Dicker Fisch am Haken

Transformatoren, Reaktoren, Panzer. Schwertransporte gewinnen immer mehr an Größe und Komplexität. Der Nürnberger Hafen wappnet sich.

Die Nacht ist eisig, denn die Temperatur ist weit unter den Gefrierpunkt gefallen. Am Siemens-Transformatorenwerk starten am 20. Januar 2017 zwei 400 Tonnen schwere Trafos ihre Reise nach Dubai. Erster Stopp ist der Nürnberger Hafen. Der nächtliche Transport per Schwerlaster ist riskant. Nach einigen Stunden dann die Erleichterung: Beide Maschinen wurden erfolgreich auf das Binnenschiff verladen und können nun ihre Reise über den Main-Donau-Kanal fortsetzen.

Durch das Gewicht, die Sensibilität und die Form von Gütern ist der Transport in Standard-Containern oft nicht möglich. Die Zahl der Schwerlasttransporte und die Anforderungen an die Schwergutunternehmer steigen zunehmend. Der Nürnberg Hafen sieht sich diesen Herausforderungen gewachsen. „Für den Schwergutplatz des Nürnberger Hafens ist es in Zukunft technisch gesehen möglich, noch schwerere und sperrigere Ware über die Wasserstraße abzutransportieren“, sagt Elke Wechsler. Die Leiterin der Unternehmenskommunikation des Bayernhafen Nürnberg weiter: „Schwergüter verstopfen oft weite Straßenabschnitte und benötigen dafür Ausnahmegenehmigungen. Der Transport ist oft heikel. Da ist jeder froh, wenn die Güter gut am Ende der Transportkette ankommen.“ Denn der Wert eines Schwerguts liegt nicht selten in zweistelliger Millionenhöhe. Werden Schwergüter zunehmend auf dem Wasser transportiert, könnte der Straßenverkehr entlastet werden. Der Bayernhafen hält Ausschau nach Partnern, um dieses Ziel realisieren zu können.

Großprojekt im Herbst 2017

Eröffnung des Litzenhubsystems des Bayernhafen Nürnberg 2012. Foto: BÖB-Themendienst

Die Züst & Bachmeier Project Gmbh arbeitet an der Erweiterung des Umschlags am Standort Nürnberg. Dort betreibt das Unternehmen ein Schwerlastlogistikzentrum (SLZ), in dem besonders schwere Güter auf Schiffe verladen werden können. Dieses besteht aus der bereits 1972 errichteten Roll-on/Roll-off Anlage und einem automatischen Litzenhubsystem, das das SLZ seit 2012 ergänzt. Die fest installierte Krananlage ist darauf ausgelegt, Lasten von bis zu 600 Tonnen Stückgewicht vom Land auf Binnenschiffe zu verfrachten. Dazu muss man wissen:  Der schwerste Transformator, den Siemens je in Nürnberg gebaut hat, verließ 2010 mit einem Gewicht von 495 Tonnen das Werk. Sieben Jahre später ist die Verladung eines 540 Tonnen schweren Trafos für Herbst 2017 geplant. „Das wird das Schwerste sein, was hier jemals umgeschlagen wurde. Wir haben dennoch ein bisschen Spielraum. Man wusste schon damals, dass die Frachten immer schwerer und größer werden“, erläutert Wechsler. 

Langfristige Investitionen in den Standort

Bereits 1969 sah man sich mit dem Problem konfrontiert, künftig Transformatoren von Einzelgewichten bis zu 800 Tonnen verladen zu müssen. Der Transport über Straße und Schiene erwies sich durch die immer schwerer und sperriger werdenden Güter als unmöglich. Um Nürnberg als Standort für den Umschlag schwerer Güter von Land zu Wasser zu sichern, mussten sowohl die Landanlage des Nürnberger Hafens für diese Lasten dimensioniert als auch der reibungsfreie Anlauf von Schwerlastschiffen gewährleistet werden. 1972 wurde die Anlage schließlich in Betrieb genommen. Die Kosten des gesamten Umbaus einschließlich des Grunderwerbes beliefen sich auf circa 250.000 Euro.

Bei -17 Grad Celsius wechseln zwei Transformatoren aus dem Siemenswerk vom LKW auf das Binnenschiff. Foto: Züst & Bachmeier Project GmbH

„Eine Herausforderung im Hafen ist das Umladen der Transformatoren vom Tieflader auf das Binnenschiff und umgekehrt. Wegen der extremen Belastungen werden leistungsfähige Krananlagen und ein Schwerlastkai wie im Bayernhafen Nürnberg benötigt“, erklärt Kuno Preidt, Abteilungsleiter Versand Siemens Transformatorenwerk Nürnberg im Interview mit dem Magazin der Bayernhafen Gruppe. „Meist erfordert der Transport von Schwergütern Kapazitäten und Sicherheitsmaßnahmen, die beim Transport über die Straße nicht gewährleistet werden können. Eine gute Erreichbarkeit des Binnenhafens ist für das Siemens Transformatorenwerk in Nürnberg deshalb ein klarer Standortvorteil für den weltweiten Export unserer Produkte.“

Nicht nur Trafos laufen in den Hafen ein

Neben Großtransformatoren zählen zu der Palette der Schwer- und Sperrgüter unter anderem auch Reaktorteile, Apparate für die chemische Industrie sowie Fahrzeuge der Bundeswehr und Verkehrsgüter. Zur jährlichen Messe der Verkehrstechnik „InnoTrans“ in Berlin erfolgte 2014 die Lieferung eines Ausstellungsobjektes aus Istanbul über das Schwerlastlogistikzentrum des Nürnberger Hafens. Elke Wechsler führt aus: „Die Straßenbahn wurde aus Istanbul zu uns gebracht und über unsere Schwergutplatte umgeschlagen. Von dort ging es dann direkt nach Berlin und auf demselbem Weg wieder zurück.“ Die Angebotsvielfalt soll den Bayernhafen Nürnberg attraktiver für Industrieunternehmen in der Metropolregion machen. Sobald die technischen Grenzen für den Umschlag schwerer Güter erreicht werden, gilt es abzuwarten, welche weiteren Schritte unternommen werden können, um Nürnberg als Logistik- und Industriestandort zu erweitern. Wechsler ist sich sicher: „Die Schwergutunternehmer werden ins Fernrohr blicken, um dem Ganzen zukunftsorientiert entgegenzuwirken.“

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