Freiheit auf zwei Rädern

Freiheit – dieses Wort assoziieren die Fahrer von geländegängigen Motorrädern meist zuerst mit ihrer Leidenschaft. Sie fahren mit ihrem Motorrad durch Wälder und über Wiesen, teils sogar kaum begehbare Hänge hinauf.

Bei der Veranstaltung Rund um Zschopau wird die Sicherheit großgeschrieben, ebenso ist dieser eine Samstag im Jahr für die ganze Region ein Muss.

Eine mit Absperrband begrenzte Strecke schlängelt sich über ein abgeerntetes Maisfeld, dann über ein kurzes Stück Wiese und schließlich zu einem felsigen Anstieg im Wald. Dieser ist derart steil, dass er zu Fuß kaum zu bewältigen wäre. Am Beginn dieser Auffahrt steht Franziska Klemm, Zuschauerin und Interessierte. Sie schaut den Teilnehmern mit ihren geländetauglichen Motorrädern – Enduros – sehr aufmerksam zu. „Der Fahrer mit der KTM und der Startnummer 742 hat die richtige Spur erwischt“, sagt Klemm, „der ist gleich beim ersten Mal und ohne große Probleme hochgekommen!“ Der nächste Fahrer hat sichtlich größere Probleme seine Enduro über die glatten und feuchten Steinplatten nach oben zu bringen.


Das berühmtberüchtigte Schlammloch


Nach dem Start geht es für ihn über Verbindungsstrecken zu den verschiedenen Sonderprüfungen, Auf- und Abfahrten undZeitkontrollen. Auf der 85km langen Strecke erwartet ihn unteranderem das Schlammloch bei Börnichen.

Danny versucht mit seinem Motorrad die Auffahrt nach oben zu gelangen. Foto: Franziska Klemm

Carina Müller ist die Mutter von Danny und begeisterte Zuschauerin. Sie hat Gummistiefel und eine schon ältere Regenjacke an. Sie steht neben diesem langen und tiefen Schlammloch, durch welches sich ein Teilnehmer nach dem anderen kämpft. Manchmal muss sie aufpassen, von den durchdrehenden Hinterrädern nicht von oben bis unten mit Dreck bespritzt zu werden. Gern nimmt sie den typischen Geruch der Zweitakt-Motoren wahr. Der Klang der Maschinen liegt ihr in den Ohren.
Schon sieht sie ihren Sohn und versucht ihm die richtige Spur durch dieses große und tiefe Schlammloch zu zeigen, sodass er schnell durchkommt. Um sich selbst zu schützen und die Fahrer nicht in Gefahr zu bringen, bleibt sie stets hinter den Absperrungen.
„Als Zuschauer gibt es immer eine volle Brotdose und ein Programmheft“, erklärt die Mutter, „so fahren wir zu interessanten Zuschauerpunkten.“ Weiterhin sagt Klemm: „An der Strecke ist immer eine super Stimmung, zum Beispiel wenn die Fahrer Späße machen oder auch einfach mal anhalten und sich mit dir unterhalten.“ Aber auch bei Scherzen ist es für die Zuschauer und Teilnehmer wichtig, sich niemals in Gefahr zu bringen.


Sogar die Bergwacht ist dabei


Erst wenn alle Einsatzkräfte wie Rettungswagen und Feuerwehr – in Zschopau sogar die Bergwacht – vor Ort sind, kann der erste Teilnehmer starten. So können die Veranstalter die schnellstmögliche Versorgung sicherstellen, sollte sich doch einmal ein Teilnehmer oder Zuschauer verletzen.
Entlang der Strecke befinden sich in kurzen, überschaubaren Abständen die Streckenposten. Diese achten darauf, dass Zuschauer und Fans sich nicht in Gefahr begeben. Auch helfen sie den Teilnehmern, wenn sie sich festgefahren haben oder aus eigener Kraft nicht mehr weiterkommen. Diese Helfer haben alle eine gelbe Flagge, die bei Unfällen oder anderen
Komplikationen auf der Strecke den nachfolgenden
Teilnehmern gezeigt werden kann. So sind die Teilnehmer gewarnt und wissen, dass sie langsamer fahren und mit einer Behinderung rechnen müssen.


Die Sieger ermitteln

Danny Müller auf seinem Motorrad. Foto: Franziska Klemm

Ziel einer solchen Enduroveranstaltung ist es zu ermitteln, wer auf all den anspruchsvollen Streckenabschnitten die wenigsten Probleme hatte und wer auf den Sonderprüfungen wie zum Beispiel dem Crosstest am schnellsten war. „Die Zeiten werden über einen Transponder am Helm aufgezeichnet“, erklärt René Müller. Er ist der Vater und großer Unterstützer von Danny. Im Zuge dessen werden die Sieger ermittelt. Weiterhin gibt es auf der Strecke Zeitkontrollen, um den chronologischen Ablauf zu kontrollieren. Wer zu spät an einer Zeitkontrolle erscheint bekommt auch dafür Strafsekunden aufgebrummt. Ein Rasen lohnt sich aber keineswegs, da eine zu frühe Ankunft an den Zeitkontrollen zu wesentlich höheren Strafzeiten führt.

 

 


Technik am Motorrad


„Weiterhin ist die Technik am Motorrad überaus wichtig“, sagt Erik Schneider. Er bezeichnet sich selbst am ehesten als interessierten Halbaktiven. Auch wenn er selbst noch an keiner Enduro-Sport Veranstaltung teilgenommen hat, bewegt der leidenschaftliche Mechaniker sich gerne außerhalb von Wettbewerben auf unbefestigten Wegen. Schneider hilft Danny oft bei Veranstaltungen. „Bei Wettbewerben ist es unabdingbar, dass das Motorrad verlässlich funktioniert“, sagt Schneider, „auch ist die Schutzkleidung bezüglich jeglicher Protektoren am Körper sehr wichtig. Das kommt aber ganz darauf an, wie man sich im Gelände bewegt. Bei einer gemütlichen Sonntagsausfahrt sind die Protektoren nicht so wichtig wie bei einer Wettbewerbs-Veranstaltung.“
Zur Sicherheitskleidung gehören abgesehen vom Helm, die Handschuhe, ordentliche Stiefel und Protektoren an Nacken, Schulter, Brust, Rücken, Ellenbogen und Knien.


Die Motorräder der Teilnehmer werden bei der technischen Abnahme vor Beginn der Veranstaltung überprüft. So ist sichergestellt, dass sich diese in einem entsprechenden Zustand befinden. „Die Bremsen und das Licht müssen funktionieren, alles muss fest sein und der Auspuff darf nicht zu laut sein“, erklärt Schneider, „nahezu immer wird die Klappfunktion der Fußrasten kontrolliert, da die Fahrer sich sonst schon bei einem harmlosen Sturz schwere Verletzungen zuziehen können.“ Weiterhin erklärt Danny: „Das Motorrad sollte technisch immer top dastehen. Die meist selbst durchgeführten Reparaturen, sollten Hand und Fuß haben, sodass man sich auf die Technik verlassen kann.“

Danny Müller verfolgt von einem seiner Konkurrenten. Foto: Franziska Klemm


Am Ende des Tages jeder Enduroveranstaltung zählt für die Organisatoren ein reibungsloser Ablauf ohne besondere Vorkommnisse. Die Teilnehmer feiern bei der Siegerehrung gemeinsam die Sieger und jeder für sich seine eigene Leistung, da jeder sogenannte Finisher in Zschopau aufgrund der anspruchsvollen Strecke ein Gewinner ist. Und die Zuschauer nehmen jede Menge spannende Eindrücke von teils atemberaubender Fahrzeugbeherrschung mit nach Hause.

 

 

 

 

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