg
Karlstraße 13-15
90403 Nürnberg

Öffnungszeiten: Di – Fr 10:00 – 17:00 Uhr, Sa – So 10:00 – 18:00 Uhr

http://www.museen.nuernberg.de/spielzeugmuseum/

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