Vom Gründer zum erfolgreichen Revolutionär

Wer auf den Zug aufspringen will, eine tolle Idee hat und dazu noch die passende Hipsterfrisur, ist im Gründerzentrum Zollhof genau richtig.

Vom Tellerwäscher zum Millionär. In diesem Fall vom Visionär zum Revolutionär. Wer hatte sie noch nicht, die „One-Million-Dollar“-Idee? Spätestens als auf ProSieben Joko Winterscheidt mit der Sendung „Das Ding des Jahres“ den „Löwen“ vom Privatsender Vox Konkurrenz machte, war es klar: Gründer zu werden ist richtig cool und angesagt.

Sebastian bei der Arbeit (Quelle: Zollhof)

Sebastian ist Head of Research & Pre-Incubation. Für einen Normalsterblichen ist das keine Berufsbezeichnung, mit der er etwas anfangen kann. Deutsche, einfache Positionsbeschreibungen wurden zusammen mit Nachnamen aus der Geschäftswelt verbannt. „Ich habe Unternehmensgründung/Entrepreneurship studiert. Danach habe ich in der Gründungsberatung an der Uni gearbeitet. Wir haben schnell gemerkt, es bräuchte so ein Konzept, wie wir es jetzt hier haben. Wir haben dann zusammen überlegt, wie man so ein Gründerzentrum aufziehen könnte. Dabei war uns die Anknüpfung an die Hochschulen sehr wichtig “ , erklärt Sebastian, während er gelassen durch die überraschenderweise großen Räumlichkeiten schlendert.

Vorstellung versus Realität

Das einzige Gründerzentrum im größeren Umkreis, das sich auf High Tech Startups konzentriert, befindet sich in einem kleinen Hinterhof, im angesagten Stadtteil Gostenhof. Zugegeben sonderlich schön sieht es hier nicht aus: große Mülltonnen, gefüllte Aschenbecher am Fensterbrett direkt neben der Eingangstür. Und doch erfüllt es genau die Vorstellung von einem jungen, modernen Unternehmen. Auf sonderlich viel Ausstattung wird offensichtlich verzichtet. Ein stylischer durchsichtiger Stuhl, ein Steckboard mit dem Zitat „ Unleash your inner unicorn“ , eine offene Küche mit einem großen Küchentisch und natürlich Getränkeautomaten mit den neuesten „fancy“-Getränken. Ab und zu steht dann doch eine Ikea-Palme rum oder eine stylische Lichterkette à la Pinterest hängt von der Decke. Liegestühle mit dem Firmenlogo sollen den Mitarbeitern vermutlich Wohlfühlatmosphäre näher bringen.

 

 Konditionen und Voraussetzungen für Start-ups

„Die Gründer bekommen von uns vergünstigte Büroräume, pro Arbeitsplatz 89.- Euro im Monat. Dazu gehört ein Tisch mit Stuhl, Kaffee, Wasser, Wlan- und Druckerzugang. Unser Coaching, das Netzwerk, Investorenzugang, unser Support, sowie auch der Austausch mit anderen Start-ups ist kostenlos.“ Es ist ihm anzusehen, dass da tatsächlich Herzblut drinsteckt. „Wir sind nicht beteiligt an den Firmen. Für uns ist das eine Herzensangelegenheit. Wir sehen das Potenzial in der Region, die bekommt noch nicht die Anerkennung, welche sie eigentlich verdient hätte.“ Das Unternehmen selber bezeichnet sich auch als „Tech Incubator“ ,was so viel wie „technischer Brutkasten“ bedeutet. Die Idee dahinter ist das „Baby“, die Visionen, weiterzuentwickeln und vorwärts zu bringen.

Veranstaltungen im Zollhof (Quelle: Zollhof)

 

„Ein Gründer zu sein, heißt nicht, eine Idee zu haben. Die Leute haben immer Angst, jemand könnte ihre Ideen klauen. Wenn das der Fall ist, dann bist du nicht dazu geeignet, die Idee auch umzusetzen. Thomas Edison hat gesagt: ,Ein Genie ist fünf Prozent Inspiration und 95 Prozent Transpiration‘, also kommt es auf die Umsetzung an. Spätestens, wenn du an den Markt gehst, wird jemand kommen und dich kopieren oder überholen.“

Die Teams der Start-ups passen sehr gut in diese hippe Umgebung. Verstecken sich hinter großen iMacs und sehen leicht beunruhigt aus, sobald Fremde durch den Raum schleichen. Es gibt keine abgetrennten Räume. Alles ist offen. Ein großes Loft sozusagen. „Wir wollen, dass sich die Start-ups auch untereinander austauschen. Innerhalb der Räume ist nichts geheim“, meint Sebastian, während er die Treppen hochsteigt in den zweiten Teil des Büros, wo sich auch der Eventbereich befindet. Der Zollhof veranstaltet regelmäßig Vorträge, die öffentlich und vor allem an Studenten gerichtet sind, die sich für Unternehmensgründung interessieren.

Die Message

Sebastian scheint sehr kompetent zu sein in seinem Bereich. Ihm sowie dem ganzen Team vom Zollhof liegt tatsächlich viel daran, Start-ups zu pushen, mit denen sie die Industrie revolutionieren und für einen innovativen Fortschritt sorgen können, vor allem wenn es in Richtung Digitalisierung geht. „Wir suchen nicht noch ’ne App. Es muss was Neues sein, nichts, was es schon gibt.“ Dabei zieht er das Rollo hoch und zeigt auf eine Baustelle, nicht weit weg von dem Gebäude und erklärt stolz, das sei bald ihr neues, noch viel größeres Büro, bezuschusst von der Stadt Nürnberg, die ebenfalls an die Vision des Gründungszentrums glaubt.

 

Website des Gründerzentrums.

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