Elektronische Bibliotheken wachsen

Bücher reihen sich an Bücher. Eine ganze Wand in Felix Wohnzimmer besteht aus einem einzigen Regal. Einer Bibliothek gleich ist dort fast alles zu finden. Trotzdem steht der Student jede Woche davor und findet nichts zu lesen – er hat…

Bücher reihen sich an Bücher. Eine ganze Wand in Felix Wohnzimmer besteht aus einem einzigen Regal. Einer Bibliothek gleich ist dort fast alles zu finden. Trotzdem steht der Student jede Woche davor und findet nichts zu lesen – er hat schon alles durch. Immer öfter greift er in eine Schublade und zieht ein kleines Gerät heraus – einen E-Book-Reader. Er hat kaum Platz für weitere Bücher und so hat er sich ein elektrisches Bücherregal angeschafft. Immer mehr Bücher werden digitalisiert. Seit der Jahrtausendwende werden Bücher verstärkt als elektronische Bücher – sogenannte E-Books – angeboten.

Wie Felix hat sich ein Großteil der Bevölkerung ein Lesegerät oder auch E-Reader für E-Books gekauft. Von 2011 auf 2012 hat sich der Verkauf an E-Readern vervierfacht und bei den E-Books verdreifacht. „Habe mir erst vor ein paar Wochen einen Kindle gekauft. Das Ding ist ein halber Tablet PC“, sagt Student Oliver Nitzsche. Verstärkt werden für das Lesen auch Tablet-Pc´s und Smartphones oder Laptops verwendet – da die Geräte vielseitig nutzbar sind und das Smartphone ist sowieso immer dabei. Damit wird die Nachfrage nach den E-Books immer größer und die Zahl der Bücher nimmt zu. Buchläden, wie Hugendubel, Weltbild und Thalia, haben daher ihr Sortiment auf den heutigen Buchmarkt umgestellt und ihren Online Shop ausgebaut. „Ab und an kommen Fragen, ob und wo man ein bestimmtes Buch als E-Book erwerben kann“ erzählt Autor Peter Bunt.

E-Books sind aber auch praktisch. Studenten nutzen diese Technik sehr gerne. Sie müssen keine schweren Bücher mit in die Hochschule oder die Uni schleppen und ihre Skripte haben sie auch schnell zur Hand. Denn der Reader kann EPUB- und PDF-Dateien lesen. Elektronische Bücher im EPUB-Format erlauben eine dynamische Anpassung der Texte an die Bildschirmgröße. PDF´s werden im Gegensatz dazu wie im gedruckten Buch angezeigt. Aber nicht nur für Studenten sind die E-Books praktisch. Da nur das kleine Gerät benötigt wird, können auf Reisen gleich an die 1400 Bücher – oder mehr – mitgenommen werden. Das hängt ganz vom Speicher ab. Klarer Vorteil aber: die Reisetasche oder der Koffer werden nicht schwerer.

Die meisten Autoren der heutigen Zeit verkaufen ihre Bücher seit 2010 als E-Books. Nach und nach werden sie digitalisiert. Nina Blazon, Autorin von Ascheherz und Totenbraut, verkauft vorwiegend noch als Printausgaben– da es sich meist um Kinderbücher handelt: „die Eltern meiner Leser stammen ja meist noch aus meiner Generation.“ Die Bücher von Rebecca Gablé sind bereits fast alle als digitale Version erhältlich: „Nur meine Krimis gibt es noch nicht als E-Books, sie sollen aber bald folgen.“ Peter Bunt kann bereits jetzt alle seine Bücher auch digital verkaufen. Die E-Books machen aber einen eher kleineren Teil aus.

Doch noch mehr als die Hälfte von 2000 befragten Internetnutzern aus Deutschland sträubt sich gegen die E-Books und will auch in Zukunft nichts davon wissen. Ein viertel hat es in naher Zukunft vor. Lediglich 14% nutzte 2012 nach der Befragung von Goldmedia E-Reader und die dazugehörigen Bücher. Das sind noch relativ wenig.Trotzdem sehen Nina Blazon und Rebecca Gablé die Zukunft der E-Books eher rosig. „Die Jüngeren sind mit Computern aufgewachsen, die Arbeitswelt verändert sich, die Menschen müssen immer flexibler sein“, deutet Blazon auf den Generationsunterschied hin. „Das E-Book wird […] das Taschenbuch auf Dauer verdrängen. Es wird neue Mischformen aus Buch plus Video oder Buch plus Zusatzinhalte […] hervorbringen“, führt Gablé weiter aus. Rebecca Gablé hegt dennoch auch leichte Zweifel: „Von den E-Books, die aus dem Netz geladen werden, sind ca. 60 bis 80% illegale Downloads, an denen weder Verlage noch Autoren einen Cent verdienen. Wenn sich diese Abgreifer-Gewohnheiten nicht ändern, werden Verlage Pleite machen.“

Frank Schulze, Geschäftsinhaber Kösel Media GmbH, denkt jedoch noch gar nicht daran: „Deutschland hinkt dem Markt noch etwas hinterher“, dabei vergleicht er den deutschen Markt mit den USA. Rebecca Gablé sieht es genauso: „Das E-Book wird, wie in den USA schon in Ansätzen erkennbar, das Taschenbuch auf Dauer verdrängen.“ Es ist jedoch nicht nur der Wandel, dass bestehende Bücher immer weiter digitalisiert werden. Der Buchmarkt vergrößert sich auch durch den Wandel. Viele unbekannte Autoren können ohne Verlag ihre Bücher unter die Menschen bringen. Sie verkaufen sie im Selbstverlag als E-Books. Damit wächst der Markt an den elektronischen Büchern stetig, doch der Überblick schwindet. Für bestehende Autoren wird es so immer schwieriger ihre eigenen – noch gedruckten – Bücher zu vermarkten.

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