Die Zukunft des deutschen Maschinenbaus

Die deutsche Industrie befindet sich derzeit an der Schwelle einer neuen industriellen Revolution. Viele Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie sich für mögliche Hürden in der Entwicklung wappnen können. Auf dem 7. Maschinenbau Gipfel in Berlin sind zahlreiche Lösungsansätze…

Die deutsche Industrie befindet sich derzeit an der Schwelle einer neuen industriellen Revolution. Viele Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie sich für mögliche Hürden in der Entwicklung wappnen können. Auf dem 7. Maschinenbau Gipfel in Berlin sind zahlreiche Lösungsansätze und Zukunftsprognosen vorgestellt worden.
Deutsche Maschinen und Anlagen sind weltweit beliebt. Das wird durch einen Umsatz von über 200 Milliarden Euro jährlich und elf Prozent der Marktanteile in dieser Branche bestätigt, so eine VDMA-McKinsey-Studie. Weiterhin heißt es darin, dass rund eine Million Menschen in dieser Industrie beschäftigt sind. Damit dieser Standard gewahrt werden kann und das Wachstum weiter anhält, müsse man die Weichen neu stellen. Die deutsche Maschinenbauindustrie könne in Zukunft gefährdet sein, wenn die Unternehmen sich nicht weiterentwickelten, befürchtet der VDMA. Konkret heißt es, dass die Branche flexibler und effizienter in der Produktion werden müsse. Das Konzept Industrie 4.0 solle nun die Richtung angeben. Dazu gehören Smart Factories, in denen autonom arbeitende und adaptive Maschinenanlagen die Produktion ressourceneffizienter gestalten sollen. Anders als in Japan solle dabei nicht auf den Faktor Mensch verzichtet werden. Laut der FESTO AG werde der Mensch weiterhin eine Rolle in intelligenten Fabriken spielen. Dafür seien Umschulungen in Lernfabriken und Ergänzungen zu bestehenden Ausbildungen vorgesehen.

DSC01573Eine Einheit muss entstehen
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat auf dem Gipfel einheitliche Standards in der Maschinenbauindustrie gefordert, damit die Branche die Entwicklung zur nächsten industriellen Stufe gut meistert. Einheitliche Normen in der Fertigung seien für die Realisierbarkeit intelligenter Maschinenanlagen von hoher Wichtigkeit, da Unternehmen so besser miteinander kooperieren könnten, so Peter Post von der FESTO AG. Post merkt weiterhin an, dass die Politik hier Standards festlegen sollte, um so die Entwicklung zu beschleunigen.

Effizientes Ersatzteillager
Additive Fertigung von Ersatzteilen aus Metall ist heute schon möglich. Die Renishaw GmbH aus Wales fertigt bereits Komponenten mittels 3D-Druckern an. Diese lassen sich für jede Maschinenanlage individuell anpassen. Ein Problem ist, dass der Wettbewerb durch zu starke Patentierung blockiert werde und es dadurch wenige Zulieferer gebe, so Michael Schmidt, Professor für Photonische Technologien an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Weiterhin bestünde ein großes Defizit in der Beschaffung von Pulver für den 3D-Druck. Dieser Werkstoff ist auf dem Markt sehr rar, was den Preis steigen lässt. Dabei birgt diese Technologie großes Marktpotenzial. Im Jahr 2012 lag der weltweite Umsatz bei 2,2 Milliarden US-Dollar. Bis 2020 soll der Umsatz bereits bei 5,2 Milliarden liegen. Terry Wohlers, der Präsident der Wohlers Associate Inc., geht weiter und prognostiziert, dass die additive Fertigung der Industrie komplett neue Wege aufzeigen und die Entwicklung neuer Unternehmen oder Geschäftsmodelle fördern werde. Schmidt betont allerdings, dass man durch additive Fertigung keinesfalls eine Maschine austauschen könne, sondern nur die Ersatzteile.

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TTIP – Der Markt soll stärker werden
Das Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten soll dem deutschen Export zu Gute kommen. Der Bundestagsabgeordnete Matthias Heider (CDU) erhofft sich dadurch mehr Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum. Diese Meinung teilen auch der VDMA sowie der Abgeordnete Dieter Janecek (Bündnis 90/ Grüne). Gerade in Deutschland hänge der Wohlstand von einer Weiterentwicklung der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen ab, so Bernhard Mattes von der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland.

Fazit
Damit die deutsche Maschinenbauindustrie weltweit wettbewerbsfähig bleibt, muss sich laut VDMA Grundlegendes im Bereich Fertigung und Politik ändern. Die Smart Factories müssen langsam aber sicher realisiert werden, um auch in Zukunft günstig zu exportieren. Einheitliche Normen in der Fertigung sind wichtig für die Zusammenarbeit von Produzent und Zulieferer. Handelsbeziehungen mit den USA sollen durch TTIP gefestigt werden, um den Export auch weiterhin zu sichern. Diese Mischung soll den langfristigen Erfolg der deutschen Maschinenbau- und Anlagenindustrie aufrecht erhalten.

Ahmet Degirmenciler

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