Die 29. Ohmrolle zeigte, was in den Design-Studenten steckt

Zweimal im Jahr findet die Ohmrolle statt. Gezeigt werden jedes Semester die aktuellen Werke der Designstudenten. Besucher, die eine der schnell vergriffenen Karten ergattern konnten, durften sich an den raffinierten Präsentationen im Multiplexkino Cinecitta erfreuen. Die Studenten haben in ihre Werbespots,…

Zweimal im Jahr findet die Ohmrolle statt. Gezeigt werden jedes Semester die aktuellen Werke der Designstudenten. Besucher, die eine der schnell vergriffenen Karten ergattern konnten, durften sich an den raffinierten Präsentationen im Multiplexkino Cinecitta erfreuen. Die Studenten haben in ihre Werbespots, Trailer, Musikvideos, Kurzfilme und Abschlussarbeiten viel Mühe und Arbeit gesteckt, um diese, wie zu erwarten, in hoher Qualität mit High-End-Software produziert, abzuliefern. „Zeichentrickfilme wurden größtenteils komplett selbst gezeichnet“, verrät Jürgen Schopper, Professor für Film und Animation an der TH Nürnberg Georg Simon Ohm.

Von der Idee zum fertigen Film

Bei den zum Teil Hollywood-reifen Produktionen stellt sich die Frage der Finanzierung, denn jede Hochschule hat nur begrenztes Kapital. Schopper eröffnet in einem Interview, dass die Studenten einiges leisten müssen. Die Ohm bietet zwar alle technischen Mittel, aber das ist nur ein Bruchteil der Dinge, die benötigt werden, um einen Film zu produzieren. „Erst mal braucht man eine geile Idee“, so Schopper.

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Jürgen Schopper im Interview mit Maria Noack; Foto: Uwe Mächtel

Er findet es toll, wenn seine Schützlinge versuchen, etwas ganz Neues zu probieren. Oft ist die Umsetzung schwierig, denn die Studenten müssen alles erfragen. Sie brauchen eine zündende Idee, um die Schauspieler dazu zu bewegen, auf Kulanz mit ihnen zu drehen. Location und Verpflegung sind ebenfalls gesponsort, weshalb sich die Produzenten oft nach der Vorstellung bei allen Geldgebern bedanken. Sie brauchen natürlich auch Unterstützung von ihren Dozenten. Deshalb kamen von Schopper auch ermunternde Worte wie: „Mensch das hat was Originelles“ oder „Rock’n Roll, das kriegen wir schon hin.“ Nach viel harter Arbeit und Mut, das Projekt durchzuziehen, kommen dann Ergebnisse wie diese, die man auf der Ohmrolle sehen konnte, heraus.

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Milka: Zarte Schokolade, harte Worte

Humorvolle Spots sorgen für einen tollen Einstieg

Das Event startete mit Werbespots und schon der Erste war einer der Besten. „Milka“, gedreht von den Erstsemestern, setzt auf schwarzen Humor und brachte die Masse zum Lachen und Aufkreischen. Harte Worte wurden zart verpackt. Wie die Macher das geschafft haben, zeigt ein Beispiel: Ein Mädchen bekommt von ihrem Freund I love Milka-Herzen geschenkt mit der Inschrift: „Es ist aus“. Er lächelt sie an und sie lächelt  zurück.

Ein weiterer guter Spot ist „Red Kiwi“: Ein übel zugerichteter Mann sitzt gefesselt auf einem Stuhl. Der Täter schüttet Benzin über ihm aus und zündet sich eine Zigarette an, die er anschließend ins Benzin wirft. Daraufhin wird der überraschende Spruch: „E-Zigaretten können Leben retten“ eingeblendet. Die Leute kreischten überrascht auf und klatschten lange Beifall. Professor Schopper mutierte, wie auch in den vergangenen Jahren, zu Prof. Dr. Dr. von und zu oder zu Meister Schopper. Die Studenten ließen auch dabei ihrer Fantasie freien Lauf. Ein Running Gag, über den viele lachten.

Zweitsemester setzen auf einen anderen Blickwinkel

Bei den Trailern, gedreht von den Studenten des zweiten Semesters, überzeugte „Insider“ mit einer ungewöhnlichen Kameraperspektive. Die Produzenten zeigten einen Alltag im Banken-Verbrecher-Milieu durch die Unterseite eines Glastisches: Die Gegenstände und Personen, die zu sehen waren, begannen bei typischen Dingen wie einem Stempel oder Papier. Mit der Dunkelheit kamen dann ein Whiskeyglas, Zigaretten bis hin zu einer nackten Frau, die auf dem Tisch „sitzt“. Letztendlich folgte das Geld.

Die sinnliche Komponente

Das Musikvideo „Irizz – Vantablack“ bewirkte den Wechsel in eine nachdenkliche und sinnliche Stimmung. Die Thematik war die Zeit als Heilender. Ein Mann kommt mit trauriger Miene in einen Raum in einer einsam gelegenen Hütte, nimmt eine Kette mit einem Ring ab und stellt seine Schreibmaschine auf einen Tisch. Er begibt sich in den Wald und findet eine Flaschenpost. Emotionale, düstere Musik spielt im Hintergrund. Im Laufe des Videos findet er immer mehr Flaschenpost und schreibt ihre Geschichte auf. Am Ende sind alle Briefe und der Text verschwunden und sein Ring liegt auf dem Tisch. Der zuvor tieftraurige Mann lächelt. Das Musikvideo löste eine emotionale Stimmung aus und kam beim Publikum gut an.

Süß und witzig, aber auf hohem Qualitätsniveau

Der Animationsfilm „Operation rising tusk“ ist eine niedliche Geschichte von einem Elefanten, der von der NASA in ein kugelförmiges Raumschiff gesteckt wird und dort mit einer Hündin zusammenprallt. Sie rettet ihn, er rettet sie. „Ende gut alles gut“ denkt der Zuschauer, wenn sie dann nicht noch mit der Rakete vom Panda zusammen gestoßen wären. Ein lustiger Animationsfilm, der zum Schmunzeln anregt. Schopper bewertete ihn als „technisch sehr hochwertig und trotzdem humorvoll gehalten“.

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Operation rising tusk: Ein Elefant auf Höhenflug

Ein brillanter Abschluss

Das Highlight der Abschlussarbeiten im Bereich Animation und Visualeffects war „Devoid“, der mit Transformers-Niveu und mit seiner detaillierten Computeranimation von Robotern überraschte. Ein spannender und packender Einstieg zieht den Kinobesucher mit in die Welt der Roboter, die um eine Art Batterie oder Droge kämpfen. Ein passendes Sounddesign verpasste dem Kurzfilm zudem das gewisse Etwas. Nur die Story könnte noch einen kleinen Schliff vertragen, was die gute Grafik aber wett macht.

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Devoid: Computeranimation und Characterdesign auf Hollywood Niveau

 

2 Comments

  1. Kassidy Kid

    Da ist ein kleiner Fehler im Text. Der Spot mit den E-Zigaretten war Red Kiwi, Loxone war die intelligente Haussteuerung mit dem tanzenden Mann 🙂 Sonst ein sehr schöner Bericht.

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