Evolution von Räuber und Gendarm

„Genieße es, bevor es wieder cool wird. Sagen wir in zwei Monaten. […] Und unterschätze nie einen Zwölfjährigen!“ sagte Barney hinter einer Deckung wartend zu seinem weiblichen Mitspieler Robin, bevor er sich mit ihr wieder ins Gefecht stürzte um mit…

„Genieße es, bevor es wieder cool wird. Sagen wir in zwei Monaten. […] Und unterschätze nie einen Zwölfjährigen!“ sagte Barney hinter einer Deckung wartend zu seinem weiblichen Mitspieler Robin, bevor er sich mit ihr wieder ins Gefecht stürzte um mit seiner Laserwaffe bewaffnet Punkte zu sammeln. Die Szene spielte sich in der Serie „How i met your mother“ ab, einer in den USA und Deutschland erfolgreichen US-Sitcom. Barney Stinson, gespielt von Neil Patrick Harris, wird als einer der wichtigsten Charaktere der Serie mit Leidenschaft für Frauen, einem guten Scotch Whiskey und das Teamspiel Lasertag beschrieben. Dabei wird in der Serie das Spiel eher von Kindern und Jugendlichen frequentiert.

Es dauerte nicht lange bis der fiktive Charakter recht behalten sollte. Reihenweise eröffneten in den letzten Jahren viele Arenen und Hallen, in denen die Technik mit dem Infrarot-Markierer genutzt werden kann. Vermutlich hat der Erfolg der Serie auch mit Schuld, dass sich für das Spiel, bei dem üblicherweise zwei Teams gegeneinander um Punkte spielen, immer mehr Anhänger in Deutschland finden.

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Barney und Robin spielen Lasertag in der Serie „How i met your mother“ Quelle: wikia.com

Technische Entwicklungen wie das Internet oder GPS hatten ihren Ursprung in der militärischen Entwicklung und Nutzung. So auch das Lasertag Spiel, was im Jahre 1980 zuerst unter dem Namen Multible Integrated Laser Engagement System, kurz „MILES“, für eine nicht letale Gefechtssimulation durch die US-Army entwickelt wurde. Der Vorteil war dabei, neben der Vermeidung physischer Einwirkung durch Geschosse, eine computergestützte strategische Auswertung des Kampfverlaufs. Nachdem diese Technik auch Ende der 90er Jahre ihren Einzug in die zivile Gesellschaft vollzog, kamen die bereits genannten Vorteile aber auch Bedenken und Vorurteile zu tragen.

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Westen mit Sensoren, mit denen die Treffer gezählt werden. Für jedes Team gibt es eine Farbe. Blau und Orange – ActionPark Nürnberg Foto: Neutrum.org

Trotz des Ursprungs im Militär sehen die Beitreiber der Arenen, die Veranstalter der Turniere als auch die Spieler unisono eine klare Distanz zum militärischen Hintergrund.
„Stumpfes rumballern funktioniert nicht“ sagt der 29 Jahre alte Alexander Grupa und betont ausdrücklich die Teamleistung, die erbracht werden muss, um ein Spiel zu gewinnen. Grupa betreut zusammen mit dem zwei Jahre jüngeren Markus Mischak den erst seit Dezember 2013 bestehenden ActionPark in Nürnberg. „Es gewinnt nicht, wer nur gut zielen kann. Auch die Absprache im Team ist wichtig.“ Eine zusätzliche Funktion, die das Equipment bietet, ist der sogenannte Heilschuss, ein zweiter Knopf am Gewehr mit dem man seine Teamkameraden wieder ins Leben zurückholen kann. Diese Möglichkeit verstärkt laut Grupa und den Spielern die gemeinsame Erfahrung und den Zusammenhalt und gibt dem Spiel eine ganz neue Dynamik.

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Deckung suchen und die Bewegungen des Gegners aufklären sind Grundlegende Taktiken im Spiel – ActionPark Nürnberg Foto: Neutrum.org

Auf einer Gesamtfläche von 1.800 Quadratmetern erstreckt sich das Areal in Nürnberg. Den Spielern stehen dabei zwei Arenen unterschiedlicher Szenarien zur Verfügung. Die kleinere Fläche, das Labyrinth, bietet mehrere verschachtelte Gänge, während die größere die Atmosphäre einer Westernstadt vermitteln soll. Diese besitzt sogar einen extra Raum, der gerne von Firmen für Betriebsausflüge und Teambuilding Trainings genutzt wird. Von hier lässt sich auch ungestört das Spielgeschehen verfolgen.
Die Familienfreundlichkeit des Spiels ist für die Betreiber eine wichtige Komponente. So kann das Spiel ganz ohne zusätzliche Schutzausrüstung gespielt werden, da anders als bei den bekannteren Sportarten Paintball und Softair keine Projektile verschossen werden. So kann man auch in Alltagskleidung die Hallen betreten. Sportkleidung empfiehlt Alexander Grupa trotzdem, denn: „man kommt in den 20 Minuten ganz schön ins Schwitzen“. Der Gesetzgeber unterstreicht diese Vorgehensweise, so ist nach einer Prüfung das Lasergame in Deutschland als ungefährlich eingestuft und damit grundsätzlich und für jedes Alter erlaubt. Im Action Park Nürnberg ist der Einlass allerdings erst ab Zwölf Jahren erlaubt.

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Ausgabe der Phaser an die Spieler – ActionPark Nürnberg Foto: Neutrum.org

Anders als der Name vermuten lässt, werden nur bei einigen Systemen am Markt tatsächlich Laser benutzt. Diese entsprechen aber der Laserklasse Eins und sind damit für das Auge ungefährlich. Verbreiteter ist das Infrarot-Gewehr, auch Phaser genannt, das ähnlich wie die Fernbedienung eines Fernsehers funktioniert. Die Empfänger befinden sich bei beiden Systemen an den Westen im Brustbereich an Bauch und Rücken. Unterschiedliche Hersteller bieten noch Varianten mit Empfängern an den Schultern und auch Stirnbänder mit zusätzlichen Sensoren an. Die Waffen ähneln auch keinen Kriegswaffen sondern könnten eher das futuristische Konstrukt eines Science Fiction Filmes aus den 70ern sein.
Mischak und Grupa verzichten im ActionPark bewusst auf künstlichen Nebel und zusätzliche Lichteffekte. Lediglich zwei unterschiedlich beleuchtete Ecken markieren die Startpunkte der Teams. Etwas anders gestaltet sich das Konzept der Laserarena in Weiden. Die Halle ist etwas kleiner, dafür sollen Nebel und Effektbeleuchtung für Atmosphäre und gelegentliche Verwirrung sorgen. Hintergrundmusik unterstreicht in beiden Arenen die Stimmung, welche auch von den Besuchern selbst gewählt und mitgebracht werden kann. So kommt es vor, dass eine Gruppe passionierter Gamer gerne zur Musik der von ihnen favorisierten Ego-Shooter Spiele gegeneinander antreten.

Wie die Computerspiele so haben auch die Laserspiele mit dem Vorwurf zu kämpfen, Krieg zu verherrlichen und Gefechtssimulatoren zu sein. Dieses mittlerweile alte Vorurteil basiert auf einem Generationskonflikt und ist oft auch einer dilettantischen und polemisierenden Berichterstattung der Boulevardmedien geschuldet. In den letzten Jahren, seitdem die spielende Generation auch zu Erwachsenen herangewachsen ist und sich sogar in den Vorständen der Firmen, in der Politik und in Gremien wiederfindet, hat diese Debatte allerdings stark nachgelassen. Auch in Weiden und Nürnberg steht nicht der von den Gegnern neuer Freizeitaktivitäten so vielbeschworene Kampf im Mittelpunkt, sondern die Möglichkeit seine Zeit mit Freunden zu verbringen. Die Zielgruppe geht dabei von Geburtstagen Jugendlicher über Junggesellen-Abschiedsfeiern und Betriebsausflügen bis hin zu rüstigen Rentnern, die sich die Westen anschnallen und auf Jagd gehen. Den Besuchern ist dabei wichtiger sich vor, zwischen und nach den Runden zusammensitzen zu können und ein gemeinsames Erlebnis zu haben. Einen Unterschied zu anderen sportlichen Aktivitäten, die gemeinsam ausgeübt werden, sehen die befragten Spieler dabei nicht. Gerne wird aber diskutiert, wie man das eigene Spiel und das strategische Verhalten im Team verbessern kann. Auch was die Technik noch für Möglichkeiten bieten könnte, um mehr Anspruch an die Erfahrung der Spieler zu stellen, ist ein beliebtes und viel diskutiertes Thema.

Die Hersteller der Systeme konkurrieren dabei untereinander. So sind einige Varianten auch für den Outdoor-Einsatz tauglich. Was nach Deutschen Recht nur auf einem von Öffentlichen Plätzen abgegrenzten Bereich stattfinden darf. Auch zusätzliche elektronische Gadgets, wie zum Beispiel kleine Kisten mit Power-Ups, die zusätzlich Leben oder Munition geben, bereichern die Spielvarianz.
Die elektronische Verarbeitung ermöglicht auch eine Vielzahl an Einstellungen um den Schwierigkeitsgrad entsprechend anzupassen. Von unendlich Leben bis zu einer geringen Anzahl an Treffern, die man pro Spiel kassieren darf. Auch Schilde, ein sogenannter „Stealth-Modus“, der die Beleuchtung der Westen deaktiviert oder die Aufteilung in mehr als zwei Teams ist, je nach Hersteller, oft nur eine Frage der Software.

Die Bandbreite der Möglichkeiten beflügelt auch die Phantasie der Spieler. Es kämpfen Captain Kirk und die Crew der Enterprise mit ihren Phasern gegen angreifende Klingonen oder andere außerirdische Spezies. Auch ganze Schlachten in dystopischen postapokalyptischen Szenarien werden gerne von Live Action Roleplay Gamern, einer Untergruppe der klassischen Rollenspieler, mit Hilfe der Systeme simuliert und in eine fiktive Geschichte eingebettet.

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Teamspiel im Westernszenario im ActionPark Nürnberg Foto: Neutrum.org

Gerade in den USA ist diese Möglichkeit der Erweiterung des Spielvergnügens seit aufkommen des Lasertag beliebt. Der Wettkampf selbst hat auf der anderen Seite des Atlantiks bereits eine professionelle Form angenommen. Große Turniere in denen Mannschaften mit festen Regeln gegeneinander antreten, sowie Vereinigungen wie die International Laser Tag Association existieren bereits seit mehr als Zehn Jahren.

Mittlerweile befindet sich in fast jeder deutschen Großstadt ein oder mehrere Arenen in denen gespielt werden kann. Teilweise entstehen ganze Ketten. Auch in den ländlicheren Gegenden findet sich, je nach Lage, eine Lasertag Halle. So auch im niederbayerischen Straubing mit gerade einmal rund 40.000 Einwohnern. Dennoch sind die Verhältnisse noch lange nicht so, wie auf der anderen Seite des großen Teiches, auch wenn Barney Stinson zu seinem Kumpel Ted in einer Folge von „how i met your mother“ im englischen Original sagte: „How´s not playing Lasertag? Because Lasertag is awesome!“. Die Frage nach Akzeptanz in der Gesellschaft ist nach wie vor offen. Dabei ist es gut, dass eine Debatte geführt wird, und die Gesellschaft eines Landes den Themen Krieg und Waffen generell kritisch gegenübersteht. Nur sollte sie dabei nicht in pauschalen Urteilen verfallen.

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