Gunter von Hagens‘ „Körperwelten – Eine HERZenssache“ in Nürnberg

Zum ersten Mal macht die bekannte Ausstellung Gunther von Hagens‘ in Nürnberg im ehemaligen Quelle-Areal halt und bietet seinen Besuchern einen ganz anderen Blick auf den Menschen. Mit „Körperwelten – eine HERZenssache“  kann man das Zusammenspiel des Herz-Kreislaufsystems, dessen Erkrankungen,…

Zum ersten Mal macht die bekannte Ausstellung Gunther von Hagens‘ in Nürnberg im ehemaligen Quelle-Areal halt und bietet seinen Besuchern einen ganz anderen Blick auf den Menschen. Mit „Körperwelten – eine HERZenssache“  kann man das Zusammenspiel des Herz-Kreislaufsystems, dessen Erkrankungen, Muskelaufbau und die Entwicklung des Menschen hautnah an echten Präparaten begutachten.

Gunther von Hagens Ausstellung Körperwelten zieht schon seit vielen Jahren die Besucher an. Rund 40 Millionen  Besucher, davon allein 15 Millionen aus der EU, konnten bisher an echten menschlichen Präparaten erstmals einen Blick unter die Haut des Menschen wagen. Zahlreiche Erklärungen und Erläuterungen ergänzen die Präparate und ermöglichen uns, den Menschen besser zu verstehen.

Um solche Präparate zur Verfügung zu stellen, hat von Hagens 1977 an der Universität Heidelberg das Plastinationsverfahren erfunden und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Die Plastination ermöglicht es, den Verfall des toten Körpers zu stoppen und feste, geruchlose und dauerhaft haltbare anatomische Präparate für die wissenschaftliche und medizinische Ausbildung herzustellen. Dabei werden für ein Ganzkörperplastinat rund 1.500 Arbeitsstunden benötigt. Ziel der Ausstellung ist die gesundheitliche Aufklärung. Im Jahr 1995 fand in Japan die erste Ausstellung statt, seitdem war sie weltweit in über 20 Ländern und über 90 Städten in Europa, Afrika, Amerika und Asien zu sehen. Aktuell touren neun Körperwelten-Ausstellungen parallel durch Europa und Amerika.

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Das Herz als Plastinat. Foto: Sascha Buchholz / Körperwelten Nürnberg

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„Der Wellenreiter“: Körperspannung und Konzentration. Foto: Sascha Buchholz / Körperwelten Nürnberg

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„Der Schachspieler“ in gewollt nachdenklicher Position für seinen nächsten Zug. Foto: Sascha Buchholz / Körperwelten Nürnberg

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Das komplette Organsystem eines Menschen mit Raucherlunge. Foto: Sascha Buchholz / Körperwelten Nürnberg

Thematischer Schwerpunkt der Körperwelten Nürnberg ist das Herz, mit seinem weit verzweigten Gefäßsystem. Das Hochleistungsorgan unseres Körpers ist durch die Dauerbelastung im Laufe des Lebens Funktionsstörungen und Verschleißerscheinungen ausgesetzt. Krankheiten des Blutkreislaufs sind heute die häufigste Todesursache. Sie wären jedoch im Risiko erheblich reduzierbar. Hier setzt die Ausstellung an: Ganz ohne mahnenden Zeigefinger wird gezeigt, wie bereits kleine Änderungen im täglichen Leben große Auswirkungen auf den Gesamtzustand unseres Körpers haben können. Hier lädt die Ausstellung ein – welche als eine Art Selbstreise durch den menschlichen Körper aufgebaut ist – sich seiner selbst bewusst zu werden.

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Der Blinddarm mit Wurmfortsatz. Foto: Sascha Buchholz / Körperwelten Nürnberg

Gleich zu Beginn der Ausstellung wird der Besucher darüber aufgeklärt, woher die Präparate stammen. Es handelt sich bei den plastinierten Körpern ausschließlich um freiwillige Körperspender, die verfügt haben, dass ihr Köprer nach ihrem Tod zur medizinischen und wissenschaftlichen Aufklärung in den Ausstellungen verwendet werden dürfen. Dazu wird auf das lfP-Körperspendeprogramm, bei dem über 14.000 Körperspender registriert sind, zurückgegriffen. 12.408 Spender kommen alleine aus Deutschland und machen dabei mit über 80 Prozent den größten Anteil aus.

Weiter im Programm. Es folgt eine Reise durch den menschlichen Körper. Gezeigt werden Skelette, Menschen in alltäglichen Situationen und Haltungen, wie beim Sport treiben. Auch einzelne Organe und sogenannte Körperscheiben mit Querschnitten aus bestimmten Körperpartien, Oberschenkel, Prothesen, Föten und die verschiedenen Stadien der Schwangerschaft. Dabei werden die Präparate immer durch anschauliche Erklärungen begleitet und das Zusammenwirken der einzelnen Organe und des Kreislaufsystems erklärt.

Das Gefäßprofil einer Hand. Foto: Sascha Buchholz / Körperwelten Nürnberg

Tiefer Einblick: „Der Organpräsentator“. Foto: Sascha Buchholz / Körperwelten Nürnberg

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Fötus im 4. Schwangerschaftsmonat. Foto: Sascha Buchholz / Körperwelten Nürnberg

Querschnitt auf Höhe der Nieren. Foto: Sascha Buchholz / Körperwelten Nürnberg

                                                                                                                                                In den letzten Jahren wurde oft heftig und kontrovers in der Öffentlichkeit über die Ausstellung der Körperwelten diskutiert; dabei gab es sowohl begeisterte Zustimmung als auch Forderungen nach einem Verbot dieser Ausstellung. Dabei ist die Meinung zur „Faszination des Echten“, welche die Körperwelten in aufklärender Funktion objektiv an seine Besucher weitergeben möchte, in unabhängigen Besucherunfragen ermittelt worden. Das Ergebnis: 90 Prozent der befragten Besucher (mind. 500 Besucher wurden hierzu befragt) fanden die Ausstellung „Sehr gut“-„gut“, nur zwei Prozent „schlecht“ (Quelle: Prof. Dr. Ernst-D. Lantermann, Psychologisches Institut der Universität Kassel, Deutschland).

MEINE PERSÖNLICHE MEINUNG:

Letztenendes sollte jeder unvoreingenommen und offen an das Thema herangehen. Für Interessierte ist die Ausstellung die einzige Möglichkeit, einen Blick auf das Innerste des Körpers zu werfen und das Zusammenspiel aus Herz, Kreislauf und Organen besser zu verstehen. Mir hat die Ausstellung beindruckende Präparate gezeigt und sehr viel nützliches Wissen vermittelt. Ein bleibender Eindruck ist garantiert und löst immer mal wieder Gedanken über eine gesündere Lebensweise aus und regt an, diese auch dauerhaft umzusetzen.

Ich selbst bin, was solche Präparate betrifft, sehr offen eingestellt und gehe mit der Zielsetzung Gunter von Hagens und seinem Team sogar d’accord: Das Streben nach Aufklärung über und Wissen um den eigenen Körper war schon immer das Streben der Menschen. Die heutige Plastinationstechnik macht es möglich, auf beeindruckende Art und Weise das Innerste des Menschen zu erkunden und zu erforschen. Mehr über seinen Körper und dessen Funktionsweise zu lernen, hilft den Menschen zu verstehen, warum zum Beispiel einfache Veränderungen in Ernährung und Fitness vor Krankheiten schützen und – im Bezug auf Körperwelten Nürnberg- auch Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen. Eine spannende Reise in die Körperwelten, die man nicht so schnell vergisst.

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Eine Familie mit Kind. Foto: Sascha Buchholz / Körperwelten Nürnberg

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Die obrige Extremität: Präparat und Querschnitte. Foto: Sascha Buchholz / Körperwelten Nürnberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Körperwelten in Nürnberg können noch bis zum 11. Februar 2015 besucht werden:

KÖRPERWELTEN – Eine Herzenssache
Quelle-Areal
Fürther Straße 205
90429 Nürnberg

Öffnungszeiten:

Montag – Freitag: 9:00 – 19:00 Uhr (letzter Einlass 18:00 Uhr)
Samstag, Sonntag und Feiertage: 10:00 – 19:00 Uhr (letzter Einlass 18:00 Uhr)
Letzter Einlass und Schließung der Tageskasse jeweils eine Stunde vor Ausstellungsende. Es wird der Kauf von Tickets im Vorverkauf empfohlen.

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