Die Herausforderung des sauberen Abwassers

Bevor das Abwasser der Stadt Schwabach wieder in den daneben liegenden Fluss, die Rednitz, geleitet werden kann, müssen vier Millionen Kubikmeter Abwasser pro Jahr in der Kläranlage gereinigt werden.

Dieses wird aus Haushalten, Gewerbebetrieben und Regenwasser über die Kanalisation zur Kläranlage geleitet und geklärt. Die Kläranlage Schwabach ist seit 1995 in Betrieb und wird unter der Kontrolle von der technischen Leiterin Michaela Jilg betrieben. Mit weiteren Mitarbeitern überwacht und prüft sie die Anlagen und das zugeleitete Abwasser. Wie diese Arbeit aussieht, erzählt Jilg in diesem Interview.

Was ist Ihre Position in der Schwabacher Kläranlage und welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Ich habe damals die Ausbildung zur Abwassermeisterin, heute Facharbeiterin in der Abwassertechnik, absolviert. In der Kläranlage Schwabach bin ich als technische Leiterin zuständig. In mein Gebiet ist sozusagen alles eingeschlossen. Manchmal muss ich auch im Labor einspringen, wenn Mitarbeiter fehlen.

Wie kann man sich den Ablauf in der Kläranlage vorstellen?
Der Hauptteil des Abwassers wird in einem Mischsystem über das 186 Kilometer lange Kanalnetz zur Kläranlage geleitet. Die festen Bestandteile des Abwassers werden mithilfe der Rechenanlage entfernt. Nachdem diese festen Bestandteile entfernt wurden, gelangen diese in den Sandfang. Dort setzt sich der vorhandene Sand ab. Der nächste Schritt führt zum Vorklär-, Belebungs- und Nachklärbecken. Im Vorklärbecken werden abgesetzte Stoffe und Verunreinigungen zurückgehalten. Im Belebungsbecken hingegen werden biologische Verunreinigungen durch Mikroorganismen entfernt. Der übrig gebliebene Klärschlamm wird in Faulbehältern, die sich im Faulturm befinden, gesammelt. In diesen Behältern wird er umgewälzt, entwässert und als Feststoff entsorgt.

Becken zur Abwasserreinigung. Foto: Elif Oguz

Bestehen neben der Abwasserreinigung auch weitere Tätigkeitsfelder in der Anlage?
Wir haben einmal das Labor, wo ich heute kurz einspringen musste. Die Mitarbeiter im Labor untersuchen die Zusammensetzung des Abwassers auf organische und anorganische Inhaltsstoffe. Dafür werden typische Reagenzgläser verwendet, in denen die Proben gesammelt werden. Die Schlämme aus den Faulturmbehältern werden auf ihren Wassergehalt und mineralische Inhaltsstoffe überprüft. Ebenso kann anhand der Proben festgelegt werden, wie stabil oder alt der Belebtschlamm in Wirklichkeit ist. Hinzu kommt noch die Kontrolle aus den Industrieabwässern. Ein weiterer Bestandteil der Kläranlage ist die EDV-Anlage. Hier erfolgt die elektronische Überwachung wichtiger Anlagenteile wie Pumpen oder Schieber. Diese Daten werden festgehalten und anhand der Laborergebnisse, Wettergrafiken, Tagesbelastungen oder anderer Besonderheiten wird die Anlage jeden Tag neu geregelt.

Was passiert in den Faulbehältern mit dem Klärschlamm?

Gasbehälter zur Stromerzeugung. Foto: Elif Oguz

In den beiden Behältern wird Faulgas produziert, das dann jeweils von zwei Blockheizkraftwerken in Strom und Abwärme umgewandelt wird. Ein großer Teil des Stromverbrauches der Kläranlage wird somit vor Ort produziert. Was schon seit Jahren ein typischer Prozess ist, spielt vor allem in der heutigen kritischen Zeit des Klimawandels eine große Rolle. Die hohe Temperatur in den Faulbehältern muss dennoch immer beibehalten werden, damit die Mikroorganismen dort überleben können. Es ist schon einige Male vorgekommen, dass alles im Faulturm nicht mehr funktioniert hat, weshalb das mit dem eigenen Strom für einige Zeit nicht klappen konnte.

Sind in der Kläranlage die Folgen des Klimawandels zu spüren?
Leider ja! Wie in mittlerweile fast allen Bereichen auf der Welt müssen auch wir mit den Folgen des Klimawandels kämpfen. Das Hauptproblem liegt hier bei dem Ausmaß der Extremwetterlagen. Vor allem aufgrund der untypischen Niederschlagsmenge ergibt sich eine große Herausforderung für die Mitarbeiter und die Stadt Schwabach. Das Volumen der Becken ist begrenzt. Hält der starke Regen über eine längere Zeit an, kann es zu Komplikationen kommen. Je nach Beckentyp wird das Abwasser mithilfe von Strömungen gereinigt; diese Funktion bewahrt die Kläranlage vor einer Überschwemmung. Doch bei der Leitung des Abwassers in die Rednitz entsteht aufgrund der hohen Menge ein Problem im Fluss. Das Abwasser vermischt sich mit dem Regenwasser, was zu einem hohen Wasserstand des Flusses führt. Dies wird vor allem für die Bewohner des Flusses, wie zum Beispiel die Fische, ab einem gewissen Punkt problematisch.

Welche Maßnahmen möchte die Kläranlage Schwabach ergreifen, um etwas gegen die Folgen des Klimawandels zu unternehmen?
Aufgrund der immer häufigeren Extremwetterlagen möchten sich einige Städte in der Umgebung von Schwabach zusammenlegen.  Es sollen zum Beispiel Anlagen kleinerer Städte in eine große, in diesem Fall in Schwabach, zusammengefasst werden. Dafür werden die Becken ausgebaut, um Überschwemmungen bei Extremwetterlagen zu verhindern. Mit dieser Überlegung wird ebenfalls Strom gespart, weil ja dann nur noch eine Anlage mit Strom versorgt werden muss. Für die Behörde und die Stadt Schwabach sind vor allem die Proben des Abwassers wichtig. Seit dem Klimawandel wird viel strenger kontrolliert, ob denn auch wirklich alle chemischen Stoffe, wie zum Beispiel aus Medikamenten, entfernt werden, bevor das Wasser in der Rednitz landet. Neben der chemischen Bearbeitung hierfür sollen auch neue Filter eingesetzt werden. Mit diesen Filtern wird es einfacher und schneller, die Medikamente und andere Stoffe aus dem Abwasser zu beseitigen. Doch auch wie bei vielen anderen Aspekten des Klimawandels spielt hier das Geld eine Rolle. Für diese Maßnahmen würde die Abwassergebühr, die jeder Bürger zahlen muss, steigen. Somit kommt es auch auf die Bürger der Stadt Schwabach an, ob sie bereit sind, für mehr Nachhaltigkeit zu zahlen.

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