Der „turmdersinne“ – zwischen Täuschung, Spaß und Wahrnehmung

Ein schöner mittelalterlicher Turm mitten in Nürnberg: der Turm der Sinne. Dass sich im Inneren ein interaktives Museum befindet, ist von außen nicht sofort zu sehen. Hinter der hölzernen Tür wartet bereits die erste „Attraktion“: ein kleiner Raum mit einem Schachmuster auf einem schrägen Boden.

Die Rezeption      Foto: Ralph Schwägerl

Nach dem Passieren der Rezeption kann die Tour für den Besucher sofort losgehen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Turm noch besucherlos. Eine Schulklasse war jedoch für den „Girls Day“ vor Ort und zwei Gruppen sind bereits angesagt. Ein turbulenter Tag steht dem Personal also bevor. Eine Führung durch das Museum ist nicht zwingend notwendig, aber von Vorteil, da die Führung zusätzliche spannende Informationen preisgibt. „Der erste Raum ist bereits ein kleines Highlight für die Besucher“, präsentiert Anna Beniermann, die Leiterin der turmdersinne gGmbh, das Exponat. Es handelt sich um eine kleine Bühne, dessen Boden wie ein Schachbrett bemalt ist.

Die optische Täuschung im Schachbrett-Raum Foto: Ralph Schwägerl

Auf die Sinne verlassen

„Die Quintessenz aus diesem sehr coolen Effekt, den man auch mit der Kamera festhalten kann, der beruht darauf, dass unsere Erfahrung bei der Wahrnehmung eine große Rolle spielen. Das Gehirn kann denken, dass da zwei gleich große Menschen in einem total schiefen Raum stehen oder aber es ist ein rechteckiger Raum und die Menschen sind verschieden groß. Und unser Gehirn kennt normalerweise nur rechteckige, gerade Räume“, klärt Anna Beniermann auf. Diese optische Täuschung ist nur eine von unzähligen Ausstellungsstücken in diesem Museum. Jedes hat die Aufgabe, mindestens einen der menschlichen Sinne anzusprechen, sei es der Geruchs-, Geschmacks-, Seh-, Hör- oder der Tastsinn. Die Interaktivität des Museums, das aufgrund seines „Mitmachcharakters“ einem „Science Center“ ähnelt, hat den Zweck, die menschliche Wahrnehmung zu prüfen und zu täuschen, damit der Prozess des Hinterfragens gefördert wird. So lernt der Besucher, auf welche Gesichtsmerkmale der Mensch hauptsächlich achtet, warum er Bewegungen so intensiv wahrnimmt, wie das Gehirn Informationen tagtäglich unterbewusst simplifiziert, wie eng der Geruchssinn mit unseren Erinnerungen verknüpft ist und warum der Mensch dreidimensional sehen kann. Auf die Frage, welches das beliebteste Ausstellungsstück sei, nennt die Museumsführerin unter anderem „die Klötze“. Das sind zwei gleichgroße aufeinandergestapelte Klötze, die der Besucher hochheben darf. Das Interessante hieran ist, dass der obere Klotz, alleine hochgehoben, den Eindruck erweckt, mehr zu wiegen als beide gemeinsam. „Die Klötzchen sind auch faszinierend, weil die immer funktionieren“, versichert die Museumsleiterin.

Eine Person stellt sich einbeinig vor eine Wand und diese wird dann verschoben. Das Bild zeigt, wie schwierig es ist, aufrecht stehen zu bleiben. Foto: Ralph Schwägerl

Populäres Wissen verständlich erklärt

Das Museum ist nicht die einzige Einnahmequelle. Auch ein Symposium wird von der turmdersinne-gGmbH veranstaltet. Dabei referieren Wissenschaftler so verständlich wie möglich über populäre wissenschaftliche Erkenntnisse. Auch hierbei geht es weitestgehend um das Thema Wahrnehmung und somit fast immer um das Gehirn.

Veranstaltungen und Führung werden sowohl von Unternehmen als auch Schulen wahrgenommen. „Wir bauen derzeit auch unser Kinderprogramm aus. Da geht es nicht nur um Sinne, sondern zum Beispiel auch um Nachhaltigkeit und allgemeines wissenschaftliches Arbeiten“, erklärt Beniermann.

Der Besuch im turmdersinne ist sehr aufschlussreich, faszinierend und kennt keine Altersklasse. Alt und Jung lernen an diesem Ort Neues über die Sinneswahrnehmung. „Wir haben viele Schulklassen ab der Grundschule bis zum Abitur und FOS, aber ebenso Familien oder Firmenausflüge. Der typische Besucher ist neugierig und hat Lust, sich nicht nur etwas anzuschauen, sondern es mit den Händen beziehungsweise allen Sinnen auszuprobieren. Wir können die Welt nicht so richtig pur wahrnehmen. Unser Erlebtes und unsere Erfahrungen kommen da noch oben drauf. Deshalb konstruieren wir immer die Welt.“

 

Website des Turms der Sinne.

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