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Eine Software, die Inklusion schafft

Helmut Herold, Professor für Informatik an der Technischen Hochschule in Nürnberg, programmiert eine Software für Kinder mit Behinderungen. Diese erstellt er mit Studenten, die sich dadurch Wissen aneignen.

Auf einem großen Bildschirm sind bunte Bilder zu sehen. Ein Mädchen, das geistig behindert ist, sitzt vor einem Joystick. Sie hält diesen fest umschlossen und blickt konzentriert zum Bildschirm. Sie navigiert den Mauszeiger zum ersten Bild. Es ist ein Bild von ihrem Bruder. Sie spielt das Spiel „Memory“. Mit einem „Klick“ wählt sie das Bildchen von ihrem Bruder aus und kombiniert es mit dem dazugehörigen Bild. Ein quirliger Ton dröhnt durch das Zimmer. Sie lächelt zufrieden. Das Spiel, das sie spielt, stammt vom Programm Genesis.
Helmut Herold sitzt entspannt an seinem Schreibtisch. Aus den benachbarten Räumen dringen Unterhaltungen durch die offene Bürotür. Vermutlich von Studenten, die an eigenen Projekten tüfteln. In diesem Raum programmieren Herold zusammen mit seinen Kollegen, die unter Anderem aus Studenten bestehen, Softwares wie Genesis.

Genesis ist ein Projekt, welches Spiele beinhaltet, mit denen Kinder mit Behinderungen spielen können. Außerdem soll das Programm Inklusion schaffen. Das heißt: „Schwerstbehinderte Kinder können damit spielen, aber gleichzeitig kann man es auch mit nichtbehinderten Kindern spielen“, informiert Herold über die Software. Das Programm kann je nach Bedarf genutzt werden. Es kann zum Beispiel mit der herkömmlichen Computermaus oder auch einem Joystick bedient werden. Herold sagt, das Spiel sei im Extremfall auch mit nur einer Taste spielbar. Sogar eine Tanzmatte kommt als Steuerungsmöglichkeit in Frage. Mit dieser können motorisch eingeschränkte Kinder spielerisch ihre Übungen machen.

In einer Zeit vor Genesis

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Ein Kasten mit Glaswänden, welcher Spiele beinhaltet. Foto von Julia König.

Zwei Kinder sitzen vor einem Kasten mit Glaswänden. In den kleinen Kinderhänden befinden sich Fernbedienungen, die mit einem Kabel mit dem Kasten verbunden sind. In diesem befinden sich Spiele. Die Kinder spielen das Spiel „Vier Gewinnt“. Eines der Kinder hat aufgrund seiner Behinderung Schwierigkeiten damit, mit herkömmlichen Spielen zu spielen. Das andere Kind hat keine Einschränkungen. Mit diesem Gerät können sie gemeinsam unter den gleichen Bedingungen spielen.

Die Idee, Kindern mit Behinderungen zu helfen, war bereits vor 20 Jahren ein Thema bei den Professoren der TH. Damals haben sie Kästen für Kinder mit Behinderungen gebaut. Diese beinhalteten Spiele wie „Vier gewinnt“ und „Renn kleine Schnecke“. „Das Problem ist, sie sind unwahrscheinlich teuer herzustellen und wenn sie herunterfallen, dann sind sie kaputt. Ich habe das gesehen und da haben wir doch die Computer und da dachte ich mir: Können wir das nicht in Software umwandeln?“, sagt Herold. Diese Idee wurde vor circa 15 Jahren zu Genesis.

Genesis benutzt eine Programmiersprache, die Herold selbst erfunden hat. Damals sei der Vorteil gewesen, dass fertige Ingenieure noch den Zivildienst leisten mussten, erinnert sich der Softwareentwickler. „Das war natürlich ein Riesengewinn, dass die dann Zivildienst hatten und da dann an Genesis gearbeitet haben“, führt er weiter aus, „So ein Ingenieur vom dritten Semester kann das noch gar nicht.“ Mit diesem Gedanken arbeitet seine von ihm erstellte Programmiersprache. Diese besteht nämlich aus wichtigen Komponenten, mit denen unter anderem Genesis zum Laufen gebracht werden kann. Es ist im Grunde genommen eine abgewandelte, einfachere, aber für Programmierer besser benutzbare Sprache. So können auch schon Studenten im dritten Semester am Projekt mitarbeiten. „Die Leute lernen auch hier wahnsinnig viel, weil sie hier an einem echten Projekt arbeiten“, erläutert Herold.

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Helmut Herold, Professor für Informatik an der TH. Foto: Julia König

Mit den Benutzern der Software tritt er gerne in Kontakt. Auf die Rückmeldungen zu den Spielen gehen er und das Team ebenfalls ein. Er sagt, dass sie eine Version mit 32 Spielen hatten, diese aber zu überladen war. In der Basis Version sind nun zehn Spiele enthalten. Die Software wird auch in der langen Nacht der Wissenschaften vorgestellt. „Es bringt zwar nichts, aber die Kinder spielen da drinnen wie verrückt“, sagt Herold schmunzelnd.

 

Website des Genesis Projekts.

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