Algenteppich am oberen Wöhrder See

Der Wöhrder See und die alljährliche Algenplage

Jedes Jahr, wenn die Temperaturen steigen, bildet sich im Wöhrder See nahe der Technischen Hochschule Nürnberg ein schleimiger Algenteppich. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern bringt noch weitere Probleme mit sich. Zwar wird mit einem speziellen Mähboot versucht, die Algen zu entfernen. Doch das ist mühsam und behebt das Problem nur vorübergehend. Mit verschiedenen Umgestaltungsmaßnahmen soll das Algenproblem nun dauerhaft gelöst werden.

Die Sonne glitzert auf der Oberfläche, die umliegenden Bäume und Häuser spiegeln sich im Wasser. Ein Blick über den Wöhrder See könnte so schön sein. Wenn da nicht die vielen Algen wären, die sich jeden Sommer bei hohen Temperaturen bilden. An flachen Stellen ragen sie bis an die Wasseroberfläche und bilden ganze Algenteppiche. Grün und schleimig übersäen diese dann den See.

Doch die teppichartigen Gebilde aus Wasserpflanzen sehen nicht nur unschön aus, sie stinken auch: „Zum Wachsen entziehen die Algen dem Wasser Sauerstoff, was den Fischen im See schadet. Der dadurch angeregte Fäulnisprozess setzt außerdem übel riechende, muffige Dämpfe frei“, erklärt Klaus Winkelmair vom Wasserwirtschaftsamt Nürnberg. Er ist Leiter des Projekts „Wasserwelt Wöhrder See“, mit dem verschiedene Umbaumaßnahmen zur Aufwertung des Gewässers durchgeführt werden.

Der algenfreie Untere Wöhrder See

Blick über den im April noch algenfreien unteren Wöhrder See; Foto: Andreas Dommel

Mehrere Jahrzehnte war der See sich selbst überlassen. Bei Hochwasser führt die Pegnitz, die den Wöhrder See speist, beträchtliche Mengen an Sand und Schlamm mit sich. Wegen der niedrigen Fließgeschwindigkeit im See lagerten sich so im Lauf der Jahre etwa 300.000 Kubikmeter Schlamm am Grund ab. Deshalb beträgt die Wassertiefe anstatt ursprünglich bis zu drei Metern heute an vielen Stellen gerade mal noch einen halben Meter. Das Wasser kann sich schnell erwärmen, was optimale Bedingungen für das Wachstum von Wasserpflanzen darstellt.

Ein anderer Grund für die starke Algenbildung ist der zu hohe Nährstoffgehalt im Wasser. Neben Verunreinigungen aus der Landwirtschaft hängt das laut Winkelmair zu einem wesentlichen Teil mit den Essensresten zusammen, die Besucher an Wasservögel verfüttern. Nicht ohne Grund sind an leicht zugänglichen Uferbereichen Schilder angebracht mit dem Hinweis, dass Füttern nicht nur den Tieren selbst sondern auch der Wasserqualität schadet und deshalb verboten ist. Doch kaum jemand macht sich darüber Gedanken. Auch die Warnung vor Geldstrafen von bis zu 2.500 Euro bei Verstößen schreckt nur wenige ab.

Mähboot Molly

Mähboot Molly bei der Arbeit; Foto: Andreas Dommel

Zur kurzfristigen Bekämpfung der Algen steht ein spezielles Mähboot zur Verfügung, das auch auf anderen Gewässern in der Region eingesetzt wird. Es trägt den Namen Molly und konnte in den letzten Jahren im Sommer stets bei seiner Arbeit beobachtet werden. Dabei fährt Molly über den See, schneidet die Algen unter Wasser ab und befördert sie in schwimmende Container, in denen sie anschließend zur Kompostierung abtransportiert werden. „Bis zu 70 Tonnen wurden in besonders heißen Sommern auf diese Weise entfernt“, erklärt Winkelmair. Allerdings ist dieses Verfahren aufwändig und der Erfolg nur von kurzer Dauer: Im nächsten Jahr wachsen die Algen von Neuem. 

Mit bestimmten Maßnahmen des Projekts „Wasserwelt Wöhrder See“ soll daher schon die Entstehung der Wasserpflanzen verhindert und somit das Algenproblem nachhaltig behoben werden.

Wer momentan den Wöhrder See umrunden will, trifft am südwestlichen Ufer auf einen Zaun. Dahinter ist der Umbau der Norikusbucht in vollem Gange. Lastwagen liefern insgesamt rund 15.000 Kubikmeter Boden, den Bagger am Ufer der Bucht verteilen. Anschließend soll die Bucht mit einem schmalen, 400 Meter langen Leitdamm vom restlichen See abgetrennt werden. Das einströmende Wasser soll dann einen Pflanzenfilter durchfließen, der es so stark reinigt, dass ab 2016 Baden in der Norikusbucht möglich ist. Außerdem soll sich die Abtrennung der Bucht positiv auf die Strömungsgeschwindigkeit des übrigen Sees auswirken, weil das Gewässer an dieser Stelle besonders still ist.

Ein Stück südlich der Norikusbucht liegt der Bootsverleih. Für dessen Besitzer Shadi sind die Auswirkungen der Algen auf sein Geschäft spürbar: „Viele Kunden bleiben mit dem Boot in dem zähen Teppich hängen. Andere verzichten gleich ganz auf das Bootfahren.“ Er klingt besorgt. Trotz guten Wetters sind kaum Boote unterwegs, die Arbeit hält sich dementsprechend in Grenzen. Shadi sitzt auf einem Hocker auf der Anlegestelle und isst eine Wurstsemmel. Sein Blick schweift über den See. „Das Mähboot wird meist zu spät eingesetzt“, klagt er. Deshalb begrüßt er die Maßnahmen des Wasserwirtschaftsamts und hofft, auf einem algenfreien See bald wieder mehr Kunden begrüßen zu können.

Steinaufschüttung am unteren Wöhrder See

Sichtbarer Teil der Unterwasserinsel im unteren Wöhrder See; Foto: Andreas Dommel

Die Umbaumaßnahmen bringen auch neue Hindernisse für Bootsfahrer mit sich. Bereits 2014 entstand eine aus 10.000 Tonnen Stein bestehende Insel. Deren größter Teil liegt unter der Wasseroberfläche, nur an zwei Stellen ragen die Aufschüttungen parabelförmig aus dem Wasser. Dazu fuhr ein Schiff mit einem Bagger, der die weißen Steinbrocken genau platzierte, über den See. Neben Laichplätzen für Fische und einer Ruhezone für Wasservögel liegt der Zweck in erster Linie darin, die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen und damit Ablagerungen zu verhindern. Der Grundgedanke dahinter ist, dass die Insel Raum beansprucht. Weil die Menge des Wassers aber gleich bleibt, hat es weniger Platz als vorher und muss somit schneller fließen.

Auf Höhe des Sebastiansspitals im nordöstlichen Bereich des unteren Wöhrder Sees befindet sich seit 2012 der sogenannte Boulevard, ein etwa 200 Meter langer, geschwungener Steg für Fußgänger. Er soll helfen, Konflikte zwischen diesen und Radfahrern zu vermeiden und einen besseren Blick auf den See ermöglichen. Darüber hinaus hat er noch eine weitere, wasserbauliche Funktion. Verborgen unter der Wasseroberfläche sind Leitbleche angebracht, mit denen die Strömungsrichtung konzentriert werden soll.

Algenansammlung

Algenansammlungen wie diese sollen nach Fertigstellung der Projekte der Vergangenheit angehören; Foto: Andreas Dommel

Nach Meinung von Wolfgang Dötsch vom Bund Naturschutz wird sich eine gewisse Sedimentation allerdings auch in Zukunft nicht vermeiden lassen: „Dafür ist der Zulauf der Pegnitz zu gering.“ Deshalb hält er Stimmen für einen Rückbau des Sees für nicht unbegründet, weiß aber, dass dies neue Probleme mit sich bringen würde. Denn aus Sicht des Naturschützers ist der See in seiner ursprünglichen Form eine Fehlkonstruktion. „Er wurde rein zur Landschaftsgestaltung gebaut. Mit Natur- oder Umweltschutz hat das nichts zu tun“, meint Dötsch. Trotzdem befürwortet auch er die Umbaumaßnahmen.

Noch erzielen die bereits getroffenen Maßnahmen nicht die gewünschte Wirkung. Obwohl die Fließgeschwindigkeit mithilfe der Steinaufschüttungen bereits um 70 Prozent gesteigert werden konnte, haben sich auch in diesem Jahr wieder Algenteppiche gebildet. So schmälern sie, wie schon in den vergangenen Sommern, seit Juni wieder das Bild eines idyllischen Naherholungsgebiets inmitten des Nürnberger Stadtgebiets.

Stand: Juli 2015

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