Hyperloop – Mit Highspeed Richtung Zukunft

Induktionsmotoren spinnen ein etwa 200 Meter langes Magnetfeld auf einer Teststrecke in der Wüste von Nevada. Die 650 Kilo schwere, Aluminium umzogene Testkapsel wirft ein helles Licht auf die Zukunftsaussichten des Start-up Unternehmens Hyperloop One. In nur circa 1,5 Sekunden beschleunigt das Hightechgeschoss auf 700 Stundenkilometer, bevor es in das improvisierte
Sandkissen crasht – wie von den Entwicklern geplant. Die Machbarkeitsstudie ist ein voller Erfolg.

Der weltbekannte Technikpionier Elon Musk nennt es „die fünfte Form der Fortbewegung“. In Sachen Zukunftstechnologien hat der Gründer von Tesla und SpaceX noch keinen enttäuscht. Eine mit Aluminium umzogene Reisekabine soll in einer Vakuumröhre Passagiere mit bis zu 1400 Stundenkilometer transportieren. Mithilfe derselben Technologie, die bereits bei der bekannten Magnetschwebebahn verwendet wird und durch eine Teilevakuierung soll die Reibung zusätzlich verringert werden. Dadurch ist es möglich, Objekte mit Schallgeschwindigkeit zu bewegen. Eine Fahrt von San Francisco nach Las Vegas könnte durch den Hyperloop in etwa 30 Minuten zu bewerkstelligen sein. „Physikalisch möglich, in der Wirklichkeit jedoch schwer umzusetzen“, vermutet Florian Herrmann, Experte für Urbane Mobilität am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) Stuttgart.

Das erste Konzep Design des Hyperloop. (Source: Hyperloop One)

Der Hyperloop gleitet auf einem Luftkissen im Teilvakuum. (Quelle: Hyperloop One)

Für die Deutsche Bahn ist es jedoch Grund genug, um bereits mit der Streckenplanung zu beginnen – allerdings nicht in Deutschland. Im Auftrag des Unternehmens Hyperloop One soll die Deutsche Bahn ermitteln, wie die Strecken in Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten verlaufen müssen, um das moderne Fortbewegungsmittel optimal nutzen zu können. Jedoch möchten die Länder im Nahen Osten damit keine Menschen transportieren. Vielmehr versuchen sie auf den Gütertransport abzuzielen. Laut Niko Warbanoff, Chef der DB-E&C ist der Personenverkehr in der Region mithilfe dieser Technologie realisierbar. Zunächst liegt der Fokus allerdings nur auf dem Gütertransport. „Man kann jedoch nicht ausschließen, dass es auch bald Strecken für den Personalverkehr geben wird“, erläutert Tahir Omaradshi, Maschinenbauingenieur bei Hyperloop One. Städte wie Hannover und Nürnberg könnten von einem Nord-Süd-Hyperloop profitieren und das Reisen innerhalb von Deutschland deutlich vereinfachen.

Kostensparend, sicher und dennoch effektiv

„Die Vorteile, welche die Technologie mit sich bringt, sind kaum an einer Hand abzuzählen“, so Musk. Der Hyperloop wird durch autarke Energie versorgt und soll laut Einschätzung sogar zusätzlichen Strom generieren, der wiederum in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Ganz ökologisch ist das Projekt allerdings nicht. Vor der Inbetriebnahme muss die Landschaft für das Vorhaben angepasst werden. Bäume werden gefällt und Pfeiler aus einer Mischung flexibler Stoffe errichtet. Die Mixtur ermöglicht es, starken Erdbeben standzuhalten. Zusätzlich beabsichtigt Musk, das Hyperloop möglichst hoch über den Pylonen schweben zu lassen, um die Resistenz gegenüber Natureinwirkungen zusätzlich zu steigern. Zudem erfordert die neue passive Magnetschwebetechnik keine teure Infrastruktur, wie Stromtrassen, die bei der herkömmlichen Technik im Einsatz sein müssen. Das hat auch den Vorteil, dass das System bei einem Stromausfall voll funktionsfähig wäre. Den Schätzungen zufolge soll eine Kapsel etwa alle 45 Sekunden die Station erreichen. Ziel ist es, kleine Passagiergruppen möglichst schnell zu transportieren – zu möglichst günstigen Preisen. Eine Fahrt soll etwa 30 Dollar kosten. Preislich liegt der Hyperloop deutlich unter den herkömmlichen Transportmitteln.

Der Hyperloop verwendet das so genannte Passive-Inductrack-System. Bei der passiven Magnetschwebetechnik werden stromlose Spulen auf der Strecke platziert und die Dauermagneten in der Kapsel selbst verbaut. Dadurch können die Kapseln schweben und unabhängig von der Strecke an Geschwindigkeit gewinnen. Über den Bremsvorgang sollen die Batterien zusätzlich aufgeladen werden. Da im Gegenzug zu den anderen Magnetschwebebahnen keine zusätzliche Energie aufgewendet werden muss, um den passiven Schwebeeffekt zu erzeugen, ist es auch schwerlasttauglich und eignet sich so auch als Güterverkehrssystem.

Eine 3D Skizze der Infrastruktur. Die Röhren sind für hier transparent. (Source: Hyperloop One)

Eine 3D Skizze der Hyperloop-Infrastruktur.  (Quelle: Hyperloop One)

Ob der Hyperloop in Deutschland eingesetzt wird, bezweifelt Florian Herrmann. „Es ist schwer, neben einer bereits etablierten Infrastruktur ein völlig anderes System aufzubauen.“ Der Experte räumt ein, dass beim Transportmittel der Zukunft viele Fragen zu lösen sind. Das Projekt wird jedoch von einer optimistischen Vision getragen. „Mit enormer Willenskraft sind alle technischen Hürden leicht zu bewerkstelligen“, behauptet er überzeugt.

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