Geladen und entsichert – Technik im Schießsport

Jakob Müller ist ruhig und in sich gekehrt. Er hebt sein Luftgewehr nach oben und legt es in Schulterhöhe an. Er nimmt einen festen Stand ein. Was um ihn herum geschieht, beachtet er nicht, denn seine Konzentration gilt der Zielscheibe. Müller atmet noch einmal tief aus, dann drückt er den Abzug.

Müllers Schüsse treffen. Er ist seit acht Jahren Mitglied im Sportschützenvereinzählt und zählt nicht umsonst zu den besten. „Das wesentliche Werkzeug des Sportschützen ist seine Waffe“, sagt er und blickt dabei stolz auf sein Luftgewehr. „Es ist ein technisch anspruchsvolles Gerät, das sorgfältiger Pflege bedarf und dessen Funktionsweise man als Trainer und Schütze unbedingt kennen sollte. Grundsätzlich wird zwischen pneumatischen Waffen und scharfen Schusswaffen unterschieden.“

Jakob Müller legt zum Schuss auf die elektronische Zielscheibe an.
Foto: Nicola Frommberger

Nicht alle Waffen mit explosionsartigem Antrieb

Die pneumatischen Waffen, auch als Luftgewehr, Luftpistole oder Pressluftgewehr bekannt, funktionieren immer nach dem gleichen Prinzip: Das Geschoss wird durch ein zusammengepresstes Gas im Lauf beschleunigt und erhält so seine Geschwindigkeit. Das Zusammenpressen des Gases erfolgt entweder unmittelbar vor jedem einzelnen Schuss durch einen Pumpmechanismus oder  eine gasgefüllte Patrone oder Kartusche im Gewehr. Aus der wird beim Ladevorgang so viel zusammengepresstes Gas in eine Kammer hinter dem Geschoss gefüllt, wie für einen Einzelschuss notwendig ist. Bei mehrschüssigen Luftpistolen werden in einem Magazin mehrere Projektile geladen. Vor jedem einzelnen Schuss wird automatisch aus einer Kartusche die erforderliche Gasmenge in eine Kammer hinter dem Projektil gefüllt, um das Geschoss zu beschleunigen.

Luftpistole LP300, die von Schützen zum Training genutzt wird
Foto: Nicola Frommberger

Die scharfen Schusswaffen haben ein anderes Funktionsprinzip: Hier werden Patronen geladen, die aus einer Pulverladung und dem Geschoss oder  Schrotkugeln bestehen. Das Aufschlagen des Schlagbolzens auf den Patronenboden zündet die Pulverladung. Sie verbrennt explosionsartig und bildet dabei eine Gasmenge, die das Geschoss im Lauf beschleunigen. In Fachkreisen wird hier von patronierter Munition gesprochen.

„Sportschützen wird als erstes beigebracht: Den Lauf nur nach vorne auf die Zielscheibe und nicht auf Personen richten, denn manchmal löst sich beim Abdrücken die Patrone nicht. Der Schütze soll dann verharren und auf einen Helfer warten, der mit ihm zusammen den Lauf öffnet und das Problem untersucht“, sagt Jakob Müller. „Es kam schon vor, dass das im Stress vergessen wurde. Alle legen sich dann schlagartig auf den Boden, weil keiner irgendwas abkriegen will“, schmunzelt er.

Trefferanzeige auf dem Monitor

Früher lehnte ein Fahrrad an der Wand, damit der Sportler zum Scheibenwechseln nach zwei Schuss schneller am anderen Ende des Schießstands ankam. Heute hat sich die Schießanlage der modernen Zeit angepasst. Treffer werden elektronisch registriert und direkt auf dem Bildschirm vor dem Schützen angezeigt“, erklärt Müller. Hierfür sind Lichtschranken vorne an der Schießscheibe installiert. Die Lichtschranken werden vom Schuss gebrochen und zeigen so die Position des Treffers.

Treffer werden direkt auf einem Bildschirm vor dem Schützen angezeigt.
Foto: Nicola Frommberger

„Dafür gibt es verschiedene Anbieter mit fast immer gleichem Funktionsprinzip der Anlage“, erläutert der Sportschütze. An der Waffe wird ein Laser- oder Infrarotstrahler befestigt und justiert. Der Lichtstrahl trifft neben der Zielscheibe auf eine Sensorscheibe. Die Bewegungen des Strahls auf der Sensorscheibe entsprechen den Bewegungen der Visierlinie auf der Wettkampfscheibe und sind auf dem Monitor eines Verarbeitungsrechners in Echtzeit zu betrachten. Einziger Nachteil solcher Anlagen besteht darin, dass man nicht sehen kann, welche optischen Wahrnehmungen der Schütze hat: „Die Lage der Kimme zum Korn bleibt hierbei unbekannt.“

Bei der laufenden Scheibe und der Wurfscheibe kommt eine Mikro-TV-Kamera zum Einsatz. Sie liefert fast genau dasselbe Bild, wie es der Schütze sieht. Diese Ergebnisse sind noch aussagekräftiger als die Ergebnisse mit den Laserzielanlagen. Damit kein Geschoss die Schießbahn verlassen kann, sind abgestimmte Sicherheitsbauten, insbesondere Hochblenden, erforderlich. Die Seitensicherung erfolgt über Seitenmauern oder Wälle, die bis auf Höhe der Hochblenden reichen.

„Für mich ist Schießen wie Meditation. Die Abwechslung zwischen körperlicher An- und Entspannung, zwischen Festhalten und Loslassen ist das, was mich in den Bann zieht. Die Fähigkeit sich selber runterzufahren, den Puls zu verlangsamen, die Atmung zu kontrollieren erlernt man aber nur durch regelmäßiges Training“, schwärmt Müller. Er nimmt seine Waffe, entlädt sie und legt sie in einen sicherbaren Transportkoffer. Danach setzt er das elektronische Zielscheibensystem zurück und der Anlagenplatz wird für den nächsten Schützen freigegeben.

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