Einmal Bio dann wieder normal?

Die Finger sind schon ganz wund vom vielen Einpacken. Gerade noch eine Möhre in der Hand gehabt, schon kommt als nächstes ein Apfel. So packen die rund 100 Helfer, von denen viele Azubis sind, im „Gwächshaus“ im Knoblauchsland jedes Jahr vor Schulbeginn Vesperboxen ein.

Doch es handelt sich nicht um irgendwelche normalen Pausenpakete, sondern um die Bio-Brotboxen, die pünktlich zum ersten Schultag an insgesamt 10.600 Erstklässler in der Metropolregion Nürnberg verteilt werden. Gefüllt mit einem Pausenfrühstück in Bio-Qualität.

Die Packstation „Gwächshaus“ im Knoblauchsland   Foto: Umweltreferat Stadt Nürnberg

„Der Grundgedanke ist die Förderung einer bewussten und gesunden Ernährung von Schulkindern, die gezielt bei den Erstklässlern beginnen soll“, erzählt Dr. Werner Ebert, Projektleiter vom Referat für Umwelt und Gesundheit der Stadt Nürnberg. Im vergangenen Jahr 2017 haben sich 68 Schulen mit 4.921 ABC-Schützen an der Initiative beteiligt. Unternehmer und Akteure aus der Bio-Branche sowie aus der Initiative BioMetropole hatten 2005 die Idee, Erstklässlern gesundes Essen anzubieten. Seitdem wurden rund 150.000 Boxen mit Bio-Lebensmitteln verteilt. Bis heute sind deutschlandweit rund 75 Bio-Brotbox-Initiativen entstanden, die mit ihren jährlichen Aktionen ein gesundes Pausenfrühstück für mehr als ein Viertel aller Schulanfänger in Deutschland erreichen.

Das Bewusstsein für die richtige Ernährung schaffen

Laut dem Referat für Umwelt und Gesundheit Nürnberg geht jedes dritte Kind ohne die morgendliche Mahlzeit aus dem Haus. Es ist eine große Aufgabe für Bio-Brotbox-Aktion, ein Bewusstsein der eigenen Ernährung aufzubauen und langfristig zu festigen.
Der Projektleiter des Referats erklärt dazu: „Gerade wenn die Vesper morgens nicht eingepackt wird, fehlen den Kindern neben dem Pausenbrot wichtige Nährstoffe, die sie über den Tag verteilt für das Lernen benötigen.”

Um den Schulanfängern dieses Bewusstsein beizubringen, kommen Landwirte oder Bäcker aber auch Studenten mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit in die Klassenräume. In zwei Lehrveranstaltungen sitzen so die Kinder mit den Biobotschaftern zusammen und beschäftigen sich mit dem Thema Ernährung. „Diese Botschafter erklären den Kindern, was gesund ist und was bio heißt”, sagt Dr. Barbara Heinze aus der Informationsstelle Bio-Brotbox Initiative. Mit dem Slogan „Bio macht Schule” werden die Kinder spielerisch mit einem gemeinsamen Frühstück auf ihre Ernährung aufmerksam gemacht. Im Fokus steht dabei, den Wert einer gesunden Ernährung zu verstehen.

Besonders eine langfristige gute Ernährung ist bei den jungen Schülern wichtig. Barbara Heinze erzählt: “Die Schulen nutzen jährlich die Aktion, um das Thema Bio und gesunde Ernährung immer wieder zu behandeln.” Die Initiative setzt vor allem auf die Eltern und auch die Lehrer, damit die Brotbox nicht vergessen wird. „Einige Institutionen machen deshalb eine Evaluierung, die dann gezielt Nachfragen und auch Rückmeldungen zur Box selbst von den Kindern, den Eltern und auch den Lehrern sammeln”, erklärt die Pressesprecherin. „Die gelbe Box, die die Kinder mit nach Hause bringen, soll in Zukunft jeden Tag daran erinnern, wieder gefüllt zu werden.”
Das Füllen der Box mit Gesundem passiert allerdings nicht bei jedem Kind. Obwohl laut Werner Ebert in Kitas der Bio-Anteil bei knapp 50 Prozent liegt, klagt der Projektleiter vor allem in Schulen über die schlechte Quote von gerade einmal 20 Prozent: „Die Eltern der Schüler wollen im Gegensatz zu den Eltern Kinder in Kitas nicht mehr Geld für Bio-Essen ausgeben.“ Das ist ein Hindernis für die Bio-Box-Aktion.

Bio-Boxen für die Schulanfänger

Nicht nur das Essen ist bei dieser Initiative gesund und nachhaltig. Die Brotboxen sind aus einem robusten Material und zudem auch noch recycelbar. „Die Boxen sind in Deutschland hergestellt von der Firma Buchsteiner, zertifiziert und damit absolut für Lebensmittel geeignet”, sagt Barbara Heinze.

Die Bio-Brotbox    Foto: Bio-Brotbox Initiative

Doch die Brotdosen kommen nicht nur bei den Erstklässlern gut an: „Die Boxen sind nämlich sehr nachhaltig. Wir haben schon oft von Eltern gehört, dass die Kinder die noch nach zehn Jahren benutzen”, erzählt Heinze. So bleibt die Brotboxaktion auch langfristig in den Köpfen nach der Austeilung im ersten Schuljahr.

Schon landet die nächste grüne Kiste mit frischen Äpfeln auf dem Packtisch. Die Lebensmittel stammen von Initiatoren, wie Biobauern, Bioläden und Bäckern aus der Region Nürnbergs, die dieses Projekt mit ihrem Obst oder Gemüse aber auch mit Spenden ermöglichen. Dass hinter dieser Aktion eine Menge Arbeit steckt, zeigt besonders die Packaktion. Die Helfer ordnen reihenweise in jeder Box Brotscheiben, Müsliriegel, Karotten, Äpfel, Teebeutel, einen pflanzlichen Aufstrich im Glas, eine Serviette zusammen mit kleinen Bildchen und einem zugehörigen Info-Spiel an, die den Kindern Wissenswertes zu ihrem Essen nahebringen sollen. Die Brotdosen werden dann in großen Kartons geschlichtet und für den Transport zu den jeweiligen Schulen luftdicht verschlossen, bevor sie an die einzelnen Schulen verteilt werden.

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