Fortbewegung 3.0 – Elektroautos nehmen Fahrt auf

Nürnberg/Lauf a. d. Pegnitz – Leise und umweltschonende Fortbewegung kombiniert mit Fahrspaß und ausreichender Motorenleistung – Elektrofahrzeuge standen auch bei der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt im Fokus. Die Alternative zu den konventionellen Diesel- und Benzinfahrzeugen soll in naher…

Nürnberg/Lauf a. d. Pegnitz – Leise und umweltschonende Fortbewegung kombiniert mit Fahrspaß und ausreichender Motorenleistung – Elektrofahrzeuge standen auch bei der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt im Fokus. Die Alternative zu den konventionellen Diesel- und Benzinfahrzeugen soll in naher Zukunft den Automarkt revolutionieren. Das rein elektrisch angetriebene Modell i3 von BMW zeigt erste Erfolge langer Entwicklungsarbeit. Der Automobilhersteller hat zudem ein ökonomisch und ökologisch nachhaltiges Konzept von der Produktion bis zum Recycling entwickelt.

Die Ampel schaltet auf Grün. Wie ein Raumschiff startet der Kleinwagen auf der Bundesstraße 14 von Lauf in Richtung Hersbruck. Die ruckartigen Bewegungen beim Beschleunigen sowie ein Motorengeräusch bleiben aus. Dennoch fährt ein Auto auf der Straße. Es fühlt sich so an, als würde das Elektroauto über dem Asphalt schweben. ,,Fahrspaß pur und eine außergewöhnliche Fahrdynamik!’’ , schildert Frank Geldner. Er unternimmt heute eine Probefahrt mit dem Elektroauto i3. ,,Es ist leider nicht sehr einfach, eine Probefahrt mit dem i3 zu vereinbaren, deshalb freue ich mich, dass ich heute die einmalige Gelegenheit bekomme, ein E-Auto auf Herz und Nieren zu testen’’, erzählt Geldner stolz.

Das neue Modell BMW i3 steht für Nachhaltigkeit, urbane Mobilität der Zukunft und eine wiederverwendbare Konstruktion des Fahrzeuges. Laut Max Giseler, BMW Verkaufsberater im Autohaus Friedrich in Lauf, ist der i3 nicht einfach nur ein neues Modell. Die Karosserie der i-Serie wird von einem nachhaltigen und innovativen Konzept getragen. Die BMW i3-Modelle werden mit Hilfe von Windenergie und Wasserkraft produziert. ,,Das Konzept ist eine Philosophie und diese Philosophie beginnt bei der Entwicklung und endet im Recycling’’, beschreibt der BMW Mitarbeiter eloquent die neue Technologie. Das neue Modell wird in Leipzig produziert. ,,Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Automobilherstellern: BMW fängt immer mit dem Motor als Herz der Karosserie an und baut anschließend das Chassis herum’’, erklärt Giseler. Ein weiterer tragender Faktor des BMW i-Konzeptes: Alle Fahrzeugteile werden intern entwickelt und hergestellt. Nur die Batteriezellen liefert Samsung.

Nichts für Vielfahrer

Die Fahrt auf der Bundestrasse 14 verläuft geräuschlos. Geldner sieht kritisch auf die Batterieanzeige. Nur noch 30 Prozent Akkustatus und die Probefahrt dauert noch über eine Stunde. ,,Für mich als Viel-Fahrer und Pendler nach Frankfurt oder Bonn kommt ein Elektroauto derzeit nicht in Frage’’, stellt Geldner fest. Giseler bestätigt: ,,Ein Fahrzeug für weite Strecken ist der BMW i3 sicherlich nicht. Wer aber jeden Tag nach Nürnberg pendelt, für den ist ein E-Auto eine reizvolle Alternative.’’

Die Aversion vieler Bürger hängt vor allem von der geringen Reichweite mit einem E-Auto ab. Schon vor über hundert Jahren waren Elektroautos auf dem Markt. Leider mussten die innovativen Kraftfahrzeuge für die Verbrennungsmotoren das Feld räumen. Der Hauptgrund war derselbe wie heute: die Reichweite und die hohen Anschaffungskosten. Der BMW i3 startet mit einem stolzen Grundpreis von knapp 35.000 Euro. Geldners Testfahrzeug kostet sogar 45.000 Euro.

Die Fahrt wird fortgesetzt. Der Weg von Reichenschwand zurück zum Autohaus Friedrich in Lauf wird durch den einsetzenden Regen nur geringfügig beeinflusst. Der Wagen beschleunigt in 7,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Auf den ersten Metern lässt der Wagen den hinter ihm fahrenden Porsche mit 400 PS alt aussehen. Mit dem i3 ist schnelles Fahren nur von kurzer Dauer. In Lauf macht sich Geldner auf die Suche nach einer Ladesäule. ,,Die Infrastruktur für Elektroautos ist aktuell nicht zufriedenstellend’’, stellt Geldner bedauernd fest.

Der schleppende Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Deutschland wird von den Automobilherstellern kritisiert. Laut einem Bericht des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BdEW) gibt es aktuell 5.500 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Alleine in Bayern sind 756 Ladestationen vorhanden. Spitzenreiter unter den Städten ist Stuttgart, dicht gefolgt von Berlin und Hamburg. „Der Zuwachs an Ladepunkten zeigt, dass die Energiebranche den Ausbau der Infrastruktur für Elektrofahrzeuge vorantreibt und weiter hinter dieser zukunftsweisenden und klimaschonenden Antriebstechnologie steht“, sagt Roger Kohlmann, Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Doch inwiefern treffen diese Angaben auf die Metropolregion Nürnberg zu? In der Metropolregion ist der größte Betreiber die N-ergie mit der Teilgesellschaft Solid GmbH. Markus Rützel, Geschäftsführer von Solid, spricht von einem wachsenden Ausbau der Infrastruktur. ,,Wir betreiben derzeit 40 Ladestationen. Bis zum Ende diesen Jahres sind insgesamt 100 Ladesäulen geplant’’, äußert sich Rützel zur aktuellen Situation.

Politische Hürden

Das Thema Infrastruktur für Elektroautos wird in den kommenden Jahren eine wegweisende Rolle spielen. ,,Leider liegen die Hemmnisse auf Seiten der Politik’’ , hadert der Diplom-Ingenieur. Rützel sieht die Elektromobilität dennoch auf einem guten Weg. Wirtschaft, Politik und die Energiebetreiber müssten nur endlich an einem Strang ziehen.

,,Ich kann mir gut vorstellen, in Zukunft ein Elektrofahrzeug einer konventionellen Antriebsform vorzuziehen’’, fasst Geldner sein Fazit nach der Probefahrt zusammen.

BMW i3: Weg mit den Verbrennungsmotoren (rechts Opel Zafira), die Zukunft heißt Elektromobilität 3.0 (BMW i3).

BMW i3: Weg mit den Verbrennungsmotoren (rechts Opel Zafira), die Zukunft heißt Elektromobilität 3.0 (BMW i3).

,,Allerdings muss sich im Hinblick auf Reichweite, Ladeinfrastruktur und die Anschaffungskosten noch einiges verbessern’’, fügt er hinzu. Nach gut zwei Stunden endet die Probefahrt mit dem kleinen BMW i3. Er kann auch nicht mehr weiter. Die Batterie ist leer. Nun heißt es wieder Stecker rein und aufladen, dass er morgen wieder die Fahrt aufnehmen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.