Geht es auch ohne Plastik?

Nachhaltigkeit ist in der Lebensmittelindustrie besonders beliebt. Große Ketten und Discounter werben mit Bioangeboten und nachhaltigen Hausmarken – doch kleine Märkte in Nürnberg wollen es noch besser zu machen und sind den Marktführern bereits einen Schritt voraus:

Sie vermeiden Müll beim Einkauf.

Bereits im Jahr 2013 hat „rankabrand“, eine Webseite, die Marken auf ihre Nachhaltigkeit untersucht und bewertet, Rewe als drittbesten Supermarkt im Ranking ausgezeichnet. Direkt dahinter folgt Penny, ein Tochtermarkt der Rewe Group. Die beiden Supermärkte reihten sich direkt hinter den Bioanbietern Alnatura und Bio Company ein. Beim rankabrand-Rating wurden Faktoren wie Klima- und Umweltschutz sowie fairer Handel und faire Arbeitsbedingungen erfasst.

Dem modernen Biotrend entsprechend ist Nachhaltigkeit ein zentraler Punkt auf der Agenda der Rewe Group. Doch auch bei den bekannten Biosiegeln ist nicht alles Gold was glänzt: Kaffee und Bananen sind Beispiele für Produkte, bei denen „die Arbeitsbedingungen auch im Biobereich leider immer noch sehr schlecht sind“. Das weiß Arthur Koenig, Gründer und Geschäftsführer von ZeroHero, einem Unverpacktladen in Nürnberg-Gostenhof. König und sein Mitgründer Thomas Linhardt setzten da an, wo die Nachhaltigkeit der großen Ketten aufhört: bei der Müllvermeidung.

Arthur König

Arthur Koenig ist Geschäftsführer und Mitgründer des Unverpacktladens ZeroHero. Foto: Jakob Wagenbrenner 

 

Einkaufen bei ZeroHero

 

Ende September 2017 eröffnete der Unverpacktladen ZeroHero in der Oberen Kanalstraße. Hier gibt es alles zu kaufen, was für den Wochenbedarf benötigt wird: Obst, Gemüse, Nudeln, Müsli und Gewürze sind nur der Anfang. Sogar eine verpackungsfreie Drogerieabteilung mit den Einzelzutaten zum Selbstmischen von Wasch- und Spülmitteln ist Teil des Ladens. Egal, was die Kunden kaufen, alles wird in mitgebrachte Behälter abgefüllt und an der Kasse gewogen, wobei das Eigengewicht des Behälters vorher abgezogen wird. Wer spontan einkaufen möchte, kann einen gespendeten Behälter verwenden oder ein Baumwollsäckchen im Laden kaufen. Preislich ist der Unverpacktladen mit einem Biomarkt vergleichbar. „Wir beziehen die Waren sackweise. Dadurch wird viel gespart am Marketing. Das sind dann einfache Papiersäcke, also eine Großmenge und diesen Preisvorteil geben wir an den Kunden weiter“, erklärt Arthur.

 

Die plastikfreie Lieferkette

 

Koenig und Linhardt achten streng auf die Herkunft ihrer Produkte. Obst und Gemüse sind zu 100 Prozent regional und saisonal; dazu gehören auch die Getreideprodukte. Zusätzlich soll die Lieferung möglichst müllfrei ablaufen. Der Endverkauf bildet dabei nur die Spitze der plastikfreien Lieferkette: „Wir schauen, dass wir die Sachen ohne Plastik geliefert bekommen und die Paletten nicht mit Folie umwickelt sind.“

Unverpackt

Kunden können die gekauften Mengen selbst bestimmen. Foto: Jakob Wagenbrenner

Lediglich bei einzelnen Produkten, wie beispielsweise stark ölhaltigen Nüssen, verbieten EU-Richtlinien die Papiersäcke. Für flüssige Produkte wie Essig oder Öle arbeiten die beiden Gründer mit einem Pfandsystem: Sie füllen die angelieferten Flüssigkeiten in ihre Glasgefäße um und geben dem Händler die großen Kanister zurück, sodass diese für die nächste Lieferung wieder neu befüllt werden können. Hygiene wird durch vorgeschriebene Richtlinien und strenge Überwachung garantiert. „Alle zwei Wochen wird kontrolliert. Sobald ein Behälter leer ist, wird das Gehäuse gereinigt und dokumentiert. Es ist wichtig, dass alles nachvollziehbar ist.“ Das erklärt Alexander Ludwig. Er ist Filialleiter des ebl-Marktes Gostenhof und betreibt ebenfalls eine kleine Abteilung mit unverpackten Lebensmitteln in seinem Laden. Für alle ebl-Filialen sei eine verpackungsfreie Abteilung laut Ludwig aber kein lohnendes Modell, denn „es braucht schon ziemlich viel Platz“. Während große Standorte, wie der in Gostenhof mit rund 1000 Quadratmetern, kein Problem damit haben, ist das für kleinere Märkte nicht ohne weiteres möglich.

 

Ganz ohne Plastik?

 

Unverpackt Drogerie

Auch flüssige Haushaltsprodukte wie Seife oder Allzweckreiniger können abgefüllt werden. Foto: Jakob Wagenbrenner

Die Nürnberger Bio-Supermarktkette ebl versteht sich als Best-Practice Beispiel für einen rundum nachhaltigen Bioladen. Die Filiale in Gostenhof zeigt sogar im Punkt der Müllvermeidung erste Veränderungsansätze. Doch selbst in ebl-Märkten gibt es mitunter immer noch Plastiktüten am Obst- und Gemüsestand. Auch Ludwig sieht das in seiner Filiale: „Es gibt leider Kunden, die Plastiktüten wollen, aus welchem Grund auch immer.“ Die Tüten bei ebl bestehen zwar zu 90 Prozent aus recyclebarer Zuckerrohstärke, dürfen aber wegen der fehlenden zehn Prozent nicht kompostiert werden. Trotzdem möchte Ludwig seinen Kunden die Tüten weiterhin anbieten. Die Lebensmittelkette Lidl hat Plastiktüten übrigens im Frühjahr 2017 verboten. Hier kann sich sogar ebl noch etwas abschauen, obwohl der Discounter Lidl beim rankabrand-Ranking im unteren Drittel gelandet ist.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.