Bienenvolk

Honig im Kopf

Ein lautes Summen ist zu hören. „Kommen Sie einfach durchgelaufen“, ertönt es von der gegenüberliegenden Seite des kleinen Gartens in Mögeldorf. „Die Bienen stechen nicht, die sind viel zu beschäftigt mit sich selbst“, erklärt Danielle Petschinka-Hegerfeld. Hunderte von Bienen schwirren im Schrebergarten der Imkerin umher.

Ein leichter Geruch von Wachs liegt in der Luft. Vorsichtig entfernt Petschinka-Hegerfeld Bienen von einem mit Wachs überzogenem Brett. Sie ist schon seit über 15 Jahren Imkerin und in mehreren Imker-Vereinen in Franken aktiv. „Ich habe schon vor dem aktuellen Imkerboom damit angefangen“.

Imkerin mit Bienen

Danielle Petschinka-Hegerfeld mit ihren Bienen. Sie kennt die Völker und trägt deswegen keinen Schutzanzug.   Foto: Friederike Herget

Die Angst vor dem Aussterben der Bienen scheint international Thema zu sein. Immerhin gehen Forscher davon aus, es gebe kaum noch wildlebende Bienen in Deutschland und die Zahl der Honigbienen habe sich seit den sechziger Jahren mehr als halbiert. Hierbei ist wichtig zwischen Honigbienen und Wildbienen zu unterscheiden. Der Begriff Wildbiene hat in der Biologie keinerlei Relevanz. Er entwickelte sich aus der fälschlichen Annahme der breiten Öffentlichkeit, es handle sich bei Bienen um die westliche Honigbiene. Der Begriff bezeichnet also sämtliche Bienenarten. „Der Honigbiene geht es gut, solange es Imker gibt“, sagt Petschinka-Hegerfeld. „Honigbienen sind Nutztiere“, erläutert Kai Frobel, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Naturschutz. „Sie werden schon seit vielen Jahrhunderten von Menschen gehalten und das nicht nur wegen des Honigs, sie sichern die Ernährung aller Lebewesen.“ Solange also ein wirtschaftliches Interesse an den Tieren besteht, wird es sie geben. Die Bienenexperten erklärt, dass Landwirte sogar dafür zahlen, damit direkt an Feldern geimkert wird. „Bienen sind effiziente Arbeiter“, erklärt die Imkerin. „Sie würden lieber längere Strecken fliegen, um die Blüten eines großen Rapsfelds abzuernten als im Nachbarsgarten die wenigen Kirschbäume abzufliegen.“

 

Bienen als Nutztiere

Bienen gelten in Deutschland als wichtigstes Nutztier nach Schweinen und Rindern. Sie bestäuben etwa 80 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutz- und Wildpflanzen. Wie wichtig die kleinen Nutztiere sind, ist den meisten unklar. „Wenn es keine Bienen mehr gibt, dann fällt das gesamte Ökosystem in sich zusammen“, erklärt die Imkerin. Bienen sorgen für Vielfältigkeit in der Natur, sind selbst aber auch auf Formenreichtum angewiesen. Monokulturen, also der Anbau immer gleicher Pflanzenarten auf einer Bodenfläche, gehören zu den Gründen des Aussterbens wild lebender Bienen. „Etwa ein Drittel der Bienenarten wird in den nächsten 25 Jahren aussterben, wenn wir die ständige Intensivierung der Landnutzung nicht ändern“, erklärt der Wildbienenexperte Robert Paxton von der Universität Halle.

Wenige Bienen sitzen auf Waben

„Wenn es keine Bienen mehr gibt, fällt das gesamte Ökosystem in sich zusammen.“    Foto: Friederike Herget

Wildbienen sterben aus

Der Biodiversitätsrat schätzt den Wert der weltweiten Lebensmittel, die es ohne Bienen und andere Bestäubungsinsekten nicht geben würde, auf etwa 500 Milliarden Euro jährlich. Um das Ausmaß fehlender Bienen visuell darzustellen, hat ein Lebensmitteldiscounter in Hannover-Langenhagen alle Produkte, die von Bestäubern abhängen, aus dem Sortiment genommen. Etwa 1600 von 2500 Produkte fehlten in den Regalen. Obst, Gemüse, Kaffee, Kakao, Säfte und sogar viele Pflegeprodukte fielen weg.

Der natürliche Lebensraum der Bienen wird immer weiter eingegrenzt. In Städten wie Nürnberg gibt es nur wenig grüne Flächen, die für Insekten geeignet sind. Welche Art von Pflanzen in Gärten wachsen, ist von großer Bedeutung, denn Bienen ernähren sich von Nektar. „Grüne Flächen bedeuten also nicht gleich Bienenparadies“, erklärt Petschinka-Hegerfeld. Besonders wichtig seien viele verschiedene Arten von Blumen und Gräsern. Als weiterer Grund für das Aussterben von Wildbienen werden Pestizide genannt. Besonders Neonikotinoide, das sind hochwirksame Insektizide, schaden jeder Art von Bestäubungsinsekten. Sie bewirken eine Störung der Weiterleitung von Nervenreizen – Insekten vergessen wo sie herkommen, erlahmen oder sterben.

Rettet die Bienen

„Was Bienen nicht rettet, sind eigene Völker unter schlechten Bedingungen zu halten“, mahnt die Imkerin.

Eine Biene sammelt Pollen

Pflanzen mit viel Nektar und Pollen eignen sich besonders gut für Insekten.    Foto: Friederike Herget

„Jeder sollte Bioprodukte kaufen.“ Bei deren Anbau wird auf Pestizide und Neonikotinoide verzichtet. Biobauern achten beim Anbau darauf, Böden wieder mit Nährstoffen zu versorgen, indem sie zwischendrin Klee oder Zwischensaaten säen. Ebenso wichtig ist es, den Bienen Nahrung zu bieten. Es reichen schon wenige Blumen auf dem Fensterbrett. Besonders eignen sich Pflanzen, die viel Nektar enthalten: Oregano, Salbei, Thymian, Sonnenblumen und Maiglöckchen.

 

Auch die Imkerin aus Mögeldorf hat insektenfreundliche Blumen in ihrem Garten. „Darauf habe ich gewartet“, sagt sie begeistert. Verborgen unter wild umher krabbelnden Bienen im Bienenstock öffnet sich eine Wabe und zu sehen ist der Kopf einer Jungbiene. Keine zehn Minuten benötigt sie, um sich aus der engen Zelle zu befreien. Sie krabbelt kurz verwirrt umher, bis sie dann ihren Platz im Volk findet und im Schwarm verschwindet.

Eine Jungbiene schlüpft

Nachdem die Jungbiene geschlüpft ist, muss sie sich orientieren.  Foto: Friederike Herget

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