Die Spanierin mit Musik im Blut

Die Spanierin Jessica Farina Mendo ist 23 Jahre alt und studiert Wirtschaftswissenschaften in Nürnberg. Sie wurde in Deutschland geboren, ihre Eltern sind jedoch spanischer Herkunft.

Jessica, deine Eltern sind beide Spanier. Sind sie hier in Deutschland geboren oder in Spanien?

Jessica Farina Mendo: Meine Mutter wurde hier in Deutschland geboren, ihre ganzen Geschwister jedoch in Spanien. Mein Opa ist damals mit allen Kindern nach Deutschland gekommen, anschließend kam meine Mutter auf die Welt. Ihre Geschwister sind natürlich spanisch aufgewachsen, weil mein Opa zum damaligen Zeitpunkt noch nicht so gut deutsch konnte.

Mein Vater ist auch hier in Deutschland geboren. Mit vier Jahren ist er dann jedoch zurück nach Spanien, und erst mit dreizehn Jahren kam er wieder nach Deutschland. Aufgewachsen ist er also auch eher in Spanien.

Warum sind deine Großeltern damals nach Deutschland gekommen und woher genau kommen sie?

Jessica im Urlaub. Foto: Jessica Farina Mendo

Farina Mendo: Sie sind damals vor allem nach Deutschland gekommen um zu arbeiten. Meine Mutter stammt aus Viana, das ist ein kleines Dorf in Córdoba. Mein Vater kommt aus Algeciras.

Bist du oft in Spanien, um deine Verwandten zu besuchen? Was vermisst du an Spanien, wenn du länger nicht dort bist?

Farina Mendo: Früher war ich immer sechs Wochen über die Sommerferien in Spanien und manchmal auch noch zwei Wochen über Ostern.

Ich vermisse vor allem die Lockerheit und das offene Wesen der Menschen. Spanier nehmen das Leben oft nicht so ernst wie Deutsche, und das im positiven Sinn. Es gibt natürlich auch Sachen, die ich hier in Deutschland besser finde als in Spanien. Es gleicht sich also aus.

Was bedeutet für dich der Begriff Heimat?

Farina Mendo: Das ist eine schwierige Sache. Ich finde: Heimat ist da, wo du dein Zuhause hast. Aber immer wenn wir im Spanien-Urlaub sind, denke ich: „Die sind ja so wie ich, die tanzen gerne.“ Ich spüre einfach, wie ein Teil meines Herzens hier in Deutschland Zuhause ist und ein Teil in Spanien obwohl ich dort nicht aufgewachsen bin. Schon ein komisches Gefühl. Fast ein bisschen, als wäre ich zweigeteilt.

Ist es dir hier in Deutschland möglich, deine spanische Kultur auszuleben?

Farina Mendo: Ich habe schon ganz klein damit angefangen, Flamenco zu tanzen. Mein Vater tanzt auch Flamenco und ist Gitarrist. Damals bin ich immer zu seinen Auftritten mitgegangen. Es gibt auch ganz viele Vereine in Nürnberg, zum Beispiel „Centro Galego“ oder „Centro Español“. Dort treffen sich Spanier zu Sommerfesten, auf denen dann auch Flamenco-Gruppen auftreten. Auch wenn wir so wenig Spanier hier in Nürnberg sind, sehen wir uns doch ziemlich regelmäßig.

Gibt es in Spanien Feiertage, die es in Deutschland nicht gibt?

Jessica beim Flamenco tanzen. Foto: De Soluna

Farina Mendo: In Spanien bekommen die Kinder die Weihnachtsgeschenke beispielsweise erst zu den Heiligen Drei Königen. Wir tauschen unsere Geschenke aber bereits am 24. Dezember aus, wie in Deutschland üblich.

Hast du bestimmte Angewohnheiten, die du an dir selbst als „typisch deutsch“ oder „typisch spanisch“ wahrnimmst?

Farina Mendo: Mir ist Genauigkeit und Ordnung sehr wichtig, ich würde sagen, das ist vielleicht ziemlich deutsch. Typisch spanisch ist auf jeden Fall, dass ich sofort tanzen muss, wenn ich Musik höre. Außerdem liebe ich gutes Essen und Fisch.

Magst du dann lieber deutsches oder spanisches Essen?

Farina Mendo: Ich liebe eigentlich alle Arten von Essen. Klar freue ich mich, wenn meine Mutter spanische Spezialitäten zubereitet, aber deutsches Essen liebe ich ebenfalls. Meine Mutter kocht aber schon immer beides, deutsches und spanisches Essen.

Wurdest du von deinen Eltern zweisprachig erzogen?

Farina Mendo: Meine Eltern haben auf jeden Fall versucht, mich zweisprachig zu erziehen. Bis ich fünf war, habe ich aber eigentlich nur Spanisch gesprochen. Ich weiß nicht genau warum, aber ich erkläre es mir so, dass es für ein Kind vielleicht einfacher ist Spanisch zu lernen, als Deutsch. Mit fünf, bevor ich auf die Grundschule gekommen bin, musste ich in einem Sprachkurs zunächst noch mal richtig Deutsch lernen.

Sprecht ihr daheim immer noch Spanisch?

Farina Mendo: Seit ich in die Schule gekommen bin und später auch das Gymnasium besucht habe, haben meine Eltern immer mehr versucht Deutsch zu sprechen. Mittlerweile ist es so, dass wir hauptsächlich Deutsch sprechen, aber manche Dinge kann man auf Spanisch einfach leichter sagen. Ab und zu kommen dabei auch Sätze heraus, die ein Mix aus Deutsch und Spanisch sind.

Hat dir deine Muttersprache einen Vorteil in der Schulzeit verschafft?

Farina Mendo: In der Grundschule hatte ich noch ziemliche Probleme mit dem Deutsch, weil ich das erst später gelernt habe. Das wurde aber immer besser und ich habe mich generell mit Sprachen sehr einfach getan, sei es Englisch oder Französisch. Ich hatte ab der achten Klasse auch Spanisch in der Schule, das war dann natürlich kein Problem. Ich denke auf jeden Fall, dass es Vorteile bringt, schon von klein auf zwei Sprachen zu sprechen.

Das Interview führte Jessica Herfel

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