Ein kleines Museum im Schatten dreier Weltfirmen

Unscheinbar, hinter der großen, katholischen Kirche St. Magdalena liegt das kleine Stadtmuseum Herzogenaurachs. Das alte Pfründnerspital beherbergt die Ausstellung seit 2000. „Ein Pfründnerspital ist quasi der Vorgänger des Betreuten Wohnens“, erklärt die Leiterin des Museums, Irene Lederer.

 

Die Histoprikerin arbeitet seit 1999 bei der Stadt Herzogenaurach und ist für das Museum in der Schuhmacherstadt zuständig. Sie studierte Geschichte an der Universität in Erlangen. „Bevor ich gekommen bin, war ein kleiner Raum im Herzogenauracher Schloss das Museum. Alle zwei Wochen war dieser mal für Besucher geöffnet. Ich war dann dafür zuständig, ein richtiges Museum aufzubauen, welches die Geschichte der Stadt erklärt“, sagt Lederer. Man merkt, wie wichtig es ihr ist, die Geschichte über die kleine Stadt mit den drei Weltfirmen zu erzählen: „Ein Stadtmuseum ist das Gedächtnis einer Stadt.“

Eingang des Stadtmuseums. Foto: Jan Sieber

Aufbau neuer Ausstellungen und die Probleme beim Ausstellen

Das Erdgeschoss und der Keller des Fachwerkhauses stehen voller Kartons, da das Museum gerade dabei ist, eine neue Ausstellung über die 1970er-Jahre in Herzogenaurach aufzubauen. Im Jahr werden zwei bis drei Ausstellungen organisiert, allerdings nur im Keller und im Erdgeschoss. In den oberen Stockwerken findet der Besucher die dauerhafte Ausstellung über die Geschichte der Stadt. Auf den ersten Blick hat das alte Fachwerkhaus eine tolle Wirkung auf den Besucher: „Alleine das Gebäude ist schon einen Besuch wert.“ Doch Irene Lederer ist nicht zufrieden mit dem denkmalgeschützten Haus: „Man muss darauf achten, dass kein Balken beschädigt wird. Kein Bild kann neu aufgehängt werden. Im Keller kann aufgrund des Gewölbes nichts hingestellt werden. Barrierefreiheit ist schon durch die Treppen am Eingang nicht gewährleistet. Am liebsten würde ich in ein neues Gebäude ziehen.“

Bilder, Texte und Hintergründe hat sie von Zeitzeugen aus Herzogenaurach, die sie für neue Ausstellungen zusammensucht. Ihr ist es wichtig, dass sich jede Exposition ein wenig mit Herzogenaurach beschäftigt. Zum 70-jährigen Bestehen Schaefflers gab es eine Sonderausstellung. Dafür wurde eine Präsentation gemeinsam mit Schaeffler für das Stadtmuseum konzipiert. „Sofort eröffnen sich Möglichkeiten, sowohl finanziell als auch mit guten Exponaten“, schwärmt Lederer.

Bedeutung von adidas, Puma und Schaeffler

Bei der Besichtigung des Museums wird deutlich, welche Bedeutung die drei Weltfirmen für die Geschichte Herzogenaurachs haben. Es werden einige Schuhe der Firma Dassler sowie Schuhe nach der Trennung der Brüder gezeigt. Eine Nachbildung der Schuhwerkstatt ist ebenfalls ausgestellt.

Nähmaschine aus der Dassler Werkstatt. Foto: Jan Sieber

Auf die Frage, wie sich sonst die Zusammenarbeit mit Adidas und Puma gestaltet, antwortet sie: „Die beiden Firmen haben jeweils ein eigenes Firmenmuseum und unterstützen uns kaum. Durch die finanziellen Mittel können sie es auch ganz anders aufziehen. Wir haben nur eine kleine Ausstellung der beiden Firmen, die wir gern‘ erweitern würden, aber wir haben nicht die Möglichkeiten.“ Nur in Form von Spenden oder Schenkungen bekommt das Museum Artikel von den Sportherstellern.

Programme für Kinder

Ein weiterer wichtiger Aspekt für Irene Lederer ist es, viele attraktive Angebote für Kinder zu bieten, wie zum Beispiel: „Am historischen Schaeffler-Webstuhl weben lernen, Ritterrüstungen tragen auf dem Mittelalterfest. Ebenso bieten wir eine Stadtrallye an. Wegen der großen Firmen haben wir viele internationale Familien in Herzogenaurach, die mit ihren Kindern das Museum besuchen. Deshalb bieten wir unser Programm auch auf Englisch an.“ Im Gespräch mit der Leiterin wird immer wieder deutlich, wie wichtig die drei Firmen sind, jedoch sagt sie: „Mir ist es wichtig, auch die Geschichte Herzogenaurachs vor dem Bestehen der Firmen zu erzählen, welchen Einfluss die Kirche hatte oder wie das Dorfleben hier früher war. Herzogenaurach ist nicht nur adidas, Puma oder Schaeffler.“

Schaeffler-Webstuhl. Foto: Jan Sieber

Wünsche für die Zukunft

Lederer äußert auch ihre Hoffnungen für die Zukunft, so wie den oben erwähnten Umzug. „Ich wünsche mir, in ein neues Gebäude umzuziehen, in dem ich mehr Platz für neue Ausstellungen habe oder die alten zu vergrößern. Ein barrierefreies Gebäude, damit auch Seniorengruppen an einer Führung teilnehmen können. Für Gehbehinderte ist es nicht möglich, wegen der vielen Treppen das Museum zu besuchen. Ein weiterer Wunsch ist eine Zusammenarbeit mit den großen Firmen, die uns helfen könnten, schöne Ausstellungen miteinander zu konzipieren und so Besucher anzulocken. Besucher kommen ja meist zum Einkaufen oder geschäftlich nach Herzogenaurach und diese könnte man dann auch ins Museum locken.“

Steile Treppen, die für Gehbehinderte ungeeignet sind. Foto: Jan Sieber

Website des Stadtmuseums Herzogenaurach.

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