Frohes Neues im April

Kurz nach Sonnenaufgang aufstehen, körperlich und innerlich reinigen, Speisen vorbereiten, traditionell kleiden und ab in den Hindu-Tempel Nürnberg, Aufseßplatz. So fängt das Neue Jahr bei den Hindus an.

 

Zubereitung der Süßspeise „Pongal“
Foto: Kirthiga Kathirgamanathan

„Wo bleibt die wichtigste Speise?“, fragt der Priester Sivakumar Sharma Kumarathasa suchend, bevor er das Neujahrsritual beginnt. Kumarathasa hat mit sechs Jahren angefangen, seinem Vater in seinem Tempel zu helfen. Nun führt er seit seinem 23. Lebensjahr zahlreiche Gottesdienste weltweit durch. Am tamilischen Neujahr darf die Speise „Pongal“ nicht fehlen. Die Süßspeise, ähnlich wie Milchreis, kocht der Priester mit den Tempelbesuchern im Sri Sithivinayagar Temple Nürnberg zusammen. „Gut umrühren! Wir brauchen noch mehr Milch“, sagt Kumarathasa zwischendurch und lässt jeden eine Hand voll Reis, Getreiden und weitere Zutaten in den Topf schütten. Durch die selbstständige Zubereitung lernen die Jüngeren und Älteren besser sich Dinge zu merken und gleichzeitig dürfen die Besucher auch selbst kochen.  Oftmals weiß keiner, warum die Hindus im April das neue Jahr feiern. „Auch wenn wir das Neujahr mit der ganzen Welt zusammen feiern, richten wir uns nach der Sonne. Die Laufbahn der Sonne fängt beim ersten Sternzeichen Wassermann an, damit fängt das Jahr für die Hindus an. Mitte April beginnt die Frühlingszeit, da ist die beste Zeit für die Ernte“, erklärt Kumarathasa.

Ablauf der Gottesdienste

 

Gottesdienst für Ganesha
Foto: Kirthiga Kathirgamanathan

„Um begangene Sünden oder Fehler während des Rituals zu begleichen, gibt es im Tempel sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag die Gottesdienste. Es kommt vor, dass wir Priester bestimmte „Mantras“ falsch sagen oder die Tempelbesucher während dem Gottesdienst unbewusste Fehler machen, wie zum Beispiel ungeduscht den Tempel betreten oder die Füße in Gegenwart des Gottes ausgestreckt sitzen“, erklärt Kumarathasa. Bevor der Gottesdienst anfängt, singen die Menschen in einem Chor, als Willkommensgruß. Währenddessen kleidet Kumarathasa die Götter ein. Sowohl die Tempelbesucher als auch der Priester betrachten die Statuen als lebendige Götter. Nach ungefähr 15 Minuten Chor und Bekleidung der Götter fängt der Gottesdienst an. Der Gottesdienst beginnt beim Ganesha mit dem Zusprechen von bestimmten Kräften, die Mantras genannt werden. „Für Hindus ist der Ganesha der Hauptgott, deswegen ist er mittig platziert“, sagt Kumarathasa. Dabei klingelt die Glocke und Blumen werden geworfen. Wenn die Glocke lauter klingelt, heben die Menschen ihre Hände in die Luft und rufen „Arohara“. Mit dem angezündeten Kerzenhalter malt der Priester ein Om in der Luft. Om ist eine heilige Silbe im Hinduismus. Im Kreislauf geht der Gottesdienst für jeden Gott weiter. Am Ende kommt der Priester wieder beim Ganesha an und vollendet den Gottesdienst mit dem Kerzenhalter. „Ich erzähle gerne die Geschichte unserer Religion oder über die einzelnen Aufgaben und Funktionen der Götter nach dem Gottesdienst“, sagt Kumarathasa.

 

Internationales Interesse am Hindu-Tempel

 

Der Chor im Hindu – Tempel
Foto: Kirthiga Kathirgamanathan

Der hinduistische Tempel ist in einem circa. 150 Quadratmeter großem Raum eingerichtet. Vor dem Eintritt in den Hauptraum, gibt es im Flur Platz die Schuhe auszuziehen. Besucher dürfen den heiligen Ort nicht mit Schuhen oder unhygienisch betreten. Das erste, was einem ins Auge fällt, ist der Behälter mit weißem Pulver und ein kleiner Tisch mit rotem und orangenem Pulver an der Wand. Jeder der reinkommt, muss den weißen Pulver als Streifen auf die Stirn auftragen. „Die weiße Farbe steht für die reine Seele des Gottes. Durch das Auftragen soll der Mensch den Gott mit einer reinen Seele begegnen kleines Häuschen mit einem Vorhang. In dem Haus sitzt der Hauptgott Ganesha. Um ihn herum sind die anderen Götter platziert. „Touristen oder auch Deutsche kommen öfters in den Tempel um zu meditieren. In Form von Rundgängen zeige ich den Besuchern jeden einzelnen Gott und erkläre die Bedeutung der Rituale“, sagt Kumarathasa. Wöchentlich besuchen rund 200 Menschen den Tempel und verlassen ihn wieder mit positiven Eindruck.

 

Website des Sri Sithivinayagar Tempels Nürnberg.

 

 

 

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