Ein Hafen macht Karriere

Der Nürnberger Hafen schwimmt oben auf. Obgleich die Konkurrenz groß ist und er nicht der größte ist, nimmt ihm kein anderer Hafen in Süddeutschland den Platz als umschlagsstärkster Binnenhafen.

Das Team der Nürnberger Anlegestelle zeigt, wie man neben Megahäfen wie Hamburg oder Rotterdam dennoch die Nerven behält, zunehmend wächst und gleichzeitig modern bleibt. Es geht um Geschichte sowie den Wandel in die Moderne und die Besonderheiten rund um die Nürnberger Kaimauern.

Fokus Wasser

Eine Krananlage aus den Anfängen des Hafens. Hier war noch richtige „Manpower“ gefragt. Foto: Ludwig Heidenreiter

Die Karriere des Hafens beginnt mit seinem Geburtsjahr: 1970 wurden die ersten Sprengschüsse vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Andreas Urschlechter, Staatssekretär Hugo Fink und dem Vorsitzenden des Hafenbeirats ausgelöst. Dies war der Auftakt zum Abtrag von 4,85 Millionen Kubikmeter Erde, um das Hafengelände einzuebnen und im selben Zug 7,6 Kilometer Uferbefestigung aus Stahlbeton zu schaffen.  Als der Hafen 1972 in Betrieb genommen wurde und seine Verbindung mit der Welt durch den Rhein-Main-Donau-Kanal (RMD) bestand, war seine Bestimmung noch eine ganz andere als die Aufgabe, die er heute erfüllt. Mit der Anbindung an den Kanal war er zunächst von seinen Erbauern nur als Hafen geplant, im Sinne einer reinen Wasseranbindung. Damals war der Schwerguttransport per Binnenschiff zentraler Bestandteil der hiesigen Wirtschaft. Über die Wasserstraße sind von Kohle und Erzen bis Rohmaterial für Chemieunternehmen alle Massentransporte über den Wasserweg abgewickelt worden. Schiffe, Kräne, Hafenmeister und Firmen haben Hand in Hand gearbeitet und damit zur heutigen Bedeutung des Standorts beigetragen. Vier Jahre nach seiner Eröffnung hat er bereits eine Größe von 85 Hektar erreicht und beschäftigt rund 1000 Hafenarbeiter.

Der Nürnberger Hafen aus der Vogelperspektive. Seine Größe entspricht der von 470 Fussballfeldern. Foto: bayernhafen Nürnberg.

Ein gut vernetztes Nervensystem

Wer sich nun heute an die Kaimauern begibt, dem wird ein aktuelleres Bild vermittelt. Auf seinen heutigen 337 Hektar sind mehr als 200 Unternehmen angesiedelt und rund 6.700 Arbeitsplätze geschaffen worden. Diese vielen einzelnen Komponenten, aus denen der Hafen besteht „befinden sich auf höchstem Niveau, was Digitalisierung betrifft, um ihren Kunden entsprechende Plattformen bieten zu können, die ihre Waren genau nachverfolgen wollen“, erklärt Elke Wechsler, zuständig für Marketing und Unternehmenskommunikation des Nürnberger Hafens. Sie fügt an: „Wir sind ein Sondergebiet, in dem sich Schiene, Straße und Wasser treffen, ein sogenannter „Trimodaler-Standort“, der diese drei Verkehrsträger ideal verknüpft.“ Das ist auch nötig in einer Zeit, in der jeder Kunde von Onlinehändlern gewohnt ist, binnen kürzester Zeit sein Paket zu erhalten. Dieser Trend ist am Hafen nicht vorbeigegangen.

Drei Kernkompetenzen

Wer erfolgreich sein will, muss drei Dinge richtig gut beherrschen, um sich von anderen zu unterscheiden und in diesem Fall hat es geklappt: Ein Trimodaler-Standort ist vielseitig. Für ungeduldige Express-Kunden werden die Waren mit Bahn und LKW umgeschlagen. Die Ladegleise sind zusammen 2,8 Kilometer lang. Hier werden die beiden Verkehrsarten kombiniert, um Waren mit kleinen Lieferzeiträumen schnell ins Hinterland zu transportieren. Für Massengüter und Schwerlasttransporte hingegen, mit unbedenklichen Lieferzeiten, ist dann das Binnenschiff prädestiniert. Transformatoren von Siemens zum Beispiel, von denen einer nicht selten 300 Tonnen wiegt, können am Schwergutumschlagplatz mit einem hydraulischen Litzenhubsystem verladen und mit den verschiedenen Verkehrsträgern in alle Welt verschifft werden. Diese Vielseitigkeit macht aus einem Hafen ein Güterverkehrszentrum.

Unser Tor zur Welt

Der Litzenhubkran (rot) hievt einen Transformator der Firma Siemens auf ein Binnenschiff. Foto: bayernhafen Nürnberg.

Nürnberg und die umliegenden Kommunen sowie deren Bürger verdanken diesem Logistikzentrum viel, ohne dass sie es so richtig wahrnehmen. Viele Konsumgüter kommen aus aller Welt über den Hafen in die fränkischen Haushalte. „Das sind Backzutaten für die Frühstücksbrötchen, es ist Papier für unsere Tageszeitung und es sind Elektronikteile von unseren Handys.“ Die Beispiele, die Elke Wechsler aufzählt, sind nur ein paar wenige von vielen.

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