#Erlangenshots2017- Stadtimpression einer digitalen Gemeinde

Eine Schwarzweiß-Fotografie aufgenommen bei Nacht. Sie zeigt den Rand einer Mauer etwas weiter im Hintergrund: Häuser, Laternen und eine Straße.

Trotz der Wahl eines etwas düsteren Motivs wirkt das Bild nicht finster, eher ein wenig melancholisch. Oder liegt das vielleicht doch nur am Filter? „Wo ist das denn?“, wundert sich eine Ausstellungsbesucherin. Auch der nette, ältere Herr im Karojackett muss zweimal hinsehen, bevor er erklärt, dass das Bild in der Altstadt von Erlangen „Am Saugraben“ aufgenommen wurde, genauer gesagt in der Nördlichen Stadtmauerstraße. Dort befinden sich die letzten Überreste der Stadtmauer. Ein Ort mit Geschichte, aber wahrscheinlich von vielen Bürgern nicht bewusst wahrgenommen.

Plakat der Ausstellung. Foto: Nadja Kraus

Bereits zum zweiten Mal ist in der Erlanger Stadtbibliothek die Ausstellung #Erlangenshots eröffnet worden. Die von Instagram begeisterten Einwohner der Region hatten im Vorfeld die Möglichkeit, Bilder unter dem Hashtag #Erlangenshots17 auf ihrem Account zu posten, und mit etwas Glück von der Jury ausgewählt zu werden, diese auszustellen. Stephan Sachs, selbst ein überzeugter Nutzer der Plattform, wohnt seit 39 Jahren in Erlangen. Als Jury-Mitglied war sein Hauptkriterium: „Zeige mir was Neues in einer Stadt, die ich schon sehr gut kenne.“ Ob die Bilder mit der Handykamera oder während eines Profishootings aufgenommen wurden, spielte keine Rolle. Bei der Entscheidung ging es mehr um die Aussagekraft des Motivs.

 

 

4300 Bilder unter #Erlangenshots17

Schon im Eingangsbereich des barocken Gebäudes tummeln sich die Besucher. Der Ort, an dem sonst eine ruhige Atmosphäre herrscht, wird zu einem Veranstaltungsort mit abwechslungsreicher Geräuschkulisse und heiteren Gesprächen. Aus den Lautsprechern ertönen Jennifer Rostock, Deichkind und Fanta4. Viele der Fotografen sind anwesend und geben bereitwillig Auskunft zu ihren Bildern. Ein zusätzliches Highlight für viele Instagram-User ist vor allem das Treffen der Community. Viele hatten zum ersten Mal die Möglichkeit, das Gesicht hinter den Bildern kennenzulernen.

 

Bilder der Ausstellung. Foto: Nadja Kraus

Auch der Organisator Christian Wolff wirkt zufrieden und gut gelaunt. Sein Ziel, den Besuchern zu zeigen, „dass Erlangen viel mehr zu bieten hat“, ist auf jeden Fall erreicht. 4300 Bilder kamen den Organisatoren der Ausstellung über den Instagram Hashtag #Erlangenshots17 zu. „Das sind viel mehr als im letzten Jahr“, sagt Wolff. Auch die Besucherzahlen sind in diesem Jahr angestiegen. Das bunt gemischte Publikum aus fleißigen Instagramern und neugierigen Erlangern sowie dem ein oder anderen Touristen, ist begeistert. Viola Mierisch, ehemalige Erlangerin, ist fasziniert von der Vielfalt der Bilder: „ Ich habe hier sechs Jahre gewohnt, aber manche Orte habe ich auch noch nie bewusst wahrgenommen. Es ist so ein cooles Event! Man bekommt wirklich einen ganz neuen Blick auf Erlangen.“ Wolff wollte als Mitveranstalter der Web Week eine Veranstaltung schaffen, die nicht nur für Technik-Nerds interessant ist, sondern auch ganz digitale Neulinge anspricht. Das er gleichzeitig auch die Möglichkeit nutzen kann, seine Heimatstadt zu präsentieren, erweist sich als kluger Schachzug im Bereich Stadtmarketing.

 

Stadtbesichtigung mit Instagramern

Begleitend zur Ausstellung werden in den kommenden Wochen einige Instawalks durch Erlangen stattfinden. Dabei haben die Teilnehmer selbst die Chance, die unterschiedlichen Eindrücke der Stadt festzuhalten und sich für das nächste Auswahlverfahren der #Erlangenshots inspirieren zu lassen. Wolff ist der Ansicht, dass durch den Instawalk auch die Erlanger Instagram-Community noch stärker zusammenwächst: „Man trifft spannende Leute und lernt sich untereinander besser kennen.“ Auch Neulinge sind herzlich willkommen und können sich den einen oder anderen Tipp von einem der eingefleischten Instagram-Nutzer geben lassen.

 

 

Interview mit fischimglas

 

Stephan Sachs mit Familie. Foto: Nadja Kraus

fischimglas ist der Name, den Stephan Sachs seinem Instagram-Account gegeben hat. Als Jury-Mitglied der #Erlangenshots17 nimmt er an der Ausstellungseröffnung. Von ihm hängt auch ein Bild an den Wänden der Stadtbibliothek Erlangen. Er hat seine Familie mitgebracht und eine Menge guter Laune. Trotz des ganzen Trubels findet der leidenschaftliche Fotograf die Zeit, ein paar Fragen zu beantworten.

Wie fühlt es sich an, dein Bild hier und heute in der Ausstellung zu betrachten?

Es ist natürlich ein Supergefühl, so eine positive Reaktion auf mein Foto zu bekommen, und bei dem, was man liebt und gerne macht, so unterstützt zu werden. Teil der Ausstellung zu sein, bedeutet mir sehr viel. Im letzten Jahr habe ich sogar ein paar neue Follower gewonnen.

Was postest du noch auf deinem Account?

Stepan Sachs‘ Beitrag zur Ausstellung. Foto: @fischimglas

Ich mag Bilder, die eine Geschichte erzählen, aber auch Schnappschüsse und Alltagssituationen. Im Großen und Ganzen bastle ich mit meinem Instagram-Account, wenn man so will, ein Portfolio der Zeit meines Lebens, in der ich den Service nutze. Halte Freunde und Bekannte auf dem Laufenden und bevor ich viel texte, gibt es eben ein Bild.

Welchen Stellenwert hat Instagram in deinem Alltag?

Früher habe ich häufig ein bis zwei Bilder am Tag gepostet. Heute steht vor allem meine Familie im Vordergrund und meine Postings beschränken sich eher auf drei bis vier Bilder pro Woche.

 

Was begeistert dich an Instagram?

Mich begeistert die Vielfalt der Blickweisen auf Dinge und deren Umsetzung, aber vor allem, dass es nie langweilig wird. Die Menschen geben sich auf Instagram mehr Mühe als zum Beispiel auf Facebook.

Nutzt du auch andere Social Media-Plattformen so intensiv wie Instagram?

Natürlich! Twitter noch mehr als Instagram. Ich habe meine Frau da kennengelernt, weil ich einen Tweet schrieb, in dem ich ein Lächeln verschenkte. Sie hat es genommen und zurückgelächelt. Verrückte Geschichte, aber eine der besten!

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