Fitnessarmbänder: Was wirklich zählt

Kathrin Gegel hebt stolz den Arm. Ein kleines unscheinbares Bändchen ist an ihrem Handgelenk befestigt, einer Uhr gar nicht unähnlich. „Ich benutze dieses Fitnessarmband jetzt seit zwei Monaten und bin wirklich zufrieden damit“, sagt Kathrin. „Es fällt mir damit viel…

Kathrin Gegel hebt stolz den Arm. Ein kleines unscheinbares Bändchen ist an ihrem Handgelenk befestigt, einer Uhr gar nicht unähnlich. „Ich benutze dieses Fitnessarmband jetzt seit zwei Monaten und bin wirklich zufrieden damit“, sagt Kathrin. „Es fällt mir damit viel leichter, mich über längere Zeit zu motivieren.“
Kathrin ist nicht die Einzige, die sich in letzter Zeit entschlossen hat, ihre tägliche Bewegung zu überwachen. 150 Minuten pro Woche sieht die Weltgesundheitsorganisation vor, um das Herz-Kreislaufsystem zu stärken und Krankheiten vorzubeugen. Inzwischen benutzen mehr als 18 Prozent aller Bundesbürger ein Fitnessarmband, um sportliche Aktivitäten festzuhalten und damit ihre Schritte zu zählen, den Kalorienverbrauch zu messen oder ihren Puls immer im Blick zu haben. Via Smartphone und der entsprechenden App können Veränderungen mit farbigen Balken- oder Liniendiagrammen jederzeit sichtbar gemacht werden.

Fitness-Armbänder als ständige Begleiter bei sportlichen AktivitätenFoto: Techniker Krankenkasse

Fitness-Armbänder als ständige Begleiter bei sportlichen Aktivitäten        Quelle: Techniker Krankenkasse

„Das ist doch Unsinn“, entgegnet Sebastian Rahm und verzieht das Gesicht. Der Triathlet hat zuvor seinen täglichen Lauf um den Ingolstädter Baggersee hinter sich gebracht und blickt etwas spöttisch auf die Anzeige des Fitnessarmbands, das er sich vor dem Lauf umgebunden hat. Es zeigt eine Strecke von 26 Kilometern an. „Ich bin sechs Mal um den See gelaufen, eine Runde sind 5,3 Kilometer.“ Er legte damit also mehr als 30 km zurück. Warum zeigt das Armband aber eine viel kürzere Distanz an?

Automatische Messfehler

Das Geheimnis liegt in dem Armband. Es ist mit einem Beschleunigungssensor ausgestattet, der ebenfalls in Airbags eingebaut wird. Er misst 2000 Mal pro Sekunde die Beschleunigung und ist in der Lage, horizontale sowie vertikale Bewegungen zu erfassen. Zugleich nehmen Gyroskop-Sensoren die Rotationen war. „Die Basis bilden die Sensoren, entscheidend sind jedoch auch die Algorithmen, die das Fitnessarmband verwendet“, erklärt Lukas Riedersberger, Informatiker an der Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.
„Die Software ermittelt anhand von Gewicht, Größe, Alter, Geschlecht und Schrittlänge die Anzahl der Schritte und die zurückgelegte Distanz. Da aber jeder Mensch unterschiedliche Schrittlängen hat und nicht jeder Schritt gleich lang ist, kommt es zu Messfehlern“, verdeutlicht Riedersberger. Wenn nun also die Schrittlänge von Sebastian länger ist als die errechnete Schrittlänge des Armbands und er zusätzlich beim Laufen weiter ausschreitet, ist die falsch ermittelte Strecke nicht verwunderlich.
Daten, die von den Armbändern ausgewertet werden, sind also bei Weitem nicht repräsentativ. Die Iowa State University hat anhand einer Studie geprüft, wie genau die Messwerte von tatsächlichen Werten abweichen. Dabei wurden mehrere Fitnessarmbänder von unterschiedlichen Herstellern getestet. Die Abweichungen bewegten sich im Bereich zwischen 15 Prozent und drei Prozent.
„Es wäre natürlich möglich, das Armband direkt mit dem GPS des Smartphones zu kombinieren. Dadurch kann die zurückgelegte Strecke genauer ermittelt werden“, schlägt Riedersberger vor. „In manchen Fitnessarmbändern ist dies bereits integriert, doch ist es schwer, eine stetige GPS-Verbindung aufrechtzuerhalten.“
Welchen Vorteil würde das Armband damit noch bieten? „Wenn man die Schritte wirklich genau ermitteln wollte, müsste man zusätzlich zwei Bändchen mit Sensoren an jedem Bein anbringen, um die Länge bei jedem Schritt bestimmen zu können.“

Die Schrittlängen sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich lang

Die Schrittlängen sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich lang

Motivation statt Messgenauigkeit

Kathrin blickt auf ihr Armband. Entmutigt sieht sie nicht aus. „Natürlich ist das Armband nicht zu 100 Prozent genau. Mir geht es jedoch weniger um die Genauigkeit als um die Motivation, die ich habe, seit ich das Armband benutze. Tägliche Vergleiche kann ich immer noch daraus ziehen, auch wenn sie nicht exakt der Realität entsprechen.“ Nicht nur Kathrin vertritt diese Meinung. 65 Prozent, die einen Trainingsbegleiter nutzen, geht es darum, Fortschritte und Trainingserfolge zu beobachten und zu dokumentieren. „Schlussendlich ist es nicht nur eine Sache des Körpers sondern vielmehr des Kopfes.“

 

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