Die Früchte des Wandels

Angefangen beim veränderten Wetter bis hin zu neuen Schädlingen – Obstbauer sind in Zeiten des voranschreitenden Klimawandels vor neue Herausforderungen gestellt. Markus Zeiß ist Vorstandsvorsitzender der Obstgenossenschaft Igensdorf und seit 2004 im Obstbaugeschäft.

Als Inhaber des Familienbetriebs Zeiß in der Fränkischen Schweiz ist er zuständig für eine Fläche von 15 Hektar, auf denen überwiegend Süßkirschen wachsen. Daneben finden sich unter anderem auch Zwetschgen, Birnen und Äpfel. Neben dem Obstanbau führt Zeiß noch eine kleine Brennerei als Betriebszweig. Dieses zweite Standbein zahlt sich vor allem dann aus, wenn die Ernte mal etwas schlechter ausfällt. Ein Grund dafür sind die veränderten Klimaverhältnisse.

Warum liegt Ihr Fokus auf Süßkirschen?
Wir hatten uns auf die Süßkirsche beschränkt, weil ihr Vorteil ist, dass wir hier trockene Sommer haben und die Süßkirsche ja gerade in der Reife keine Feuchtigkeit braucht, weil sie sonst platzt. Und die gebirgige Landschaft. Die Süßkirschen stehen nicht im Flachland, sondern sind meistens an den Hängen. Das hat den Grund, dass im Winter die kalte Luft abziehen kann. Die warme Luft ist ja leichter, die ist oben. Darum hat man hier die Frostgefährdung nicht so. Deshalb werden hier in der Fränkischen hauptsächlich die Süßkirschen angebaut.

Die schwachwüchsigeren Obstbäume lassen sich effektiver beernten. Foto: Seden Kantarci

Heißt das, die Sommer der letzten Jahre sind sogar vorteilhaft für den Kirschanbau?
Die Kirsche stammt ja aus dem persischen, asiatischen Raum und ist mit den Römern zu uns gekommen. Die Kirsche kann eher ein trockenes, warmes Wetter aushalten. Was natürlich nicht heißt, dass sie keine Feuchtigkeit braucht im Frühjahr. Wenn’s zu lange zu heiß ist, dann wird’s auch problematisch. Besonders schlimm war es vorletztes Jahr. Es ist früher auch heiß gewesen, es gab früher genauso Jahre mit 37 oder 40 Grad. Aber es gab nicht so viele Tage hintereinander. Da war es vielleicht eine Woche warm, dann hat es mal ein Gewitter gegeben. Dann war die heiße Luft wieder draußen. Aber was wir in den letzten zwei Jahren hatten, dass die Sommer eigentlich sehr lange Hitzeperioden hatten… Das macht den Bäumen dann schon zu schaffen.

Oft wird über die Medien verbreitet, dass die Blütezeiten deutlich früher sind als noch vor einigen Jahren. Empfinden Sie das auch so?
Das Problem ist, dass die Frühjahre lang sind. Die Pflanzen sind Lichtsummensammler. Wenn das Frühjahr immer früher beginnt, dann sammeln die Bäume schon eher Licht und fangen eher zum Austreiben an. Genauso ist es auch mit dem Boden. Wenn es früher warm wird, erwärmt sich auch der Boden schneller und dann geht auch der Pflanzensaft früher los. Aber es bleibt nach wie vor die Gefahr von Spätfrost. Das war in den letzten Jahren ein großes Problem. Da hatten wir einmal einen recht schweren Blütenfrost, der natürlich in niedrigen Lagen schlimmer war als an den Hängen. Da hingen aber auch schon die Früchte dran. Das hat die Früchte sehr stark ausgedünnt oder teilweise auch deformiert. Der Begriff Frostbeule trifft da wirklich zu.

Klimawandel bedeutet, dass sich nicht nur in der Pflanzenwelt etwas ändern kann. Sind in Bezug auf Schädlinge und Insekten Veränderungen zu spüren?
Mit dem Klimawandel gibt’s auch neue Schädlinge. Da ist man aber noch nicht sicher, ob das auf den Klimawandel zurückzuführen ist oder ob das Problem nicht im weltweiten Handel liegt, der die Schädlinge einschleppt. Es gab früher eine Kirschfruchtfliege, Drosophila heißt die. Wo ist die hergekommen? Wahrscheinlich auch daher, wo die Kirschen hergekommen sind, aus dem persischen Raum. Die hat man gekannt, die konnte man bekämpfen und dann war’s gut. Mehr Schädlinge gab’s nicht. Dann ging’s weiter, der Markt globalisierte sich und aus Asien hat man die asiatische Kirschfruchtfliege angeschleppt. So hat man schon zwei Schädlinge gehabt. Und das ist jetzt die Frage: Kommt das vom Klimawandel oder kommt’s durch den weltweiten Handel mit den Waren?

Vor allem Birnen finden ihren Weg in die Brennerei. Der Rest der Früchte wird hauptsächlich als Frischmarktware vermarktet. Foto: Seden Kantarci

Was ist Ihre persönliche Einschätzung?
Die Fliege ist mit Sicherheit nicht von da hierher geflogen. So weit kann sie nicht fliegen. Folglich ist sie eingeschleppt worden. Aufgrund des Klimas bei uns hat sie hervorragende Bedingungen und bleibt natürlich da. Was noch verstärkt in den letzten drei bis fünf Jahren dazugekommen ist, ist die Kirschessigfliege. Von der weiß man aber auch, wenn es mal wieder Winter gibt, die etwas frostiger sind mit minus zehn Grad, dann wird diese Fliege dezimiert. Aber ganz weggehen wird die nicht mehr. Ähnlich ist es bei den Birnen und Äpfeln mit verschiedenen Wanzenarten, die neu aufgetaucht sind. Verschiedene Lausarten, Blutläuse, die wir hier früher nicht hatten.

Klingt, als würden Obstbauern vor vielerlei Herausforderungen stehen.
Der landwirtschaftliche oder der Agrarsektor muss mit so vielen Sachen kämpfen, die andere Branchen nicht haben. Jetzt mal ganz banal gesagt: Wenn Sie ein Auto herstellen, dann können Sie es theoretisch in der Wüste herstellen, weil Sie haben eine Fabrik, in der die Autos produziert werden. Mit dem Obst können Sie das nicht machen, weil Sie da immer noch den Faktor Wetter und Klimawandel haben. Da ist die Nachhaltigkeit ein ganz wichtiges Thema. Die Bauern, also 99 Prozent der Leute, die im Agrarsektor tätig sind, die sind alle vom Wetter abhängig. Da sind die Wenigsten dabei, die sich das mutwillig zerstören. Da schaut jeder drauf. Wir leben ja von der Natur, dementsprechend muss man auch mit der Natur umgehen können.

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