Ein Ort, an dem Verborgenes zum Vorschein kommt

Die Mitarbeiter des Jura-Museums in Eichstätt möchten Wissen wortwörtlich begreifbar machen. Doch der Weg zu diesem Ziel gleicht einem Hindernislauf. Gesetze und Existenzsorgen erschweren den Mitarbeitern die Arbeit.

Mitten in der bayerischen Provinz steht die Willibaldsburg in Eichstätt. In ruhiger Atmosphäre kann man im dort ansässigen Jura-Museum die etwa 150 Millionen Jahre alten Ausgrabungsfunde der Region bewundern und aus beinahe jedem Fenster kann man hinunter ins Altmühltal blicken.

Der Innenhof des Museums. Foto: Christoph Leierseder

Das gilt auch für das kleine Fenster der Mitarbeiterküche in der Burg aus dem 14. Jahrhundert. „Hier steht alles unter Denkmalschutz“, sagt Andreas Hecker. Er deutet nach unten und sagt: „Sogar der Holzfußboden.“ Hecker ist Biologe und Museumspädagoge und arbeitet seit 2015 im Jura-Museum. Bei einem Kaffee erklärt er die Bedeutung des Museums für die Paläontologie: „Charles Darwin hat damals gesagt, es muss Übergangsformen zwischen Tieren geben. Zwei Jahre später findet man hier in Solnhofen den Archaeopteryx. Das Reptil mit Federn oder der Vogel mit Zähnen und Schwanz. Dieses Fossil ist damit zum wichtigsten und berühmtesten Fossil geworden, das es überhaupt gibt. Und damit sind die bayerischen Plattenkalke die wichtigste geologische und paläontologische Formation, die es überhaupt gibt – weltweit. Und das Jura-Museum Eichstätt besitzt die größte Sammlung. Noch Fragen?“ Um in dieser Sammlung zu forschen, kommen regelmäßig Wissenschaftler aus aller Welt nach Eichstätt. Die Museumsausstellung zeigt nur etwa ein halbes Prozent der Sammlung.

Andreas Radecker bringt Verborgenes ans Licht

Andreas Radecker legt einen versteinerten Fisch frei. Foto: Christoph Leierseder

Und die Sammlung wächst immer weiter. Dafür mitverantwortlich ist Andreas Radecker. Er ist Präparator am Museum und bringt in seiner Werkstatt ans Tageslicht, was seit rund 150 Millionen Jahren im Kalkstein eingeschlossen war. Dazu benutzt er eine ganze Palette an Werkzeugen: Hammer und Meißel für die groben Arbeiten, Druckluftmeißel in verschiedenen Größen für die Feinarbeiten und einen Ultraschallmeißel für besonders filigrane Teile. „Der schwingt in einem Bereich von nur  fünf Mikrometern”, erklärt Radecker. Etwa eine Woche braucht er, um einen Fisch vollständig freizulegen und zu konservieren.

Viele davon hängen in den Museumsvitrinen. Für Museumspädagoge Hecker ist das nicht immer die beste Lösung. Er würde gerne vieles in der Ausstellung anders machen. Doch ihm und seinen Kollegen rollen die Steine gleich von mehreren Seiten in den Weg. Da wäre zum einen das Gebäude an sich: „Das Jura-Museum Eichstätt ist 1976 gegründet worden. Es wurde eingerichtet durch einen Star-Architekten, damals im Stile von 1976. Wir haben das Jahr 2018, die Ausstellung steht unter Architektenschutz. Vitrinen die man in die Ewigkeit einbetoniert hat, müssen für die nächsten 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers bewahrt bleiben. Das stellt einen vor sehr große Herausforderungen, die Ausstellung zu modernisieren”, erklärt Hecker.

Andreas Hecker würde die meisten Exponate ganz anders ausstellen – wenn er denn könnte. Foto: Christoph Leierseder

UV-Licht bringt Geheimnisse zum Vorschein

Wie er die Ausstellung gerne gestalten würde, zeigt Hecker an einer Wand im Museumskino: Dort hängt eine große Steinplatte, die auf den ersten Blick nicht besonders aufregend aussieht. Hecker drückt auf einen Schalter neben der Platte, der Raum wird dunkel und eine UV-Lampe geht an. Auf der Steinplatte kann man nun unzählige leuchtende Formen erkennen. Ein Kieferknochen und Fragmente einer Wirbelsäule kommen zum Vorschein. Anfassen ist hier ausdrücklich erwünscht. Dieses kleine Krokodil kann der Besucher ganz anders erfahren als das vier Meter lange Exemplar, das im Raum daneben hinter einer Glasscheibe hängt.

Keiner weiß, wie es nächstes Jahr weitergeht

Die Bedingungen des Denkmal- und Architektenschutzes könnte man vielleicht noch erfüllen, schwieriger wird es allerdings beim Geld: Von den 43264 Besuchern des letzten Jahres zahlte nur ein Teil überhaupt Eintritt. Die Hauptzielgruppe, Kinder und Jugendliche sind von diesem nämlich befreit. Das jährliche Defizit des Museums von bis zu 700000 Euro Prozent teilen sich der Freistaat Bayern und der Träger des Museums, das Bischöfliche Seminar Eichstätt. Doch Ende März veränderte sich die Lage: „Inzwischen hat sich – wie wir tatsächlich aus der Zeitung erfahren durften – das Bischöfliche Seminar entschieden zum 31. Dezember 2018 die Trägerschaft des Jura-Museums abzugeben. Und damit stellt sich uns jetzt hier die Frage: Haben wir zum 1. Januar 2019 eigentlich noch einen Job?“, so Hecker. Derzeit liefen allerdings Gespräche, dass die Universität Eichstätt die Trägerschaft übernehmen könnte.

 

Website des Jura-Museums Eichstätt.

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